Es gibt Bands, die auf Tour gehen, um ihre Musik zu präsentieren. Und dann gibt es Bands wie The Cloverhearts, die von der Straße neue Geschichten, neue Melodien und offenbar sogar ganze Alben mit nach Hause bringen. Mit Germaniac! liefern die australischen Celtic-Folk-Punker eine Liebeserklärung an ihr Lieblings-Touring-Land Deutschland ab – laut, feuchtfröhlich und mit einem Augenzwinkern.
Schon der Opener „Oktoberfest (Beer Is Good)” macht unmissverständlich klar, wohin die Reise geht: Mitreißende Folk-Melodien, treibende Punk-Rhythmen, Dudelsäcke und ein Refrain, der auf Festivals und in Bierzelten gleichermaßen funktionieren dürfte. Die Band setzt von Anfang an auf Mitsing-Potenzial statt auf musikalische Zurückhaltung.
Dabei bleibt Germaniac! keineswegs eine reine Partyplatte. Songs wie „Heartbreaker“ und „Friday Night at O’Malley’s Pub“ verbinden klassische Folk-Punk-Energie mit eingängigen Hooks und zeigen das gewachsene Songwriting der Band. Besonders stark fällt „Never Again Is Now“ aus, das zwischen all den Feierhymnen einen ernsteren Ton anschlägt und dem Album zusätzliche Tiefe verleiht.
Der Deutschland-Bezug zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Platte. „Gesundheit!“ ist ein kurzer, humorvoller Punk-Ausbruch, während „Hungover in Hamburg“ vermutlich genau das vertont, was der Titel verspricht: die Konsequenzen einer langen Nacht auf der Reeperbahn. Auch „Gertrude’s Ghost (The Haunting of Hafenklang)” sticht hervor. Der Song verbindet lokale Hamburger Atmosphäre mit einer leicht schaurigen Folk-Geschichte und gehört zu den kreativsten Momenten des Albums.
Musikalisch bewegen sich The Cloverhearts souverän zwischen den Genre-Größen des Celtic Punk. Die Produktion ist druckvoll, die Töne sitzen perfekt und die Instrumentierung aus Gitarren, Folk-Elementen und Dudelsäcken sorgt dafür, dass die Songs trotz ihrer Kürze abwechslungsreich bleiben. Mit einer Gesamtspielzeit von kaum mehr als einer halben Stunde verschwendet die Band keine Sekunde. Jeder Song erfüllt seinen Zweck, ohne unnötige Längen.
Das Finale mit „Goddamn Würstel“ ist schließlich die passende Zugabe: kurz, absurd und genau die Art von humorvollem Abschluss, die man von einer Band erwartet, die einen Song namens „Oktoberfest (Beer Is Good)“ als Albumauftakt gewählt hat.





