Samstag, 1. August: Ein Finale zwischen Punk-Attitüde, Indie-Hymnen und emotionalem Pop
Der zweite und zugleich letzte Festivaltag des Green Juice Festivals 2026 zeigte eindrucksvoll, warum sich das Bonner Festival seit Jahren einen festen Platz im deutschen Festivalsommer erarbeitet hat. Während der Freitag von Alternative Rock und internationalen Acts geprägt war, stand der Samstag ganz im Zeichen deutschsprachiger Gitarrenmusik, moderner Indie-Klänge und kraftvoller Punk-Energie. Mit The Wombats wartete am Abend zwar erneut ein internationaler Headliner, zuvor präsentierte das Festival jedoch vor allem die Vielfalt der deutschen Musikszene.
Bereits am Mittag eröffnete Inferno das Programm auf der Mainstage mit Ihrem ersten Live Auftritt. Die Band aus Bonn gehört zu den vielversprechenden Nachwuchsacts des Festivals und bot den frühen Besucherinnen und Besuchern einen energiegeladenen Einstieg in den Tag mit Ihrem selbternannten Dino-Pop. Das Green Juice Festival nutzt seit vielen Jahren bewusst die ersten Slots, um jungen Künstlerinnen und Künstlern der Region eine große Bühne zu bieten – ein Konzept, das den familiären Charakter der Veranstaltung unterstreicht. Wer die Jungs von Inferno nochmal sehen möchte, sollte das Stadtgartenkonzert am Alten Zoll Bonn am 14.8.2026
Anschließend standen Still Talk auf der Bühne. Die Kölner Band verbindet Emo, Alternative Rock und modernen Pop-Punk mit atmosphärischen Gitarrenflächen und emotionalem Songwriting. Obwohl die Kölner eigentlich fast ein Heimspiel gehabt hätten, begann ihr Festivaltag bereits um 4 Uhr morgens mit der Abfahrt aus München. Die lange Anreise war ihnen jedoch nicht anzumerken. Mit eingängigen Refrains und spürbarer Spielfreude sorgten sie schnell für immer mehr Bewegung vor der Bühne.
Viele Fans hatten im Line-up eine Band vermisst, die in den letzten Jahren zu festen Größen geworden ist: Blackout Problems. Wie der Zufall es wollte, standen sie am Abend bei einem Festival ganz in der Nähe auf der Bühne. Am Morgen wurde dann über Social Media angekündigt, dass die Jungs auf dem 1LIVE-Bus ein Akustikset spielen würden. Der Platz war kurz vor 14 Uhr bis auf den letzten Zentimeter gefüllt – die Atmosphäre war schlichtweg fantastisch. Sänger Mario ließ es sich dabei nicht nehmen, trotz des akustischen Formats zu crowdsurfen und mit dem Mikrofonkabel über das Gelände zu fegen. Man darf gespannt sein, wie die Band im kommenden Jahr beim Green Juice Festival auftreten wird.
Mit Bruchbude aus Dortmund folgte eine der spannendsten jungen deutschsprachigen Rockbands. Das Quartett kombiniert Indie-Rock mit Punk-Einflüssen und ehrlichen, oft melancholischen Texten. Die Musik lebt von starken Gitarrenmelodien, eingängigen Refrains und einer unmittelbaren Emotionalität. Gerade die Mischung aus jugendlicher Energie und persönlichem Songwriting hat der Band in den vergangenen Jahren zahlreiche Festivalauftritte eingebracht. Bruchbude steht exemplarisch für eine neue Generation deutschsprachiger Gitarrenbands, die klassische Rockelemente mit modernem Indie verbinden. Und das alles spürte man auf dem Gelände des Green Juice. Die Menge war nicht zu halten mit Pits, Stagediving und Ausrasten, das der Boden nur so staubte.
Danach übernahm Paula Engels die Bühne und es wurde eher ruhiger und besonnener auf dem gelände. Die Düsseldorfer Singer-Songwriterin gilt als eine der interessantesten Stimmen des aktuellen deutschsprachigen Indie-Pop. Ihre Songs zeichnen sich durch große Ehrlichkeit, poetische Texte und eine warme, unverwechselbare Stimme aus. Statt auf große Effekte setzt sie auf Authentizität und intensive Geschichten über Beziehungen, Selbstfindung und das Erwachsenwerden. Gerade diese Nähe zu ihrem Publikum hat Paula Engels innerhalb kurzer Zeit zu einer festen Größe der jungen deutschen Musikszene gemacht.
Mit ok.danke.tschüss änderte sich die musikalische Richtung deutlich. Die Band aus Mannheim verbindet Indie-Pop mit Rap, elektronischen Elementen und humorvollen Texten. Gleichzeitig greifen ihre Songs immer wieder gesellschaftliche Themen wie Diversität, Gleichberechtigung oder mentale Gesundheit auf, ohne dabei belehrend zu wirken. Charakteristisch sind schnelle Tempowechsel, eingängige Melodien und ein spielerischer Umgang mit unterschiedlichen Genres. Erstaunlich welche junge und ältere Zielgruppe die Band mit Ihren Texten mitzieht. Eltern mit Kindern, die absolut testsicher alle Songs mitsangen. Kein Wunder das die Formation zu den erfolgreichsten Vertretern einer neuen Generation deutschsprachiger Indie-Bands zählt, die Pop, Hip-Hop und Rock selbstverständlich miteinander verbinden.
Auch die Rookie Stage gehörte am Samstag selbstverständlich wieder fest zum Line-up. Diese wurde ebenfalls sehr gut besucht und es war selten ein freies Plätzchen zu finden. Der Podcast „Auf dem Weg“, Juli Gilde, Carli und Hank brachten auch hier mit ihren Auftritten spannende Newcomer-Momente auf die Bühne. Vielleicht ist in ein oder zwei Jahren einer dieser Künstler schon auf der großen Green Juice Bühne zu sehen. Abgesehen von den Konzerten und den acht DJ-Sets am 1LIVE-Sektorbus waren auch verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen vor Ort vertreten. Zu den Teilnehmern zählten unter anderem Sea-Eye, die Welthungerhilfe, Pro Choice, Aktion Deutschland Hilft sowie das Netzwerk Blühende Landschaft.
Den frühen Abend prägte Adam Angst. Seit ihrer Gründung 2014 zählt die Band um Sänger Felix Schönfuss zu den wichtigsten Vertretern des deutschsprachigen Punkrocks. Bekannt wurde die Gruppe durch ihre kompromisslosen Texte, die gesellschaftliche Missstände, politische Entwicklungen und soziale Ungleichheiten thematisieren. Musikalisch verbinden Adam Angst klassischen Punk mit Hardcore-Einflüssen und Alternative Rock. Die direkte Sprache, scharfe Beobachtungen und eine enorme Live-Energie haben die Band längst zu einem festen Bestandteil der deutschen Festivalszene gemacht.
Mit Deine Cousine stand anschließend eine Künstlerin auf der Bühne, die Rock, Punk und Pop auf erfrischende Weise miteinander verbindet. Hinter dem Namen steht Ina Bredehorn, deren Karriere zunächst als Backgroundsängerin begann, bevor sie mit ihrer eigenen Band erfolgreich wurde. Ihre Songs handeln von Freiheit, Freundschaft, Selbstbestimmung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Musikalisch wechseln sich harte Gitarrenriffs mit eingängigen Refrains ab, wodurch ihre Musik sowohl Rockfans als auch Pop-Publikum anspricht. In den vergangenen Jahren entwickelte sich Deine Cousine zu einer der wichtigsten weiblichen Stimmen der deutschsprachigen Rockszene. Natürlich durfte auch ein Fan namens Rocco mit Ihr den Song „Der Himmel ist ´ne Kneipe“ auf der Bühne zelebrieren. Ihre geladene Show geht natürlich auch sofort über ans Publikum. Moshpits und Crowdsurfen stehen immer wieder im Fokus und Ina lässt es sich nehmen, natürlich auch in Bonn sich in der Menschenmenge beim Song „Attacke“ tragen zu lassen. Was für eine Powerfrau.
Den Abschluss des Festivals übernahmen schließlich The Wombats aus Liverpool. Seit ihrem internationalen Durchbruch mit dem Album „A Guide to Love, Loss & Desperation“ gehört das Trio zu den erfolgreichsten Indie-Rock-Bands Großbritanniens. Songs wie „Let’s Dance to Joy Division“ oder „Turn“ verbinden intelligente Texte mit eingängigen Gitarrenmelodien und tanzbaren Rhythmen. Ihr Sound bewegt sich zwischen klassischem Indie-Rock, New Wave und modernem Alternative Pop. Über fast zwei Jahrzehnte hinweg hat sich die Band eine treue internationale Fangemeinde aufgebaut und gilt bis heute als Garant für energiegeladene Festivalauftritte. Das hat man ab den ersten Song „Moving to New York“ gespürt. Permanentes Crowdsurfen begann und lautstarkes Mitsingen und Tanzen, was bis zum grandiosen Abschluss Song „Greek Tragedy“ und dem Abschlußfeuerwerk in den warmen Sommerhimmel anhielt.
Inferno
Still Talk
Blackout Problems
Bruchbude
Paula Engels
ok.danke.tschüss
Adam Angst
Deine Cousine
The Wombats
Das Programm des Samstags zeigte eindrucksvoll die Philosophie des Green Juice Festivals: Internationale Headliner treffen auf etablierte deutsche Szenegrößen und vielversprechende Nachwuchsbands. Zwischen emotionalem Indie-Pop, gesellschaftskritischem Punkrock, modernem Alternative Rock und hymnischem Britpop entstand ein abwechslungsreicher Festivaltag, der den Besucherinnen und Besuchern die gesamte Bandbreite aktueller Gitarrenmusik präsentierte. Gerade diese ausgewogene Mischung aus bekannten Namen und Neuentdeckungen macht das Green Juice Festival seit Jahren zu einem der beliebtesten Independent-Festivals in Nordrhein-Westfalen. Diese Ausrichtung spiegelte sich deutlich in der Stimmung auf dem Veranstaltungsgelände wider. Menschen jeden Alters, Familien mit Kindern über Jugendliche bis hin zu Omas und Opas feierten zusammen. Das komplette Gelände ist sehr gut überschaubar mit vielen Ruhezonen, Sonnenschirmen und Pavillons gestaltet, vor allem immer guten Blick auf die Hauptbühne, daß man sich hier nur wohlfühlen kann.
Das nächste Green Juice Festival 2027 findet am 6. und 7. August 2027 statt. Der Ticketverkauf startet bereits am 3. August 2026
und noch paar Schnappschüsse








































































































































































