30 Jahre Hurricane Festival – Bericht und Fotos

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Fotocredit
Bea

Dieses Jahr ging es für uns wieder einmal auf das Hurricane Festival nach Scheeßel. Den 30. Geburtstag konnten wir uns unmöglich entgehen lassen!

Nachdem wir letztes Jahr erstmalig das Schwesterfestival Southside in Neuhausen ob Eck am anderen Ende des Landes besuchten, freuten wir uns auf unsere Rückkehr in den hohen Norden.

Die Anreise gestaltete sich als sehr entspannt. Wir kamen recht spät an, so dass wir das große Anreisechaos verpassten.

Während kurz nach unserer Ankunft meine Sonnenbrille Opfer der Kofferraumtür wurde und in ein paar dutzend Stücke zerbrach ging kurze Zeit später unser heißgeliebter Bollerwagen kaputt. Über Jahre hinweg hatte er uns auf unzählige Festivals begleitet. Mit ihm warteten wir durch hohen Schlamm und Pfützen, zogen ihn über Steine und Kies, Sand und Geröll. Nichts konnte ihn je aufhalten. Im Camp herrschte große Trauer und wir erzählten uns gegenseitig die schönsten Geschichten vom „grünen Riesen“. Rest in Peace.

Am Donnerstagabend spielten als Warm-Up Paula Carolina, Juli, Disarstar, Herrenmagazin und wie jedes Jahr die Hansemädchen auf der Wild Coast Stage im Zelt.

Wie wir letztes Jahr feststellten, spielen die  Warm-Up Acts auf dem Southside Festival  nicht im Zelt, sondern auf der blauen Bühne. Dadurch fühlte es sich an, wie ein zusätzlicher vierter Festivaltag.  Das hat uns deutlich besser gefallen. Wir haben uns auf dem Hurricane-Campingplatz umgehört und viele der Besucher:innen hatten schon Lust auf die Acts, aber nicht auf das Zelt. Auch das heiße Wetter trug nicht dazu bei, die Motivation für einen Gang zum Zelt zu steigern.

So blieben auch wir an diesem Abend im Camp und machten uns dort einen gemütlichen ersten Festival-Abend.

 

Freitag

 

Der Freitag startete für uns 5.30 Uhr. Ein ordentliches Gewitter wütete über Scheeßel. Durch frühere Besuche auf dem Festival und in der Region wussten wir, wie schnell das Wetter hier umschlagen kann. Aber um ehrlich zu sein, haben wir nicht mit so einem Gewitter gerechnet. Knapp 500m vom Campingplatz entfernt, schlug ein Blitz in den Wald ein. So krochen wir alle aus unseren Zelten und fanden ein wildes Szenario vor. Unser heißgeliebter Pavillon war weit und breit nicht zu sehen, Zelte und Pavillons anderer Campingnachbarn lagen zerstört und in tausend Einzelteilen auf dem Platz zerstreut.

Zum Glück hatte sich unser Dach vom Pavillon nur wenige Camps entfernt verhakt und so fanden wir es rasch wieder. Auf unserem Abschnitt auf dem Campingplatz war eine Schneise der Verwüstung entstanden. Kein Camp sah mehr so aus wie am Abend zuvor.

Durch das Gewitter war es mittlerweile taghell auf dem Campingplatz geworden. Trotzdessen legte sich das Camp noch einmal schlafen. Schließlich brauchten wir Kraft für den anstehenden Mega-Line-Up-Tag.

Am Vormittag besuchten wir Kraftklub bei ihrem Soundcheck vor der Forest Stage. Auf dem Weg dorthin begutachteten wir die anderen Camps und waren sehr verwundert. Nachdem bei uns dutzende Zelte und Camps zerstört wurde, war in Richtung Infield alles in Ordnung. Dort waren nicht einmal einzelne Sturmleinen gelöst. Das Wetter in Scheeßel ist wirklich so unberechenbar und wahnsinnig.

Als nächstes fiel uns auf, dass unser geliebter „Damm-Blick“ nicht mehr möglich war. Wir bekamen sonst immer eine Gänsehaut, wenn man über den kleinen Erdwall in das Infield läuft und einen guten Blick auf die Menschenmassen und die Bühnen hat. Das war, dank eines großen Aufbaus einer bekannten Brillenfirma, so nun nicht mehr möglich. Wirklich schade.

Der Soundcheck der fünf Chemnitzer ließ viel versprechen und wir freuten uns bereits auf den Abend.

Zurück am Camp bauten wir unseren Pavillon neu auf und genossen die gemeinsame Zeit im Camp. Am Nachmittag machten wir uns dann erneut auf den Weg ins Infield. Dort schauten wir uns die Rikas aus Stuttgart an, die wir damit endlich von unserer Bucket-List streichen konnten.

 Direkt im Anschluss ging es für uns zur Sondaschule. Wie gewohnt gab es den totalenAbriss und wir sendeten alle „Schöne Grüße vom Hurricane“.  Zwar hatten wir dieselbe Setlist bereits bei Rock im Park gehört, aber das nahm der Sache keinen Abbruch. Es wurde ordentlich geschwitzt und getanzt und lautstark mitgesungen. Der ganz normale Wahnsinn bei einem Konzert der Sondaschule.

 

 

Leider mussten wir schweren Herzens die Donots skippen, um bei der Hitze etwas Energie und Kraft im Camp zu tanken. Mit frischen Kräften ging es dann für uns zu den Drunken Masters auf die Mountain Stage. Vor der Bühne war es wahnsinnig voll! Gefühlt das gesamte Festival tummelte sich vor der kleinen Bühne. Unsere große Hoffnung, Felix von Kraftklub würde bei „Wie viel ist dein Outfit wert“? zu Besuch kommen, hat sich leider nicht bestätigt. Diesen Gefallen tat er leider nur dem Southside Festival einen Trag später. Bodenlose Frechheit.

Um Dreiviertel Zehn ging es für uns dann zu Yungblud. Spätestens jetzt können wir den Hype um den jungen Briten nachvollziehen. Er hat eine so einmalige, charismatische Ausstrahlung auf der Bühne, dass man die aufgeregten Schreie der ersten Reihe nachvollziehen kann.

Beim Konzert von Yungblud hatten wir die ganze Zeit über dieses Gefühl, etwas Besonderem beizuwohnen. Klar ist Yungblud jetzt schon ein riesiger Star, aber gleichzeitig hat man das Gefühl, dass das erst der Anfang ist und da noch unglaublich viel auf uns zu kommt. Yungblud hat das Potenzial, eine ganze Generation an Menschen zu prägen. Vielleicht fühlte es sich bei manchen Menschen damals so ähnlich an, als sie Freddie Mercury mit Queen in den frühen Jahren live erlebt haben. Nicht, weil man die beiden vergleichen kann oder sollte, sondern wegen dieses Gefühls. Zeuge von etwas zu sein, das gerade erst beginnt, legendär zu werden.

 

Fotos Yungblud

 

 

 

Das riesengroße Sterben in Karl Marx Stadt Schild mit Countdown erinnerte uns bereits den ganzen Tag über an das anstehende Konzerte der Chemnitzer. Am Abend kam dann die zweitbeste Live-Band des Landes auf Bühne. (Beatsteaks für immer auf Platz 1!) Rund 65.000 Menschen versammelten sich vor der Forest Stage für Kraftklub. Wir bestellten Abriss und wir bekamen Abriss. Wenn Kraftklub auf der Bühne stehen weiß man, sie liefern einfach ab. Die Setlist war eine solide Festival-Setlist. Auch wenn die Klassiker „500 K“ und „Kein Liebeslied“ fehlten war es ein grandioser Auftritt.

 

Fotos Kraftklub

 

 

 

Während einige aus unserem Camp noch zu Roy Bianco und seinen Abbruzanti Boys gingen, machten wir uns nach Kraftklub auf dem Weg zum Camp. So langsam kühlte sich das aufgeheizte Festivalgelände ab und man konnte endlich das ein oder andere Spaßgetränk zu sich nehmen.

Samstag

 

Unsere erste Mission am Samstag war ein Interview mit Jakob und Djamin von den Leoniden. Dabei wurde unter anderem geklärt, wieso das neue Album am 01. Januar erscheint, was es mit dem Namen des Albums auf sich hat und was die dritt-liebste Farbe der beiden ist. Das Interview gibt es bald hier auf Festivalstalker zu lesen

Musikalisch starteten wir mit der Powerfrau Natasha Bedingfield in den Tag. Wir hatten ja keine Ahnung wie viele Hits sie neben den bekannten Songs wie „Unwritten“ und „Pocketful of Sunshine“ hat. Ein richtig mausiges Konzert mit einem guten Vibe zum Reinkommen in den zweiten Festivaltag.

 

Fotos Natasha Bedingfield

 

 

 

Weiter ging es für uns um 17:45 Uhr mit Kaffkiez. Wir erinnerten uns mit Schrecken zurück, als das Kaffkiez Konzert auf dem Hurricane 2023 wegen Unwetter unterbrochen werden musste. Dieses Mal zogen jedoch keine Wolken auf und so tanzten wir alle gemeinsam unter blauem Himmel und Sonnenschein vor der River Stage. Nachdem wir Kaffkiez nun schon einige Male auf Festivals und Soloshows sehen duften, können wir wirklich eine steile Entwicklung bei der jungen Band aus Rosenheim feststellen. Es ist jedes Mal so schön mitanzusehen, wie viel Spaß die Band auf der Bühne hat.

 

Fotos Kaffkiez

 

 

 

 

Am späten Nachmittag ließ sich ein Besuch im Zelt dann nicht mehr umgehen. Die Leoniden hatten einen spontan Secret-Surprise-Act angekündigt. Für uns war dieser 30 Minuten-Auftritt das Highlight des gesamten Tages. In der Mitte des Zeltes war eine kleine Stage aufgebaut, auf der die Band ihren ganz normalen Wahnsinn abspielte. Sogar der Ton war im Zelt zu ertragen, wenn sich die Bühne in der Mitte befindet. Vielleicht können die Festivalveranstalter:innen diese Erkenntnisse nutzen und auf andere Konzerte in den nächsten Jahren übertragen. Wir konnten jedenfalls nur Vorteile bei dieser Bühnen Position wahrnehmen.

Die schätzungsweiße 3000 Menschen, die sich im Zelt tummelten, hatten sichtlich Spaß und die Zeit ihres Lebens. Zu „L.O.V.E“  gab es dann den schönsten und größten Circle Pit den ich jemals gesehen habe. Die gesamte Crowd bewegte sich um die kleine Bühne herum und kesselte die Leoniden in einem wunderschönen Strudel ein.

Was für eine wundervolle Überraschung! Vielen Dank liebe Leoniden.

Nach diesem Ritt brauchten wir erstmal eine Pause. Zurück im Camp mussten wir diesen grandiosen Auftritt der Leoniden erst einmal verarbeiten.

Unser Plan am Abend war es, die Twenty One Pilots anzuschauen. Doch wie so oft, wenn man Pläne macht, kommt alles anders. Ich fotografierte die Twenty One Pilots und wir sahen uns noch zwei / drei andere Songs an. Dann überkam uns jedoch spontan die Lust SSIO auf der Mountain Stage aufzusuchen. Er stand schon länger auf unserer Bucket-List und wir beschlossen für einige Minuten vorbeizuschauen und ihm eine Chance zu geben. Tatsächlich blieben wir fast bis zum Ende des Sets.

Zurück im Camp wurden wir gefragt, wie uns die Pilots gefallen haben. So mussten wir „beichten“, dass wir uns nicht nur SSIO, sondern im Anschluss auch noch Finch ansahen. Wir wurden also verbal gesteinigt.

Man kann über Finch sagen, was man möchte. Wir selbst fanden einige Aktionen oder Aussagen der letzten Jahre mehr als fragwürdig und haben die Künstlerfigur „Finch“ immer wieder hinterfragt.  Aber was Finch auf der Bühne und mit der Crowd veranstaltet, ist einfach beeindruckend. Ohne auch nur eine kleine Pause hat Finch die ersten 30 Minuten durchgezogen und komplett abgerissen! Und wie sehr uns diese Show mitgerissen hat, können wir am Ende nicht mehr bestreiten.

Eigentlich war ja der Verlauf des Abends ganz anders geplant. Doch wie so oft auf Festivals kam dann alles anders und genau das macht für uns den besonderen Reiz eines Festivals aus. Man lässt sich spontan auf Künstler ein, zu deren Solokonzerten man vielleicht nicht unbedingt gegangen wäre und entdeckt dabei oft Musik, die man sonst verpasst hätte. Gerade solche unerwarteten Momente erweitern den eigenen Horizont und mache ein Festival am Ende unvergesslich.

 

 Fotos Twenty One Pilots

 

Sonntag

Der Sonntag begann für uns relativ stressig. Durch das Dahinscheiden unserer Bollerwagens mussten wir uns den Wagen unserer Freunde ausleihen. Diese wollten jedoch zeitig los und so mussten wir vorher alles erledigt haben.

Um Dreiviertel Sechs schauten wir uns A Day To Remember an. Das Konzert war der absolute Abriss und passend zum Bandnamen. Für uns war der Act einer der besten Auftritte des Wochenendes. Sowohl die Band, als auch die Crowd gaben bei über 30 Grad alles.

 

Fotos A Day to Remember

 

 

Der nächste Act war für uns Empire of the sun. Den Preis für die besten Bühnen Outfits geht auch jeden Fall an das Musikprojekt aus Australien. Sorry PA69!

Die Band griff die typische Festival-Sonntags-Stimmung sehr gut auf. Bevor am Abend alle noch einmal bei Billy Talent steil gehen sollten, brachte Empire of the Sun Cozy-Dance-Vibes mit.

 

Fotos Empire of the Sun

 

 

Die Cozy-Vibes sollten auch bei den folgenden Bands spürbar sein. Bevor es für uns zu Provinz ging, hörten wir uns noch einige Songs von Clueso an. Leider waren bei Clueso keine Fotograf:innen zugelassen, weswegen wir das Konzert so genießen konnten.

Passend zum romantischen Sonnenuntergang kamen dann Provinz auf die River Stage und brachten uns eine mausige Indie-Party. Wie bereits 2023 schaffte es die Band, das Hurricane-Festival in einen Wohlfühl-Platz zu verwandeln. Bei Provinz hat man der Crowd angemerkt, wie sehr sie diese Musik wirklich fühlt. Bei keinem der anderen ruhigeren Auftritte auf dem Festival haben wir erlebt, dass sich die Menschen so frei, gelassen und ungezwungen zur Musik bewegt haben. Es wurde getanzt, mitgefühlt und im Moment gelebt. Die perfekte Band für den letzten Festivalabend.

 

Fotos Provinz

 

 

Die allerletzte Band, die wir auf den Hurricane 2026 sahen, war Billy Talent.

Ich freute mich so enorm auf diesen Auftritt. Als dann klar wurde, dass die Band alle Songs vom zweiten Album spielte, war alles vorbei. Der Abschluss mit Billy Talent hätte wirklich kaum besser sein können. Von der ersten bis zur letzten Sekunde war die Stimmung elektrisierend. Man hatte das Gefühl, dass das zweite Album der gemeinsame Nenner der rund 78.000 Besucher:innen war. Unabhängig davon, welche Bands die Menschen das Wochenende über am meisten gefeiert hatten, bei Billy Talent waren plötzlich alle auf derselben Wellenlänge. Ein grandioser Festivalabschluss.

 

Fotos Billy Talent

 

 

Insgesamt hatten wir ein wahnsinnig schönes Hurricane Festival mit unzähligen b

esonderen Momenten, auf dem Infield und genauso auf dem Campingplatz. Wir haben eine Menge großartige Konzerte erleben dürfen, neue Marmeladenglasmomente gesammelt und viele neue tolle Menschen kennengelernt.

Grüße gehen auch raus an ein Camp in unserer Nähe, die es tatsächlich geschafft haben, von Donnerstagmittag bis Montagmittag durchgehend (!) „The fruityman“ zu spielen.

Unsere absoluten Highlights waren ganz klar der Überraschungsauftritt der Leoniden und der Auftritt von A Day to Remember. Dazu kamen Überraschungen von Bands, mit denen wir vorher vielleicht gar nicht gerechnet hätten und natürlich Künstler:innen, bei denen man einfach weiß, dass sie jedes Mal abliefern. In diese Kategorie gehören zum Beispiel die Jungs von Kraftklub.

Das Einzige, was und während des Wochenendes wirklich regelmäßig verwirrt hat, waren die neuen Bühnenfarben. Im allgemeinem Festival-Sprachgebrauch des Hurricane war die Mountain Stage immer „die rote Bühne“. Jetzt ist aber plötzlich die Forest Stage rot, was sich für uns bis heute irgendwie nicht erschließt und mehr als einmal für große Verwirrung gesorgt hat.

Davon abgesehen können wir der Organisation aber nur ein großes Lob aussprechen. So nahmen wir auch dieses Jahr erstmalig wahr, dass die Secus die ersten Reihen mit Wasserschläuchen abkühlten.

Das Cashless-Bezahlsystem funktionierte einwandfrei. Nur ein paar mehr Aufladestationen wären wünschenswert gewesen.

Positiv zu erwähnen ist außerdem, dass im Vergleich zu den letzten Jahren mehr Schattenplätze geschaffen wurden und dass sich die Toiletten-Situation merklich verbessert hat.

Für uns war es ein rundum gelungenes Festival, an das wir uns noch lange und gerne erinnern werden.

Zum Schluss bleibt und nur noch eins zu sagen: Herzlichen Glückwunsch liebes Hurricane zum 30. Geburtstag! Danke für ein Wochenende voller Musik, Begegnungen und Erinnerungen.

Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Wiedersehen.

30 Jahre Hurricane Festival - Bericht und Fotos