Review: „Night is Calling“ von Dominum

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8.4
Zuverlässige Zombies

Die Nacht ruft…

Sich neben der Musik auch durch die Ästhetik der Bandmember sowie das Bühnenbild abzuheben, gehört derzeit zum allgemeinen Konsens der Metalszene. Das zeigen neben Slipknot, Sleep Token und President zahlreiche weitere Beispiele. Braucht es also noch eine weitere Gruppe, die sich hinter Masken, Schminke und Gruseloutfits versteckt? Felix Heldt aus Nürnberg antwortet mit „Ja“ und gründet 2022 kurzerhand sein eigenes Projekt Dominum, bei welchem er erstmalig neben seiner Produzententätigkeit auch als Sänger auftritt. Nun veröffentlicht das Quartett sein bereits drittes Studioalbum „Night is Calling„, das wir uns für euch genauer ansehen.

Erneut schlüpfen Dominum dabei in ihre Bühnenpersönlichkeiten und Felix Heldt & Co. werden zu „Dr. Dead“, „Tommy Kemp“, „Patient Zero“ und „Victor Hiltop„. Sie bleiben auch auf dem Drittlingswerk dem (seit Beginn bestehenden) Zombie-Setting treu. Während mich der erste Vorgeschmack „The Circus is in Town“ lyrisch wenig abholt, überzeugt die Single dennoch durch gekonnt eingesetzte Zirkusmelodien inkl. Horrorclown-Breakdown am Ende. Wie bei allen Dominum-Singles empfiehlt es sich auch bei „Night is Calling“ die zugehörigen Musikvideos anzusehen.

„The Circus is in Town“ – Offizielles Musikvideo

„Doctor Doctor“ schafft es den Zuhörer von Anfang an mit ergreifenden Synth-Melodien und dem Singalong-Refrain mitzureißen. Zusätzlich laden die melodischen Männerchöre zur Mitte des Titels gerade zu zum Mitsingen ein und stellen in Aussicht, dass dieser Song auch live abreißen wird. Dominum sind nämlich ab November auf großer Night is Calling Tour“ durch ganz Europa. Und was darf bei einer guten Setlist im Mittelteil natürlich auch nicht fehlen? – Richtig, eine herzergreifende Ballade! Dr. Dead liefert diese mit „Dark Melodies“, ein Wohlfühl-Song, der während des Pre-Chorus sogar nur mit Klavier + Gesang auskommt.

„Dark Melodies“ – Musikvideo

Der Titeltrack „Night is Calling“ glänzt als letzter Vorbote des Albums durch ein Feature mit der neuen Battle Beast Frontfrau Marina La Torraca. Gerade das mitreißende Riff sowie der eingängige Gesang machen diesen Powermetal-Track zum würdigen Namensgeber des neuen Albums. Auch beim Vorgänger „The Dead Don’t Die“ (2024) entschied man sich bereits für ein feature mit Feuerschwanz als titelgebenden Song. Sowohl mit Feuerschwanz als auch Battle Beast teilten sich Dominum in den vergangenen Jahren bereits eine Bühne und wie es aussieht anschließend auch das Studio. Ein weiterer Rückbezug zu den vorangegangenen Longplayern findet sich in den beiden Acoustictracks „Don’t Get Bitten By The Wrong Ones“ und „Hey Living People“, die für das dritte Album stromlos neu aufgelegt wurden.

Dr. Dead bleibt sich treu

Auch bei der Tradition auf jedem seiner Werke mindestens ein Cover zu integrieren bleibt sich Felix Heldt treu. Diesmal entschied er sich für Michael Jacksons „Thriller“ und lässt es im Powermetal-Gewand neu erstrahlen. „Jack the Ripper“ greift lyrisch die sagenumwobene des britischen Serienmörders auf und inszeniert diese auch musikalisch gelungen. Der Song baut sein Tempo zum Refrain hin auf, der einen dann mitträgt. Schlussendlich leitet ein fulminanter Instrumentalteil in die abschließender Hook über. Hätte es solche musikalischen Möglichkeiten nur schon vor circa. 150 Jahren gegeben…

Auch „Nosferatu“ ist offensichtlich von dem Anfang des 19. Jahrhunderts erschienenen Stummfilm inspiriert. Wenn man musikalische Parallelen zu den Dominum-Freunden Feuerschwanz sucht, ist man hier richtig. Sowohl die Melodie mit ausgefallenen Klängen, als auch der Gesang erinnern in einem positiven Sinne an die Mittelaler-Metaler. Als letzte Nicht-Single sticht v.a. das dystopische „Endzeit“ ins Auge bzw. Ohr. Hier lässt ein sehr ruhiges Intro zunächst auf eine weiterer Ballade schließen, ehe das energetische Riff und der zum Mitsingen gemachte Refrain einsetzen. Und nein – hierbei handelt es sich sich nicht um Dominums ersten deutschen Titel – der schwarzmalende Text verbleibt 100-prozentig Englisch.

Fazit

Dominum bleiben mit „Night is Calling“ ihrer Linie in einem positiven Sinne treu. Von Horror- und Dystopieszenarien geprägt liefern und Dr.Dead und seine Crew neue Klänge, die skurrilerweise dennoch zum Mitsingen und -tanzen verleiten. Die Zukunft wird zeigen wie lange uns Dominum-Mastermind Felix Heldt von seinen Zombiegeschichten berichten kann, ohne sich zu oft zu wiederholen. Derzeit mache ich mir diesbezüglich aber keine Sorgen – „Night is Calling“ bringt frischen Wind und v.a. Energie in Dominums Diskografie und Live-Repertoire. Kann das Quartett diese Frequenz an neuer und guter Musik aufrecht erhalten, steht dem weiteren Aufstieg der Untoten an die Spitze nichts im Weg.

Redaktioneller Hinweis (JM): Die vergebene Punktzahl für „Artwork“ geht nicht in die Gesamtpunktzahl mit ein, da diese nur die musikalische Qualität widerspiegeln soll. Es wird versucht alle Bands/Künstler im Kontext ihrer derzeitigen Größe und Möglichkeiten zu bewerten.

Unser Fazit


Sound
8.5
Inhalt
8
Kreativität
8
Artwork
10
Wiederhörwert
9