Am 6. Juni 2026 erschien mit Make Me Evil das neue Album der Berliner Space Parasites über Fetzner Death Records. Die Platte macht überhaupt kein Geheimnis daraus, woher sie kommt: Die Band spielt mit praktisch jedem Thrash-Metal-Klischee, das man aus den Achtzigern noch irgendwo ausgraben kann. Und haben mir dabei verdammt viel Spaß bereitet!
Die entscheidende Frage ist für mich ohnehin nicht unbedingt, ob eine Band etwas komplett Neues erfindet. Viel interessanter ist, was sie mit dem macht, was sie kann. Und hier werden aus bekannten Zutaten tatsächlich Songs, die genügend eigene Momente besitzen. Nachdem ich mir anschließend noch Liveaufnahmen der Band von 2023 und 2024 angesehen habe, ist mir außerdem klar geworden: Die spielen mit diesen Klischees nicht nur – die Mitglieder und Fans verkörpern sie bis zur Perfektion. Beinahe sieht man Destruction anno 1984 vor dem inneren Auge.
Eigentlich müsste das irgendwann albern werden. Wird es für mich aber nicht, denn musikalisch können sie das tragen. Vor allem die Gitarren halten das Album in Bewegung. Die Riffs sind abwechslungsreich, die Drums machen genau das, was die Songs brauchen, und auch der Gesang bewegt sich zwar in einem relativ engen Thrash-Rahmen, sitzt rhythmisch aber ziemlich genau da, wo er hingehört. In Hostiles bleibt mir außerdem ein geschmackvolles zweistimmiges Gitarreninterlude hängen.
Ungefähr ab der Albumhälfte haben bei mir trotzdem leichte Ermüdungserscheinungen eingesetzt. Ausgerechnet dort kommt mit How Often aber ein Song, der aus dem üblichen Rahmen herausfällt: balladeskere Stimmung, ein bewusst anderer Charakter im Gesang, der trotzdem verfremdet bleibt – und plötzlich ist wieder Kontrast da, ohne die Identität der Band zu sehr zu strapazieren. Den Track werde ich definitiv noch mehrfach anhören. Keine Ahnung, how often 😉
Vielleicht ist die wichtigere Frage bei Space Parasites sowieso nicht, wie oft ich das Album noch hören werde. Denn nachdem ich Make Me Evil gehört und anschließend die Liveaufnahmen gesehen hatte, blieb vor allem ein Gedanke hängen: Die würde ich gerne mal auf einem Konzert sehen. Und wahrscheinlich ist das eines der besten Komplimente, die man dieser Art von Band machen kann.
Fazit: Eine Truppe, die sämtliche Achtziger-Thrash-Klischees mit Anlauf nimmt – und mir dabei so viel Spaß vermittelt, dass ich bei einer der nächsten Shows gerne vor der Bühne stehen würde.





