Wir waren am 2. Juli 2026 auf einem ganz besonderen Konzert, denn das Label Grand Hotel van Cleef hat zur Cruise van Cleef geladen. Dabei handelt es sich um ein Konzert auf einer Fähre, in diesem Fall die FRS Fähre zwischen Sylt und Rømø. Dieses Jahr waren Madsen der Headliner des Abends und Schluma als Vorband.
Das norddeutsche Wetter hat mal wieder sein Bestes gegeben diesen Abend besonders interessant zu gestalten. Bereits am Nachmittag zog ein Sturm der Stärke 5 auf, sodass manch einer bereits dachte, dass die Möglichkeit besteht, dass die Cruise van Cleef abgesagt werden könnte. Doch für echte Nordlichter war das einfach nur ’ne Steife Böe und so ging die Fahrt mit ’ner ordentlichen Portion Seegang los.
Eröffnet haben den Abend Schluma, welche beim Grand Hotel van Cleef unter Vertrag sind. Mit ihrem entspanntem Indie-Rock und Texten, bei denen keine Hand vor den Mund genommen wird, erobern sie die Herzen des Publikums. Songs wie „Starstruck forever“ oder „Uni Mensa“ laden zum Tanzen und Mitsingen ein und verströmen einen gewissen 90er-Vibe. Schluma steht für „Schluss machen“, welches sie gegen Ende ihres Sets verraten, laut eigener Aussage möchte ihr anwesender Manager das nur nicht, dass es zu oft erwähnt wird.
Nach einer kurzen Umbaupause trat dann der Kapitän auf die Bühne um in trockener norddeutscher Art Madsen anzukündigen. Diese konnten leider nicht in voller Besetzung auftreten, das Schlagzeuger Sascha Madsen krank zu Hause bleiben musste. Als Ersatz dafür ist Karlo eingesprungen, welcher die Songs innerhalb von 2 Tagen gelernt hat und seinen Job den ganzen Abend wirklich super macht. Das Set beginnen die Jungs aus dem Wendland mit „Smile“ vom gleichnamigen, aktuellen Album. Das Album ist gerade mal einen Monat alt und trotzdem können viele bereits mitsingen. Nach etwas Neuem folgt ein altbekannter Klassiker mit „Mein Herz bleibt hier“. Wer dachte, dass Madsen eher auf ruhige Songs setzen bei einem solchen Konzert, mit etwas anderem Publikum als üblich, hat sich getäuscht und so geben sie Vollgas bei „Sirenen“. Bevor es dann mit „Macht euch laut“ weiter geht, wird es erstmal politisch. Madsen haben schon immer klar Stellung bezogen und anlässlich des bevorstehenden AfD-Parteitages in Erfurt war es ihnen wichtig auch in diesem Kontext nochmal klare Kante gegen Rechts zu machen.
Um Ersatz-Schlagzeuger Karlo zu testen wird dann „Smells Like Teen Spirit“ angespielt – auch dieses hat Karlo drauf. Anschließend meint Sebastian, dass man Lisa Who am Keyboard heute Abend ja gar nicht sehen würde und holt sie nach vorne, nur um sich dann von der Bühne zu schleichen und so übernimmt Lisa die Ansage für „Achterbahn“. Bei der Cruise van Cleef werden Nägel mit Köpfen gemacht und so hat man auch draußen auf dem „Sonnen“-Deck die volle Beschallung des Konzerts und eine prima Aussicht, denn passend zu „Achterbahn“ dreht auch die Fähre sich einmal im Kreis. Um dann eine erneute Pause von Sebastian (diesmal zum Bierholen) zu überbrücken stimmt dann Johannes „Angels“ von Robbie Williams an, um anschließend in seinen Song „Kein Mann für eine Nacht“ reinzustarten. Im Anschluss war ich etwas verwundert, obwohl Sascha nicht mit dabei ist, haben Madsen den Song „Nachtbaden“ gespielt. Ich persönlich liebe diesen Song, aber halt mit Sascha. Anschließend gibt es dann eine Ansage dazu, dass es immer noch Punk und Rock ist und sich das immer jung und neu anfühlt und dadurch fühlt sich „Smile“ auch irgendwie, wie das erste Album an. Es folgt von besagtem Album der Song „1995“.
Mittlerweile ist das Publikum durchgeheizt und die Fähre ist am Beben. Bei „Rückenwind“ bringt Sebastian eine jazzy Bridge mit ein, welche vorher extra damit angesagt werden muss, dass er sich nun konzentrieren muss. Anschließend übernimmt Johannes die Ansage zu „Pass auf dich auf“ und erntet von Sebastian ein „Bro“ dafür, dass es für bereits verstorbene Wegbegleiter ist und liebe Menschen, wie seine Eltern…. und seine Ex…
Dann geht es nochmal richtig ab mit „Die Perfektion“. Dies war Madsen’s erster Hit und wirklich jeder an Bord kann mitsingen, spätestens bei der Bridge mit „Hey Hey Wickie“. „Immer wenn ich ans Mikro kommt passiert etwas Schräges“ sagt Johannes und macht dann vorm Finale von „Die Perfektion“ noch Streckübungen mit dem Publikum bevor sich alle hinsetzen, auch die Band, und anschließend vollkommen eskalieren.
Als Johannes sagt: „Lass mal Punkrock spielen, wollt ihr das Hören?“ beantwortet er dies selbst, ohne auf die Antwort des Publikums zu warten, mit Ja! und startet in „Auf deinem Balkon“. Anschließend kommt Mücke zu Wort, schnackt ein bisschen Norddeutsch (jedoch kein Platt) bevor es weitergeht mit dem Hit „Du schreibst Geschichte“. Anschließend verlässt die Band die wirklich kleine Bühne, kommt nach „Zugabe“-Rufen jedoch zurück.
Als erste Zugabe wird der Song „Leuchttürme“ gespielt im einfach absolut perfekten Moment. Denn genau zu dem Zeitpunkt ist der Leuchtturm von List auf Sylt bereits gut zu sehen. Ein wirklich magischer Moment! Anschließend gibt es noch einmal eine Ansage gegen den anstehenden AfD-Parteitag passend zum Song „Faust hoch (gegen Faschismus)“. Bei der letzten Ansage von Sebastian wird dann, was mich besonders freut, auf alle Gender eingegangen. Denn es heißt bei Madsen: sind alle Girls bereit? Sind alle Boys bereit? Sind alle dazwischen bereit? Wirklich wunderschön inklusiv. Niko macht dann noch einen Witz darüber, dass normalerweise auf Konzerten alle in solchen Momenten still stehen und einen auf der Bühne anstarren. Bei der Cruise von Cleef tuen sie dies jedoch im Wanken des Seeganges (welches er auch noch anschaulich präsentiert). Der nun wirklich letzte Song ist dann „Lass die Musik an“, bei dem die Menge nochmal alles gibt.
Auf einem „normalen“ Konzert würden nun die Menschen aus der Location heraus schwirren und sich überall hin verstreuen. Hier ist dies nicht so. Man sitzt noch gemütlich beisammen, Teile der Bands mischen sich unter das Publikum und es wird gequatscht und gelacht. Zuerst wird der Hafen von List auf Sylt angesteuert und die Fahrt endet dann abschließend in Havneby auf Rømø. Es ist und bleibt ein unvergesslicher Abend. Abende wie dieser lassen sich schwer in Worte fassen. Alles ist so persönlich und nah. Alles was drum herum passiert wird sich so nie wieder nachstellen lassen und das macht es einfach wunderbar einmalig.
- Schluma
- Schluma
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- Madsen
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