Am 31. Juli 2026 erschien mit Sturm aus Nord das zweite Album der Hamburger Das Letzte Lager. Interessant finde ich daran, dass sich meine Kritik an der Musik ziemlich genau auf das gesamte Albumkonzept übertragen lässt. Denn ich mag erstaunlich viele der einzelnen Komponenten.
Die physische Veröffentlichung gefällt mir außerordentlich, die Bilder funktionieren und auch textlich kann ich mit der zentralen Idee viel anfangen: Vergänglichkeit zieht sich als roter Faden durch Themen wie Verlust, Vergangenheit, Krieg und Heimat, verbunden mit dieser im Metal allgegenwärtigen nordischen Mythologie. Perfekt auf den Punkt gebracht in der Zeile: „Dein Reich komme – dein Reich vergehe.“ Dazu habe ich Respekt davor, dass Frost hier offenbar auch sehr persönliche Dinge verarbeitet. Das fühlt sich für mich deshalb nicht einfach nach aufgesetzter Wikinger-Romantik an.
Auch musikalisch mag ich viele der Zutaten. Die Gitarren klingen angenehm schwedisch, das eigentliche Highlight sind für mich aber die Drums. Sie klingen organisch, teilweise fast rock’n’rollig und helfen mit kleinen Grooves dabei, den Songs eine eigene Identität zu geben. Das ist auch nötig, denn beim Gesang passiert mir auf Albumlänge zu wenig. Frosts modrige Stimme gefällt mir grundsätzlich, bleibt aber so konstant, dass die Stücke zunehmend ineinanderlaufen. Mein Problem ist daher nicht der Stil, sondern die fehlende Entwicklung innerhalb dieser Schablone.
Und damit schließt sich für mich der Kreis: Ein Album, das immer wieder um Vergänglichkeit kreist und dabei musikalisch über weite Strecken sehr gleichförmig vorgetragen wird, ist ironischerweise für mich selbst ziemlich vergänglich.
Erst der letzte Song Ich Töte Den Tod Für Dich, der überwiegend instrumental und mit einer sehr persönlichen Widmung versehen ist, bringt noch einmal deutlich mehr Variation hinein. Beinahe zärtliche cleane Akkordbrechungen zu Beginn und später eine Wah-Wah-Gitarre zeigen, wie wenig es eigentlich gebraucht hätte, um die zuvor etablierte Klangwelt aufzubrechen.
Fazit: Sturm aus Nord hat eine stimmige Identität und einige richtig gute Einzelteile. Mir fehlen nur die Kontraste, die dafür sorgen würden, dass aus einer überzeugenden Grundidee auch über die gesamte Albumlänge etwas zu entdecken bleibt. Sollten Das Letzte Lager auf dem nächsten Release mehr von solchen ruhigeren Momenten zeigen – und sei es nur dezent an den richtigen Stellen eingestreut –, wäre ich definitiv wieder dabei!





