Im Rahmen des Leipzig zeigt Courage Festivals 2026 sprachen wir mit dem Frontmann der Bremer Punk Band „Team Scheisse“ für euch.
Festivalstalker: Hallo Timo!
Timo: Hallooo!
Festivalstalker: Leipzig. Bitte beschreib die Stadt Leipzig in drei Adjektiven.
Timo: (lacht) In drei Adjektiven? Okay. Leipzig ist schön. Das ist natürlich ein schwaches Adjektiv. Aber das ist das Problem mit Städten, wo wir nicht viel Zeit verbringen. Man sieht nur erstmal, ist die Stadt schön oder nicht schön. Hannover zum Beispiel würde ich nicht schön nennen. Aber Leipzig ist schön. Und unser Drummer hat heute gesagt, er kennt quasi nur Connewitz. Wir sind irgendwie im „Connie Island“ und dann ist man mit einmal hier und hat das Gefühl, es ist eine andere Stadt. Deswegen – Leipzig ist groß. Das ist irgendwie, glaube ich, der Punkt. Ja und Leipzig ist auch ein bisschen frisch. War ja vor ein paar Jahren das neue Berlin. War ein Geheimtipp und da ziehen viele hin. Defacto ziehen da aber auch wirklich viele hin. Ich habe einen Kumpel, der hat Jazz studiert in Weimar und wollte in Leipzig angenommen werden. Das heißt – junge Leute kommen hier hin und studieren Jazz und machen Musik und so weiter. Das heißt, es ist auch immer irgendwie eine junge Studentenstadt. Schön, groß, frisch. (lacht)
Festivalstalker: Wenn du in die Zukunft schaust in Hinblick auf die politische Lage des Landes. Ist das Glas halbvoll oder halbleer?
Timo: Die Metapher mit dem Glas ist schon so ein Ding. Was ist das Glas? Welche Flüssigkeit ist darin? Wer hat das eingegossen? Wenn das Glas der Kapitalismus ist, dann ist das Glas schon – seit ich auf der Welt bin – leer. Und alle machen nur noch Schulden und die Armen werden ärmer und die Reichen werden reicher. Das Glas war nie voll.
Festivalstalker: In einer perfekten Welt ohne Krieg und Nazis, was würde Frank beruflich und privat so machen?
Timo: (lacht) Da ist ja jetzt die Prämisse, wenn es keinen Krieg geben würde, gebe es keine Bundeswehr. Ich denke da kommt der Turn her. Ja da macht er halt irgendwas anderes. Es gibt genug schöne Dinge auf dem Planeten, die man machen kann. Man muss nicht zur Bundeswehr gehen, man muss nicht zur Polizei gehen. Du kannst alles andere machen, alles. Tischler, Frisör, Arzt. Fühl dich frei. Oder mach halt einfach gar nichts, so wie ich.
Festivalstalker: Also würdest du eher sagen, dass Frank eher so gechillt ist? Wenn er nicht so Frank-Sachen macht?
Timo: Ja also, wenn man so ein Psychogramm von ihm baut, dann geht es wahrscheinlich etwas tiefer. Also wenn jemand Waffen klaut, dann hat er eine ziemliche Schacke. Wir gehen man davon aus, dass er nur Waffen klaut, weil er bei der Bundeswehr ist. Und er würde dann kein Bösewicht mehr sein, weil er dann nicht bei der Bundeswehr wäre. Aber ich glaube, wenn er einfach nur ein Dieb oder ein potentieller Gewalttäter ist, dann ist er auch als Bäcker ein Dieb oder ein potentieller Gewalttäter. Dann klaut er Brote oder wird andere Leute umbringen.
Festivalstalker: Oder er ist ein Sammler. Was würde er dann sammeln?
Timo: Also, wenn er nur ein Sammler wäre, dann vielleicht Brötchen. Das wäre schön. Ach ja, klau doch einfach Brötchen. (lacht).
Festivalstalker: Wenn du auf dem Festival eine Stunde Zeit hättest einen Workshop zu veranstalten, über welches Thema wäre dieser Workshop?
Timo: Wow. Ich habe letztens so einen Workshop zum Thema „Texte schreiben“ gegeben. Aber da ist hier tatsächlich der falsche Ort dafür. Workshop, Workshop. Ja schon „Mucke machen“. Auch mit der Band, die hätten da auch sicher Bock drauf. Einfach paar Bands Setups geben, also so Backline, Schlagzeug und Bass. Und da kann jeder, der das noch nicht ausprobiert hat, erstmal mit jemand anderen Musik machen. Das ist etwas was, verhältnismäßig, sehr selten passiert. Viele Leute holen sich eine Gitarre oder nehmen Gitarrenunterricht oder sind sehr gut am Bass, aber kamen nie in die Situation mit anderen Leuten Musik zu machen. Weil es diese Räume nicht mehr gibt, weil es diese Zeit nicht mehr gibt. Weil viele Jugendlichen haben zehntausend Hobbies und können nicht noch nebenbei eine Band pflegen. Das ist auch Sozialpflege und so weiter. Ja, also so Band-Workshops wären schon geil.
Festivalstalker: Vielen Dank schon mal für deine Antworten. Jetzt würde ich dich noch bitten etwas zu zeichnen was für dich „Courage“ ausmacht.
Timo: Unter einer Bedingung. Ich darf mit allen Stiften malen.
Timo greift zu den mit Gummiband zusammengehaltenen Stiften und legt los.






