Mit ihrem Debüt liefern ERECTION ein Statement ab, das nach Schweiß, Bier, kaputten Chucks und verschwitzten Kellerclubs riecht – roh, laut und voller Haltung. Der Sound der Band ist eine explosive Mischung aus rotzigem Punkrock, Garage-Attitüde und dreckigem Rock’n’Roll, getragen von feministischer Selbstbestimmung und einer Energie, die keine Gefangenen macht.
Im Zentrum steht Frontfrau Julia – eine Naturgewalt zwischen Chaos, Charme und klarer Ansage. Ihre Stimme schwankt mühelos zwischen provokanter Coolness und emotionalem Kontrollverlust, ohne jemals gekünstelt zu wirken. Zusammen mit Schtiefns schneidenden Gitarren, Tinos unruhigem Bassspiel und dem druckvollen Drum-Line-up inklusive Vom Ritchie entsteht ein Sound, der gleichzeitig klassisch und komplett gegenwärtig wirkt.
Schon der Opener „Plug It In“ macht klar, wohin die Reise geht: Vollgas. Keine Einleitung, kein Sicherheitsgurt. Danach reiht sich ein Punk-Hit an den nächsten. „Hello Julia“ funktioniert wie eine rotzige Liebeserklärung an den DIY-Spirit der Szene, während „Ich Will Mehr“ mit hymnischem Refrain und aggressivem Vorwärtsdrang zu den stärksten Tracks der Platte gehört.
Besonders spannend wird das Album immer dann, wenn ERECTION zwischen Ironie und Ernst balancieren. „Kasse“ liefert bissige Gesellschaftskritik mit Tanzflächenpotenzial, „I Don’t Wanna Die“ überrascht mit fast schon melancholischer Tiefe, ohne dabei die Wucht zu verlieren. Tracks wie „Toys“, „You Don’t Know“ und „Hit By A Truck“ zeigen die Band in ihrer kompromisslosesten Form: laut, direkt und herrlich unperfekt.
Und dann wäre da noch „Colin Robinson“ – vermutlich der schrägste Song der Platte. Zwischen nerdigem Humor und Punk-Abriss entwickelt sich der Track zu einem echten Überraschungsfavoriten. Genau solche Momente machen Plug It In spannend: Die Band nimmt sich selbst nie zu ernst, ihre Message dagegen umso mehr.
Produktionstechnisch bleibt das Album angenehm ungeschliffen. Statt steriler Hochglanzpolitur setzt die Band auf Authentizität. Die Songs wirken live eingespielt, spontan und gefährlich – genau so, wie Punk klingen sollte.
Mit Plug It Inliefern ERECTION kein perfektes Album ab. Zum Glück nicht. Die Platte lebt von Ecken, Kanten und einer spürbaren „Scheiß drauf“-Mentalität. Genau darin liegt ihre Stärke. Dieses Album will nicht everybody’s darling sein – es will dich anschreien, dir den Drink aus der Hand schlagen und dich anschließend mit auf die Tanzfläche ziehen.
ERECTION sind laut. ERECTION sind unbequem. ERECTION sind verdammt lebendig.





