Die ukrainischen Modern-Metal-Architekt:innen IGNEA öffnen mit der zweiten Single „Darkness“ die Tür zu ihrem kommenden Album Monumental (erscheint am 23. Oktober 2026 über Napalm Records) ein weiteres Stück. Der Song schafft ein emotionales Fundament für das Werk, das sich mit dem Konzept der Nostalgie befasst. „Darkness“ erkundet das Gefühl, Zuflucht in Erinnerungen zu finden, selbst wenn diese inzwischen ihre Risse zeigen. Aus Kyiv stammend haben IGNEA Erfahrung mit solch brüchigen Erinnerungen, weshalb der neue Song unausweichlich eine bittersüße Wendung nimmt. Unheimliche, melancholische Strophen und hoffnungsvolle Refrains spielen sich zu einem Live-Chor auf, den die Band mit rohen Blastbeats kontrastiert – so spiegelt der Song den emotionalen Umschwung zwischen der tröstenden Nostalgie in ihren Schatten und das folgende Gefühl der Sehnsucht.
Das Video zu „Darkness“ wurde in der ukrainischen Hauptstadt gedreht. Der Spaziergang durch Kyiv fängt ein weiteres Thema des Albums ein: Er zeigt modernistische Gebäude, die einst eine Zukunft versprachen, die letztlich nie eintraf. Teile des Videos wurden außerdem an der Nationalen Universität für Bauwesen und Architektur gedreht, die symbolisch für die urbane Nostalgie des Albums steht. Schließlich tragen die Säle des Gebäudes den Geist mehrerer Generationen an Studierenden, die dort lernten, eben jene Gebäude zu erschaffen, um die das Video trauert.
Da dieselben Gebäude, die einst die unschuldigen Erinnerungen von IGNEAs Kindheit beherbergten, mittlerweile durch den Krieg in Trümmern liegen, schafft die Bildsprache des Videos eine zweite, bittere Bedeutung der Nostalgie. Es geht nicht nur um Sehnsucht nach der Vergangenheit, sondern um die Trauer um das, was in Echtzeit ausgelöscht wird. Und wie der grausame Zufall es wollte, filmte die Band das Video zu „Darkness“ in buchstäblicher Dunkelheit, nachdem Kyiv in der Nacht vor dem Dreh von einem weiteren großen Raketenangriff getroffen wurde.
Helle Bohdanova über „Darkness“:
„In ‚Darkness‘ geht es darum, wie wir uns in Nostalgie flüchten, wenn die Gegenwart zu schwer wird – und wie bittersüß es ist, zu realisieren, dass man nie wirklich zurückkehren kann. Da alle Mitglieder von IGNEA aus Kyiv sind, wollten wir eine nostalgische Ode an unsere Stadt erschaffen, indem wir durch ihre Erinnerungen spazieren – entlang derselben modernistischen Gebäude, die einst eine Zukunft versprachen, der U-Bahn-Stationen, derselben Straßen in denen sich unsere Kindheit abspielte, erste Küsse, Menschen, die wir verloren haben.
Der Krieg fügt dem Ganzen eine weitere Ebene dunkler Nostalgie hinzu, da wir den Gebäuden in Echtzeit beim Brennen zusehen. Er hat sogar unsere beiden Videodrehtage beeinflusst. Der erste Tag folgte auf einen der schlimmsten Raketenangriffe auf Kyiv in der Nacht zuvor – wir hatten nicht geschlafen und liefen rein auf Adrenalin. Die Stadt brannte noch, als wir zum Set gefahren sind. Am zweiten Tag haben wir gedreht, während dauernd Sirenen und Dronen losgingen.
Wir leben in Dunkelheit und sehnen uns nach friedlichen Zeiten ohne Probleme. Können wir je zurückkehren?“




