Wer bei RAT BOY nur an rotzige Indie-Hymnen, britischen Slacker-Humor und anarchische Punk-Attitüde denkt, wird auf CRASH! eines Besseren belehrt. Das mittlerweile vierte Studioalbum der Band um Jordan Cardy zeigt eine Gruppe, die ihre DIY-Wurzeln nicht nur bewahrt hat, sondern sie mit neuer Entschlossenheit und erstaunlicher emotionaler Offenheit verbindet.
Die Entstehungsgeschichte klingt dabei fast zu gut, um wahr zu sein: Aufgenommen wurde das 18 Tracks starke Werk im Garten von Suzi Quatro, wo die Band kurzerhand zwei Schuppen in ein improvisiertes Studio verwandelte. Gemeinsam mit Bandkollege Booth und Tim Armstrong als Co-Produzenten entstand ein Album, das den Geist klassischer Punk-Aufnahmen atmet, gleichzeitig aber deutlich über Genregrenzen hinausblickt.
Bereits der eröffnende Einminüter „Broken“ macht klar, dass CRASH! keine Sekunde verschwenden will. Die Songs kommen schnell auf den Punkt, viele bleiben unter der Drei-Minuten-Marke und entfalten gerade dadurch eine unmittelbare Wirkung. „High Life“, „Awaydays“ und das energiegeladene „Baseball Bat“ verbinden britischen Indie-Rock mit Skatepunk-Einflüssen, während „Gun To My Head“ und „Sick of It“ die raue Seite der Band hervorheben.
Doch die größte Stärke des Albums liegt in seinen Kontrasten. Zwischen den euphorischen Ausbrüchen finden sich immer wieder nachdenkliche Momente. „The River“, „Blind“ und insbesondere „Make Me Stay“ zeigen eine verletzlichere Seite von Cardys Songwriting. Hinter den gewohnt bissigen Beobachtungen über Alltag, Freundschaften und gesellschaftliche Absurditäten verbirgt sich eine spürbare Melancholie, die dem Album zusätzliche Tiefe verleiht.
Auch die kürzeren Zwischenspiele funktionieren überraschend gut. Das knapp einminütige „Nightbus“ wirkt wie eine Momentaufnahme einer durchzechten Nacht und schafft einen atmosphärischen Übergang in die zweite Albumhälfte. Dort folgen mit „SOS“, „Deadend“ und „Arrested Development“ einige der stärksten Songs der Platte, die den Spagat zwischen eingängigen Refrains und ungeschliffener Punk-Energie meisterhaft beherrschen.
Produktionstechnisch bleibt CRASH! angenehm. Die Aufnahmen besitzen Ecken und Kanten, ohne unfertig zu wirken. Gerade dieser leicht chaotische Charakter passt perfekt zum Albumtitel und vermittelt das Gefühl, als würde die Band jederzeit kurz vor dem Kontrollverlust stehen – nur um im entscheidenden Moment wieder die Kurve zu bekommen.
Mit dem abschließenden „No Stars“ endet ein Album, das weniger auf große Hits als auf ein geschlossenes Gesamtbild setzt. Die 18 Songs rauschen in knapp 42 Minuten vorbei und hinterlassen den Eindruck einer Band, die sich ihrer Identität vollkommen bewusst ist und dennoch neue Facetten entdeckt.
Fazit:
CRASH! ist ein wildes, ehrliches und überraschend vielseitiges Album. RAT BOY bleiben ihren punkigen DIY-Wurzeln treu, öffnen sich aber stärker denn je emotionalen Themen. Das Ergebnis ist eine ihrer reifsten und gleichzeitig unmittelbarsten Veröffentlichungen.





