Clawfinger in Köln-Abriss und ein Finale mit Gänsehautgarantie!

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Ralph H

Manchmal sind es genau diese Konzertabende, die einem wieder vor Augen führen, warum man Live-Musik so liebt. Wenn aus einem Club eine einzige große Party wird, Generationen gemeinsam feiern und am Ende hunderte Stimmen einen Song zu einer gewaltigen Hymne machen. Genau so ein Abend war der 26. Oktober 2026 in der ausverkauften Live Music Hall in Köln. Die schwedischen Crossover-Urgesteine von Clawfinger waren mit ihrer „Before We All Die Tour“ zu Gast und hatten jede Menge Klassiker, neue Songs und vor allem eine ordentliche Portion Spielfreude im Gepäck.

Sickret sorgen für den ersten Temperaturanstieg

Den Abend eröffneten Sickret als Special Guest. Die Schweizer Formation lieferte einen passablen Support ab und brachte mit ihrem modernen Nu-Metal die ersten Bewegungen in die Halle.

Mit Songs wie „Time for Change“, „Tripping Hard“, „Pressure“ und „So Sick“ gab es einen ordentlichen Vorgeschmack auf das, was musikalisch an diesem Abend noch folgen sollte. Sicherlich nicht der ganz große Überraschungsmoment, aber ein solider Auftakt, der seinen Zweck erfüllte.

Nach dem Support stieg die Spannung spürbar. Die Umbaupause wurde genutzt, um sich noch einmal mit Getränken einzudecken und sich einen möglichst guten Platz zu sichern. Schließlich wartete der eigentliche Grund für den ausverkauften Montagabend.

Clawfinger betreten die Bühne – und Köln ist bereit!

Gegen 21 Uhr war es endlich so weit. Clawfinger betraten die Bühne und legten mit dem Titeltrack „Before We All Die“ direkt los. Ein Statement gleich zu Beginn: Die Band ist zurück, hat neues Material und absolut keine Lust, sich auf ihren alten Erfolgen auszuruhen.

Mit „Recipe for Hate“ ging es anschließend direkt in die vertraute Clawfinger-Welt. Druckvolle Riffs, treibende Beats und die unverwechselbare Stimme von Zak Tell sorgten dafür, dass die Halle schnell auf Betriebstemperatur kam.

Was neben der musikalischen Energie sofort auffiel, war die lockere und sympathische Art der Band. Vor allem Sänger Zak Tell suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum. Zwischen den Songs wurde gescherzt, gelacht und auch die eine oder andere spontane Bemerkung eingestreut.

Dabei bekamen sowohl das Chatten mit ChatGPT als auch das gute deutsche Bier ihr Fett weg. Genau solche Momente machen einen Konzertabend besonders. Keine abgehobene Rockstar-Attitüde, sondern Musiker, die sichtlich Spaß an ihrem Auftritt haben und sich selbst nicht allzu ernst nehmen.

Die Stimmung war ausgelassen, die Fans gingen mit und die Mischung aus Humor und musikalischer Härte funktionierte hervorragend.

Eine Reise durch drei Jahrzehnte Clawfinger

Musikalisch bot der Abend eine abwechslungsreiche Reise durch die Bandgeschichte. Neben dem aktuellen Album kamen natürlich auch zahlreiche Klassiker zum Zug.

Mit „You Call Yourself a Teacher“, „Pin Me Down“ und „Two Sides“ präsentierten Clawfinger weiteres Material aus „Before We All Die“. Dabei wurde schnell deutlich, dass die neuen Songs hervorragend neben den alten Klassikern bestehen können.

Es folgten „Hold Your Head Up“, „Kill the Dream“ und „Big Brother“. Gerade bei den älteren Stücken dürfte bei vielen Konzertbesuchern eine ordentliche Portion Nostalgie aufgekommen sein. Schließlich verbinden zahlreiche Fans mit diesen Songs Erinnerungen an die Neunziger, an die ersten Clawfinger-Alben und an eine Zeit, in der Crossover und Rap-Metal die Musikwelt ordentlich aufmischten. Doch von Altersmüdigkeit war an diesem Abend nichts zu spüren.

Mit „Ball & Chain“, „Out to Get Me“, „Nothing Going On“ und „Hypocrite“ wurde weiter ordentlich Druck gemacht. Die Band wechselte geschickt zwischen neuen Songs und altbekannten Nummern. Es folgten „Going Down (Like Titanic)“, „Rosegrove“, „Warfair“, „Scum“, „Tomorrow“, „Undone“ und „The Price We Pay“.

Gerade die Kombination aus den bissigen Texten und dem unverkennbaren musikalischen Fundament machte den Reiz des Auftritts aus. Clawfinger sind eben mehr als nur harte Gitarren und eingängige Refrains. Ihre Songs haben eine Haltung, sie provozieren, sie hinterfragen und treffen auch heute noch einen Nerv. Das neue Album fügt sich dabei erstaunlich selbstverständlich in das Live-Programm ein. Die alten Klassiker bilden das Fundament, während die neuen Stücke zeigen, dass die Band auch nach 18 Jahren ohne Studioalbum noch lange nicht fertig ist.

Wenn eine ganze Halle zum Chor wird

Nach einem energiegeladenen Hauptprogramm näherte sich der Abend langsam seinem Höhepunkt. Doch natürlich war in der Live Music Hall noch lange nicht Schluss.

Für die Zugabe hatten Clawfinger noch einmal drei besondere Nummern vorbereitet. Mit „Biggest & the Best“ und „The Truth“ wurde zunächst weiter gefeiert, bevor schließlich der Song kam, auf den viele gewartet hatten.  „Do What I Say“!

Und dann passierte genau das, was einen Konzertabend unvergesslich macht. Kaum erklangen die ersten Töne, verwandelte sich die gesamte Live Music Hall in einen einzigen großen Chor. Hunderte Stimmen sangen gemeinsam, die Arme gingen nach oben und die ohnehin schon fantastische Stimmung erreichte ihren absoluten Höhepunkt. Es war dieser besondere Moment, in dem Bühne und Publikum miteinander verschmelzen. Die Band spielte, die Fans sangen und für ein paar Minuten gehörte die Halle einfach allen gemeinsam. Gänsehaut pur! Man konnte den Spaß und die Begeisterung auf beiden Seiten förmlich spüren. Kein künstlich inszenierter Moment, keine große Showeinlage – einfach ein Song, den jeder kennt, und ein Publikum, das ihn mit voller Leidenschaft mitsingt.

Genau dafür liebt man Live-Musik. Solche Augenblicke lassen sich nicht planen und schon gar nicht reproduzieren. Man muss einfach dabei sein.

Alte Wut, neue Hymnen und eine Live Music Hall im Ausnahmezustand. Clawfinger haben geliefert – Köln hat gefeiert!

 

Sickret

 

Clawfinger