Halloween in Oberhausen, und statt Kürbisfratzen regieren Äxte, Hörner und Bärte. Amon Amarth machen mit ihrer „The Allfather Awakens“-Tour Station in der Rudolf Weber-Arena. Im Gepäck haben sie das gleichnamige neue Album, das Anfang Oktober auf Platz vier der deutschen Charts eingestiegen ist. Mit Orbit Culture und Soilwork sind zwei Landsleute dabei, und schnell wird klar: Als bloßes Vorprogramm versteht sich hier an diesem Abend niemand.
Den Anfang machen Soilwork. Der Innenraum ist bereits ordentlich gefüllt, auf den oberen Rängen ist dagegen noch reichlich Platz. Wer früh da ist, wird belohnt. Lange dauert es nicht, bis sich vor der Bühne der erste Circle Pit dreht. Zum Abschied gibt es ein „Vielen Dank“ auf Deutsch, und die Halle ist warmgespielt.
Dann Orbit Culture, für mich persönlich ein kleines Highlight. Die Band läuft bei mir seit Langem in der Playlist, sie endlich live zu sehen, ist etwas Besonderes. Und die Schweden liefern. Der Sound ist hervorragend, die Band heizt vom ersten Song an ein, und das Publikum hat sichtlich Bock: Circle Pits, eine Wall of Death, und als Frontmann Niklas Karlsson einen größeren Circle Pit fordert, wird der Kreis prompt weiter. Einziger Wermutstropfen ist ein deutliches Brummen, das sich bei einem Song über den Sound legt. Den starken Gesamteindruck schmälert das kaum. Für diese Band würde ich mir ein eigenes Ticket kaufen und mir eine komplette Headliner-Show geben.
Dann geht das Licht aus, und aus den Boxen läuft Iron Maiden als Intro. Kaum stehen Amon Amarth auf der Bühne, gibt Johan Hegg die Richtung vor: „Wir sind doch alle Wikinger“. Die Band ist sichtlich gut drauf, die Crowdsurfer kommen in Wellen über die Absperrung, und die Security hat alle Hände voll zu tun. Bei „Shield Wall“ öffnet sich ein ordentlicher Circle Pit im Innenraum. Der Sound ist durchweg sehr gut, wuchtig und trotzdem klar.
Und dann dieses Bühnenbild. Für die aktuelle Tour haben Amon Amarth eine komplett neue Produktion aufgefahren, und die ist schlicht gewaltig. Links und rechts ragen massive Säulen in die Höhe, übersät mit keltischen Knotenmustern und Runen. In der Mitte thront das Schlagzeug auf einem verzierten Podest, flankiert von zwei geschnitzten Drachenköpfen, als würde die Band vom Bug eines Langschiffs aus spielen. Dahinter erhebt sich ein steinernes Tor mit Runenbogen, durch das auf der riesigen Videowand mal ein Sternenhimmel, mal Wolkenfelder über dem Meer zu sehen sind. Im Laufe des Abends verwandelt sich die Szenerie: Zwei gewaltige Kriegerstatuen, auf ihre Schwerter gestützt, wachen über die Bühne, während hinter ihnen eine riesige Rune in eine Steinmauer gemeißelt erscheint. Wenn dann die Flammensäulen quer über die Bühne in die Höhe schießen, taucht die ganze Kulisse in glühendes Orange.
Dazu kommt echtes Schauspiel. Der Allvater mit Hörnerhelm, Rüstung und Speer baut sich mitten auf der Bühne auf, und an anderer Stelle liefern sich zwei Kämpfer in Kettenhemd mit Rundschild und Schwert ein Gefecht. Das ist kein Beiwerk, sondern Teil der Geschichte, die diese Band seit Jahrzehnten erzählt.
Für mich ist so ein Abend mehr als ein Konzert. 2009 habe ich Amon Amarth in Wacken zum ersten Mal live gesehen, seitdem sind sie meine Lieblingsband, und auf meiner Kutte trage ich einen unterschriebenen Backpatch. Wer die Band noch aus Locations wie dem Kölner E-Werk kennt und sie heute eine Arena wie diese bespielen sieht, weiß, welchen Weg sie gegangen ist. Anfang Oktober stand ich bei der Release-Show zu „The Allfather Awakens“ in der Zeche Carl in Essen: ein kleiner, intimer Abend, an dem die Band zum Greifen nah war. Keine vier Wochen später stehe ich in der Rudolf Weber-Arena vor Säulen, Statuen und Flammenwänden. Zwei völlig verschiedene Welten, eine Band. Und das Schönste daran: Man sieht ihnen den Spaß in beiden Formaten in jeder Minute an.
Drei Bands, dreimal schwedischer Stahl. Am Ende steht ein Abend, der zeigt, warum Amon Amarth heute Arenen füllen.
Amon Amarth
Orbit Culture
Soilwork
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