ChRocktikal rockt das Columbia Theater Berlin

ChRocktikal Berlin _ FestivalStalker (2)

Am 09. September eröffnet die südkoreanisch Rockband ChRocktikal (크록티칼) ihre erste Europatour im Berliner Columbia Theater und beweist, dass Rock nicht nur hart sein muss, sondern auch durchaus charmant sein kann.

Volle Energie von der ersten Sekunde

Das Intro ist kaum verklungen, da übernimmt Gitarrist Wonseok das Mikro – auf Deutsch, mit hörbarem Stolz auf jedes einzelne Wort: Er sei „der Gitarrist von“ ChRocktikal und könne es kaum fassen, „heute Abend hier bei euch“ zu sein. Die Band habe lange auf diesen Moment gewartet, und das spürt man in jeder Sekunde. Mit „PEACE“ und „RIDE“ geht es direkt in die Vollen, bevor „WTH“ das Publikum endgültig aufheizt.

Auch Leadsängerin Siyeon lässt es sich nicht nehmen, ihre Vorfreude auf Deutsch zu teilen. Sie habe extra „eine kleine Begrüßung auf Deutsch vorbereitet“, entschuldigt sich charmant im Voraus dafür, dass ihr Deutsch „noch nicht so gut“ sei, und bittet das Publikum, sie trotzdem gut zu verstehen. Die Geste kommt an – im Saal wird gelacht, applaudiert, mitgefiebert.

ChRocktikal rockt das Columbia Theater Berlin

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Persönliche Geschichten zwischen den Songs

Zwischen den Songs wird es immer wieder nostalgisch: Junyoung erzählt von einer Kindheitsreise nach Frankfurt und davon, wie besonders es sich anfühle, „diesmal als Musiker für ein Konzert in Berlin“ zurückzukehren. Der erste Eindruck von der Stadt sei, dass sie einfach schön sei – und dass man unbedingt noch „echtes deutsches Bier und Brot“ probieren wolle, bevor es „über die Autobahn“ weitergeht.

Vor dem Instrumental-Jam gibt es außerdem noch einen Einblick in die Entstehung des neuen Albums „Bloom & Gloom“, das eine Woche vor dem Tourauftakt erschienen ist. Die Vorbereitung auf die Europatour sei „ein wildes Abenteuer“ gewesen, man habe in extrem kurzer Zeit ein ganzes Album fertigstellen müssen. Die Band spricht offen davon, wie stolz sie ist, das Ergebnis nun live zu präsentieren – ein Gefühl, das die Fans am Abend deutlich spüren.

Kopf schütteln statt Headbangen

Sängerin Siyeon sorgte für eine der lustigsten Publikumsinteraktionen des Abends: Statt zum klassischen Headbangen fordert sie die Menge auf, für den nächsten Song stattdessen zu springen und den Kopf zu schütteln. Ein klassischer Übersetzungsfehler, der aber liebevoll aufgenommen wird. Immerhin passiert es nicht alle Tage, dass eine südkoreanische Band ihre Geschichten („ments“) fast ausschließlich auf Deutsch vorbereitet haben.

Bei „Guilty“ wird das Publikum direkt gefragt, welcher Song vom neuen Album ihr Favorit sei – die Antwort ist eindeutig, das Lied selbst. Passenderweise erzählt die Band kurz danach von den stundenlangen Sessions an einem einzigen Gitarrenriff für das eben erst veröffentlichte Album: Es sei intensiv gewesen, aber man habe etwas schaffen wollen, das „direkt ins Herz trifft“ – ein Album, in das die Band ihr „ganzes Herzblut“ gesteckt hat. Genau das ist im Saal an diesem Abend zu spüren.

 

Publikumsnähe und kleine Pannen

Immer wieder sucht die Leadsängerin Siyeon den direkten Kontakt zu den Fans: Als sie nach dem Instrumental-Jam wieder auf die Bühne kommt, fragt sie nicht nur „Did you have fun with my guys?“, sondern findet es ebenso niedlich, wie sehr sich die Fans über ihre Rückkehr nach Deutschland gefreut haben. Auch bei der Songansage zu „NAVI“ entsteht ein Moment, der zeigt, dass ChRocktikal ihren Fans ganz nah ist: Ein Fan ruft den Songtitel, noch bevor die Band ihn nennt, und auf Siyeons erstauntes „How did you know?“ kommt die Antwort: „Cause we love you.“

Beim finalen Abschlussfoto der Show soll sie eigentlich auf Deutsch runterzählen – ein weniger hapert es jedoch an der Aussprache, sodass ein Fan aus dem Publikum spontan einspringt und „3-2-1“ für sie zählt, was für großes Gelächter sorgt.

Fazit

Mit „¡Corre!“, „KALish“, „NAVI“, „Iris“ und „Memory Box“ verabschiedet sich ChRocktikal nach knapp zwei Stunden von einem Berliner Publikum, das restlos überzeugt ist. Für den Auftakt ihrer allerersten Europatour wirkt die Show souverän: musikalisch eindrucksvoll, persönlich warm und mit genug Selbstironie, um auch sprachliche Hürden und kleinere Technik-Pannen charmant zu kompensieren.

Wer die Band nun selbst live sehen will, hat am 17. September in Amsterdam, am 18. September in Paris, am 21. September in Prag und am 23. September in Warschau noch die Chance dazu. Tickets gibt es beim Tourveranstalter Envol Prod.