Review: The Groggy Dogs – „No Grog No Glory“

The Groggy Dogs – No Grog No Glory
9.1
kurz, prägnant und ohne jeden Ballast

Es gibt Alben, die man hört – und es gibt Alben, die man erlebt. „No Grog No Glory“,  der spanischen Piratencrew The Groggy Dogs, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Wer hier leise Zwischentöne oder zurückhaltende Arrangements sucht, wird schneller über Bord geworfen als ein blinder Passagier auf hoher See.

Gegründet im Chaosjahr 2020, haben sich The Groggy Dogs einer Mission verschrieben: traditionelle Seemannslieder und keltische Folk-Melodien durch den Fleischwolf aus Punk, Ska und Metal zu drehen – und genau das tun sie mit einer Konsequenz, die gleichzeitig beeindruckt und erschöpft. Das Ergebnis ist ein Sound, der klingt, als hätten sich betrunkene Matrosen mit einer Hardcore-Band in einer Taverne eingeschlossen und beschlossen, niemals wieder nüchtern zu werden.

Schon der Opener „Storms Ahead!“ setzt die Segel mit voller Wucht: treibende Drums, kreischende Gitarren und ein Refrain, der sofort zum Mitgrölen einlädt. „All Hands on Deck“ und „One Last Toast“ halten das Tempo hoch und liefern genau das, was die Band verspricht – kollektive Eskalation. Hier geht es nicht um Perfektion, sondern um Energie, Schweiß und Gemeinschaft.

nüchtern bleibt hier niemand

Ein besonderes Highlight ist die Interpretation von „Fifteen Men On a Deadman’s Chest“, die den bekannten Shanty in ein wuchtiges Punk-Brett verwandelt, ohne seinen ursprünglichen Charakter komplett zu verlieren. Auch „Roll The Grog Around“ und „Seven Seas of Grog“ zeigen, wie geschickt die Band eingängige Melodien mit brachialer Wucht kombiniert.

Mit „The Ballad of Woodenhand Sam“ gönnt sich das Album eine kleine Verschnaufpause – zumindest im Vergleich. Hier blitzt mehr erzählerischer Folk durch, bevor es mit „The Sea for The Free“ und „Go To Sea No More“ wieder zurück in den Moshpit geht.

Die zweite Hälfte des Albums bleibt konsequent auf Kurs: „Roll The Woodpile Down“ und „The Keelhauling Set“ sind rohe, tanzbare Abrissbirnen, die live vermutlich komplette Clubs in kollektive Raserei versetzen werden. Dabei ist es gerade diese Live-Energie, die „No Grog No Glory“ ausmacht – das Album fühlt sich weniger wie eine Studioaufnahme an, sondern eher wie eine durchzechte Nacht mit zu viel Rum und zu wenig Vernunft.

 

Unser Fazit


Sound
9.5
Inhalt
9
Kreativität
9
Artwork
9
Wiederhörwert
9