Jetzt ist es also soweit, am Freitag erschien mit „Trink aus! Wir müssen gehen“ das letzte reguläre Studioalbum der Toten Hosen. Damit geht nach 16 Studioalben, meheren Liveplatten und unzähligen Konzerten eine Ära zu Ende und was für eine. 9 Alben auf Platz 1 der Albumcharts, insgesamt sogar 12, wenn man Live und Best-Of-Platten dazu zählt, seit Jahrzehnten nur die größten Hallen und Open-Airs, natürlich immer ausverkauft und eben diese ständige Präsenz, wenn es in diesem Land um Punk- oder Rockmusik geht.
Doch was kann man nun von diesem letzten Album erwarten? Ein seichter Abschiedsgruß, den Fans noch einmal geben was sie erwarten oder macht man einfach ein letztes Mal das was man die letzten über 40 Jahre auch getan hat, einfach das worauf man eben Lust hat und was sich richtig anfühlt?
Bereits das Intro „Hier sind die Hosen“ hält dann wohl die größte Überraschung des Albums parat, denn kein geringerer als Farin Urlaub, Sänger der lange so verhassten Die Ärzte, gibt sich die Ehre und lässt verlauten „In Wirklichkeit bin ich kein Bandmitglied, doch wir sind die Hosen und wir singen euch ein Lied.“ Genau damit wird auch direkt von Beginn an der Grundtenor des Albums gelegt, zum einen ist es ein Abschied, doch bleiben die Toten Hosen für jeden irgendwie erhalten „für die Ewigkeit„.
Danach nimmt das Album dann aber direkt ordentlich Fahrt auf und Campino, Kuddel, Breiti, Andi und Vom zeigen in „Wir waren nie weg“ das noch eine ordentliche Portion Punkrock in ihnen Steckt, schnelle Gitarren, schepperndes Schlagzeug und die bekannte raue Stimme machen das Hosen-Gesamtpaket eben zu dem was man von ihnen kennt. Auch „Die Show muss weitergehn“ und „Schlechte Nachbarn“ schlägt musikalisch noch einmal ordentlich die selbe Kerbe.
Der erste kleine melancholische Wehrmutstropfen, der dann doch eher nach Abschied klingt kommt dann mit „Was früher einmal war“. Ein Song der eine direkte Antwort auf eines der bekanntesten Lieder der Hosen „Wort zum Sonntag“ gedacht ist. So sang man 1986: „Ich bin noch keine 60 und ich bin auch nicht nah dran, und erst dann werde ich erzählen, was früher einmal war„. In dem neuen Song, 40 Jahre später und über 60 Jahre alt, greift man diesen Gedanken dann noch einmal auf und es heißt „ich dreh die Zeit zurück für einen halben Tag, um heute zu erzählen, was früher einmal war„.
Im Verlaufe des Albums werden dann noch mal Themen wie Schicksal und Liebe abgehandelt und ebenso einen Song über Campinos jetzt erwachsenen Sohn. Wer die vor zwei Wochen erschienene Dokumentation „Das letzte Album“ (ARD) gesehen hat, wird wissen das eben jener Titel auch noch mal gesondert angesprochen wird und bereits in der Entstehung, verständlicher Weise, einen hohen Stellenwert für Campino hatte. Dieser bemängelt in dem Gespräch, dass er es immer nur geschafft habe nach dem Tod über wichtige Menschen zu schreiben, „Nur zu Besuch“ für die Mutter und „Draussen vor der Tür“ für den Vater, das wolle er nun für seinen Sohn ändern. Schön zu wissen, das es ihm letztendlich auch gelungen ist.
Mit „Düsseldorf“ gibt es dann auch noch die Liebeserklärung an die Heimatstadt, dass die Beziehung zwischen der Stadt und den dortigen Sportklubs und der Band eine ganz bes0ndere ist, wird niemanden überraschen und ebenso wenig, dass es auf dem letzten Album der Toten Hosen eben genau diesen Song dann auch geben muss. So singt Campino am Ende: „Düsseldorf, ja, alle unsere Lieder sind am Ende, ganz am Ende, immer nur für dich.„.
Auf den Song für die Stadt, die einen geprägt und geformt hat, folgt dann ein Stück für etwas das die Hosen immer ausgemacht hat, der Zusammenhalt mit den eigenen Fans. „Kein Blatt zwischen uns“ greift dieses Thema wunderbar herzzerreisend auf. Denn jedem Fan wird wohl auch in diesem Moment noch mal klar, das es so etwas nicht nur selten in der heutigen Musikindustrie gibt und über 40 Jahre lang etwas ganz Besonderes war, sondern das es nun eben auch wirklich dem Ende zu geht.
Dann noch der Abschiedsgruss „Trink aus“ und damit war es das, das letzte Album der Toten Hosen. Das Ende einer Geschichte die viele über Jahrzehnte verfolgt haben, die unzählige Jugendliche dazu gebracht hat Bands zu gründen und selbst Musik zu machen. Nicht nur Bands wie die Donots, Broilers und Sondaschule haben deshalb auf Social Media zum Release noch Mal ihre eigenen Geschichten in Verbindung mit den Hosen revue passieren lassen, sondern das ganze Internet ist voll mit diesen perönlichen Geschichten von ganz verschiedenen Menschen.
Am Ende bleibt zum Album nur zu sagen, dass es ein passender Abschiedsgruß dieser großartigen Band ist, in dem man noch ein Mal alle Themen aufgegriffen hat, die immer schon wichtig waren und denen man noch einmal nachdrucken verleihen konnte. Menschlichkeit, Zusammenhalt und wenn es brennt sich gerade machen, für Menschen die es nicht selbst machen können. Aber eben auch ein schöner und zugleich auch melancholischer Rückblick auf über vier Jahrzehnte die Toten Hosen.
Danke für alles! Bis zum bitteren Ende!





