Es ist mal wieder so weit, am 5. Juni 2026 erscheint ein neues Madsen Album und es trägt den Namen „Smile“. Bei kaum einer anderen Band bin ich persönlich so gespannt auf das erste Hören, weil Madsen es einfach auch noch nach über 20 Jahren schaffen mich zu überraschen. So ist es auch bei „Smile“. Es ist das bereits zehnte Studioalbum von Madsen und sie haben noch mehr im DIY-Style gemacht als zuvor. Das Album wurde im eigenen Studio aufgenommen, unter eigenem Label veröffentlicht, die Jungs drehen und schneiden ihre Videos zum Teil selbst und auch ihr eigenes Management haben sie mittlerweile übernommen.
„Jahrzehnte lang zusammen in einer Band zu spielen ist nach wie vor ein großes Privileg. Und auch wenn uns das gemeinsame Musik machen genau so viel Freude bereitet wie in den Anfangstagen -eine Band muss zwischenmenschlich gepflegt werden“, erinnert sich Sebastian Madsen an die Zeit zwischen den letzten beiden Studioalben. „Gerade in unserem Jubiläumsjahr 2025 mussten wir uns mehr denn je reflektieren und auch einige Konflikte austragen. Das ist und war oft unbequem -aber es lohnt sich!“
Das Album startet mit dem gleichnamigen Song „Smile“ und was soll ich sagen, dieser Song hat einen ganz besonderen Stellenwert für mich, da er fast direkt nach Release zu DEM SONG von meiner Partnerin und mir wurde. Dabei ist „Smile“ kein Lovesong. Eigentlich handelt der Song von einem kleinen Zettel, welcher womöglich die ganze Welt verändert. Für mich ging dieser direkt beim ersten Hören unter die Haut. Die Message hinter „Smile“ ist ganz klar: ein Lächeln kann die Welt verändern. Das bereits im Januar erschienene Video dazu ist auch einfach toll gemacht, denn es gibt darin einen Zusammenschnitt der tollsten Smiles von Fans und Freunden, Live-Momente und auch klassische Musikvideo-Parts. Musikalisch hat „Smile“ auch einfach alles was einen guten Madsen-Song ausmacht: Mitsing-Parts, OhOhOhs, Potential für einen guten Pogo und auch leise Momente.
„Bevor der Tag beginnt
ist er schon im Arsch
Laubbläser reißen mich aus meinem Schlaf
die Nachbarn sie streiten
die Vögel singen schief
und irgendein Idiot
führt schon wieder Krieg
Hab einen Pickel im Gesicht
und fühl‘ mich trotzdem alt
keiner meiner Freunde
hat heute für mich Zeit
draußen wird es kalt, zieh die alte Jacke an
find ’n Zettel in der Tasche auf dem du geschrieben hast
Smile for me my love
smile for me my love
zu jeder Zeit, an jedem Ort
smile for me my love
Deine Worte lassen meine Sorgen einfach stehen
meine miese Laune wird zum Luxusproblem
wenn ein kleines Stück Papier meine Wunden wieder heilt
kann ein Lächeln womöglich Nationen vereinen“
„Smile ist uns am Ende des Aufnahmeprozesses regelrecht zugeflogen„, erzählt Sebastian Madsen. „Dieses musikgewordene Lächeln trägt uns nun durch die ganzen nächsten Jahre, und es fühlt sich gut und richtig an.“
Bei „Achterbahn“ kamen mir direkt beim ersten Hören zwei Gedanken: 1. da wird es live mit Sicherheit ’nen Circle Pit geben 2. wer hat denn da mit den Synthie-Effekten gespielt? Dieser Song ist im wahrsten Sinne eine Achterbahn. Es gibt fette Rock-Gitarren begleitet von besagten Synthie-Effekten und ordentlich Drive. Klingt irgendwie nach Disko auf ’nem großen Festival und ich warne euch vor: „Achterbahn“ hat eindeutig den Ohrwurm-Faktor!
„Neue Erinnerungen“ wurde ebenfalls schon vorab released, und zwar im April. Es ist ein Song der einen auf seichten Wellen in die gute Laune trägt. Bis hier hin scheint sich auf „Smile“ ein roter Faden zu entwickeln. Die Grundstimmung ist positiv und man möchte eigentlich gar nicht mehr Aufhören zu lachen und doch schwingt in die Hintertönen und beim genauen Blick auf die Zeilen immer etwas Melancholie mit.
„Auch wenn ich mich nicht gerne daran zurückerinnere, der Refrain zu dem Song ist bereits in der Pandemie entstanden. Wie so viele Menschen waren wir frustriert, haben den Stillstand kaum noch ertragen. Kein Input, kein Austausch, die alten Erinnerungen aufgebraucht.“ Fertig geschrieben wurde das Stück dann erst Jahre später. Denn die Welt befindet sich schon wieder an einem Punkt, an dem es sich so anfühlt: „So viele Menschen sind heutzutage wütend, abgebrannt, hasserfüllt. Es ist einfach nicht genug, immer nur das zurückzuwollen, was mal war. Nur mit neuen Erinnerungen kann man die Hoffnung bewahren.“
Doch diese Leichtigkeit bleibt dann doch nicht so lang bestehen wie man es vielleicht erwartet hat. „Hasta la Vista Baby“ ist ein halbwegs klassischer Break-Up-Song gespickt mit haufenweise Phrasen die man zur Verabschiedung sagt.
Ebenso hat „Rauch im Wind“ nur im Intro eine gewisse Leichtigkeit mit seinen Disco-Beats. Doch kaum beginnt der Vers so bekommt der Song diese spezielle Madsen-melancholische-Art. Bei dem Song war mir von Anfang an klar (und ich hoffe dies bewahrheitet sich auch), dass er live total abgehen wird. Dafür spricht nicht nur der eingängige Refrain, sondern auch das Gitarren-Solo als Bridge, sowie der stille Moment zu Beginn des letzten Refrains. Alles perfekte Zutaten für eine absolute Live-Eskalation.
„Wenn der Morgen kommt
und er kommt bestimmt
sind wir nicht viel mehr als
Rauch im Wind“
Etwas ruhiger wird es dann bei „Pass auf dich auf“. Der Song ist eine wunderschöne Ballade die sich an die wichtigen Menschen in unseren Leben richtet. Madsen finden genau die richtigen Worte um zu sagen, dass man sich um jemanden sorgt und einfach möchte, dass die Person auf sich aufpasst, weil man noch ganz viel Zeit zusammen verbringen möchte.
Auch „1995“ erschien bereits im Februar mit einem passenden Video, welches einfach ein genialer Zusammenschnitt der Erlebnisse der Madsen-Jungs aus ihrer Jugend ist. Mich persönlich hat dieser Song direkt mitgenommen, vielleicht auch weil ich die folgende Zeile niemals erwartet und mich umso mehr verstandener gefühlt habe: „ihr habt Kassetten von den Goldenen Zitronen„. Denn „JA VERDAMMT!“ meine erste Punk-Kassette hatte die Goldenen Zitronen mit drauf, nur leider hab ich bisher niemand Anderes getroffen, der/die so die Liebe zu Punk entdeckt hat. Vielleicht war ich einfach ein paar Jahre zu spät dran … Zurück zum Song: „1995“ basiert auf dem altbewährten Madsen-Rezept. Es gibt ordentlich derbe Gitarren und ’nen Drive der nach vorn treibt. Einfach Punk auf Madsen-Art und irgendwie klingen die Jungs wieder wie ganz früher.
Sebastian Madsen erzählt: „Wir haben nicht viele davon, aber es gibt eine Bandregel, an die wir uns halten: Finger weg vom Nostalgie-Rock. Bei uns gibt es keine ‚Früher war alles besser –Lieder‘. 1995 war Punk schon längst tot. Das haben uns die Älteren zumindest erzählt. Uns war das allerdings egal. Wenn bei uns auf dem Dorf junge Menschen mit bunten Haaren, Toxoplasma-Shirts und Lederjacken mit Patches herumliefen, war das aufregender als Super Nintendo spielen. Es gab auf einmal respektlosen Humor, politische Haltung, bewusstes Anecken, in kleinen, eingeschworenen Gruppen ‘dagegen‘ sein -und natürlich Musik! Mit drei Akkorden die Welt erobern! Lauter spielen als die anderen! Auf den Gitarren-Verzerrer treten und dabei debil grinsen. 1995 haben wir genau das gelernt und es nie vergessen.“
Punkig bleibt es dann auch vorerst. Madsen machen es immer wieder, auch wenn sie es gar nicht mehr nötig hätten – sie sind ganz klar gegen Nazis! Das zeigen sie auch wieder in „Auf die Barrikaden“. Ihr Gegenvorschlag ist mehr Liebe. Diese haben sie beim Release des Songs jedoch nicht erhalten. Als die Band ein Interview mit dem Kinderchor, der im Song zu hören ist, veröffentlicht, bricht ein rechter Sturm aus Scheiße über sie los. Von Indoktrination über Missbrauch bis hin zur Androhung körperlicher Gewalt gehen die mehreren tausend Kommentare. Die Bots der nationalsozialistischen Netzwerke leisten ganze Arbeit und beweisen damit, dass es genau Songs wie „Auf die Barrikaden“ braucht, auch wenn wir uns in unseren Blasen sicher, verstanden und gleich fühlen.
Das der Song musikalisch aus der Reihe fällt ist einem jedem beim ersten Hören direkt bewusst. Doch es passt auch zu dem Thema, dass auf einmal der Gesang zur Sprechgesang wird und die Melodie etwas in den Hintergrund rückt im Vergleich zum dominierenden Beat.
Und weil 2 nicht genug sind reiht sich „I don’t give a fuck“ direkt zu seinen beiden Vorgängern ein. Dabei setzt es eine ordentliche Schippe noch drauf was Wut angeht. Mich hat dieser Song total überrascht, natürlich im positiven Sinne. Es geht darin um all die Kritik die auf Künstler aber auch jeden anderen Menschen einprasselt. Social Media macht es möglich einfach anonym im Internet zu hassen.
„Auch wenn ich mich nicht gerne daran zurückerinnere, der Refrain zu dem Song ist bereits in der Pandemie entstanden. Wie so viele Menschen waren wir frustriert, haben den Stillstand kaum noch ertragen. Kein Input, kein Austausch, die alten Erinnerungen aufgebraucht.“ Fertig geschrieben wurde das Stück dann erst Jahre später. Denn die Welt befindet sich schon wieder an einem Punkt, an dem es sich so anfühlt: „So viele Menschen sind heutzutage wütend, abgebrannt, hasserfüllt. Es ist einfach nicht genug, immer nur das zurückzuwollen, was mal war. Nur mit neuen Erinnerungen kann man die Hoffnung bewahren.“
Musikalisch begeistern mich vor allem die Übergänge zwischen den ruhigen, gefühlvollen Momenten und der totalen Eskalation – Gänsehaut pur! Das Video zu „I don’t give a fuck“ überrascht dann auch noch mit dem nahezu perfekten (teils sogar lippensynchronen) Zusammenschnitt von Live-Mitschnitten, Demos auf denen Madsen gespielt haben und was es ganz besonders macht: ein wirklich passender Zusammenschnitt von vorherigen Musikvideos wie zum Beispiel „Küss mich“ und „Das Beste von mir“ oder „Behalte deine Meinung“.
Über den nun folgenden Song war ich etwas erstaunt, denn es gibt ihn schon. Die Rede ist von „Love is a killer“. Diesem haben Madsen einen vollkommen neuen Text verpasst, während die Musik gleich geblieben ist. Mir scheint dies ist jedoch nun kein Lovesong mehr sondern ein Lied über Abhängigkeit, vielleicht sogar über die Sucht nach Alkohol oder anderen Mitteln.
So langsam nähern wir uns dann auch dem Ende von „Smile“. „Jeder Berg bewegt sich“ bringt noch eine ordentliche Portion Zuversicht und Mut weiter durchzuhalten in schwierigen Situationen. Ähnlich verhält es sich mit „Ein Licht“, welches über die Hoffnung handelt. Beide sind typische Madsen Power-Rock-Songs.
Zusammenfassend kann man sagen, dass „Smile“ einem ein rundum gutes Gefühl gibt und zum Lächeln anregt, jedoch auch die wichtigen Themen anspricht und etwas Wut rauslässt. Es ist ein toller Mix aus verschiedensten Emotionen, aus Live-Bangern und Balladen. Einfach ein rundum gelungenes Album mit der unverkennbaren Madsen-Note. Und auch nach zig Mal Hören macht es einfach noch Spaß und man entdeckt noch was Neues in jedem Song.





