Review: Avaland – Chemical Poetry

cover Avaland – Avaland – Chemical Poetry
Fotocredit
Albumcover
8.5

Erscheinungsdatum: 30.10.2026

Label: Storytium SAS

Stil: Symphonic Power Metal

Herkunft: Frankreich

Was benötigt eine Rock-/Metal-Oper?

Mehrere Sänger – Check

Überdurchschnittlich gute Musiker – Check

Gastmusiker – Check

Bombast – Check

Kitsch – Check

Chöre – Check

So, und nachdem nun alle Voraussetzungen erfüllt sind, wollen wir uns mal der Musik widmen. Und die hat auch all das zu bieten, was man sich unter einer Rock- oder Metal-Oper vorstellen kann.

Die fünf Franzosen von Avaland sind hierbei auch Serientäter, denn Chemical Poetry ist bereits ihre dritte Rockoper. Allerdings kenne ich die Vorgänger nicht und kann daher nicht beurteilen, ob das aktuelle Album schwächer oder besser ist.

Als Referenzen gibt die Band Savatage, Avantasia, Alan Parsons Project und Winger an. Während ich die letzten beiden ausklammern möchte, würde ich in den härteren Momenten noch Symphony X hinzufügen, wenn auch nicht ganz so verspielt.

Eine Besonderheit bei Avaland ist die Tatsache, dass sie zwei Lead-Sänger haben, die sich gegenseitig immer wieder zu Höchstleistungen emporschwingen. Die Gesangsleistung auf Chemical Poetry ist auch ein großer Pluspunkt, der dieses Album noch einmal mehr zum Genuss macht.

Aber auch die musikalische Leistung der anderen Bandmitglieder ist über jeden Zweifel erhaben und ein wahrer Ohrenschmaus. Sei es bei den sehr gelungenen Orchestrierungen, den Gitarrenriffs, die nie zu seicht klingen, oder den natürlich klingenden Drums – hier stimmt alles.

Die supertransparente, druckvolle sowie majestätische Produktion von Joost van den Broek (der auch mit einem Keyboard-Solo bei „Face the Eternal“ vertreten ist) verschmilzt das Ganze zu einem Gesamtkunstwerk, das sich nicht vor ähnlich gelagerten Projekten verstecken muss.

Der große Schwachpunkt des Albums ist: Es stimmt zu viel. Denn hin und wieder ertappt man sich bei dem Gedanken, dass das Ganze zu sehr nach Reißbrett klingt.

Ein Album, das alle richtigen Knöpfe an genau den richtigen Stellen drückt, und das auf einem enorm hohen Niveau.

Zu den großen Momenten zählt der an späte Savatage-Alben (The Wake of Magellan, Poets and Madmen) erinnernde Opener „When the Night Comes Alive“ mit seinem Pianointro, das zwischen ruhigen Pianostrophen und bombastischen Refrains und Bridges hin und her pendelt.

Das über zwölfminütige „Trinity“ ist ein wahrer musikalischer Blumenstrauß: vom balladesken Anfang über symphonischen Bombast bis hin zu Death Metal (hier growlt Helle Bohdanova von Ignea) und wieder zurück.

„Fallen Leaves“ triggert meine Vorliebe für cheesige Balladen.

Als Fazit sei gesagt, dass Chemical Poetry eine gute, aber keine Rock-/Metal-Oper der Spitzenklasse ist. Dafür wirkt das Songwriting teilweise zu sehr gewollt, wodurch sich der Langzeitfaktor, wie er beispielsweise bei Ayreon, Avantasia (The Metal Opera 1 und 2) und Savatage (Streets) vorhanden ist, in Grenzen hält.

Trotzdem: Wer auf große Rock- und Metal-Opern steht, sollte Avaland unbedingt eine Chance geben. Handwerklich gibt es hier schließlich kaum etwas zu beanstanden – nur das gewisse Etwas, das aus einem guten Album ein Meisterwerk macht, fehlt mir.

Unser Fazit


Sound
9.5
Inhalt
8
Kreativität
9
Artwork
6
Wiederhörwert
8