Hallo Hanni (Lead-Gitarre/Backing-Vocals) von Stereo Dynamite, vielen Dank für deine Zeit für das Interview.
Festivalstalker: Ihr kommt aus Freiburg und verbindet Rock mit Punk und Post-Hardcore. Wie ist diese musikalische Mischung bei euch entstanden und welche Einflüsse prägen euren Sound besonders?
Hanni: Unser Drummer Gäschi und Sänger Matze kommen übers Skateboarding aus dem Punkrock/Hardcore: NOFX, No Use For A Name, Pennywise, aber auch Stick To Your Guns, Sick Of It All,… Die Liste wäre endlos. Ich hingegen bin eher so bei Bands wie Queens of the Stone Age, Deftones oder den Arctic Monkeys zuhause. Es gibt tatsächlich wenig Bands, die wir alle gleichermaßen feiern. Dafür lernen wir regelmäßig neue Bands kennen, die sonst nicht so in unsere Bubbles passen würden. Sicher sind aber Bands wie Fjort, Heisskalt, Blink, WIZO, Foo Fighters etc. sehr prägend für unsere Musik.
Festivalstalker: Am 11. Dezember erscheint eure neue EP „nie genug“. Was steckt hinter dem Titel, und welche Gedanken oder Gefühle verbindet ihr damit?
Hanni: Mit unserer letzten Platte “Fernweh” haben wir ein komplettes Konzeptalbum mit Videostory und Buch geschrieben. Bei “nie genug” wollten wir das nicht mehr so konsequent umsetzen und haben pro Song bestimmte Emotionen und Gedanken einfangen wollen. Der Titel “nie genug” kam dann ganz am Ende, weil wir gemerkt haben, dass der rote Faden der EP dieses Gefühl ist, nie genug zu haben/zu sein.
Festivalstalker: Eure Tracklist umfasst fünf Songs: „Lauf!“, „Mehr“, „Trümmer“ feat. BLUTHUND, „Zeit“ und „Ertragen“. Gibt es einen roten Faden, der die einzelnen Stücke miteinander verbindet, oder erzählt jeder Song seine eigene Geschichte?
Hanni: Beides. Jeder Song erzählt eine Geschichte und doch geht es immer um dasselbe. Bei “Lauf!” geht es um den ewigen Kampf mit sich selbst. “Mehr” kritisiert unsere Geilheit nach immer mehr. “Trümmer” ist der Abgesang der Welt – Wir haben den Karren an die Wand gefahren und übergeben das Trümmerfeld der nächsten Generation. “Zeit” ist etwas, von dem wir irgendwie immer zu viel oder zu wenig haben. Und “Ertragen” besingt das Zähneknirschen, wenn wir sehen, wie unglaublich dumm wir als Menschheit manchmal sind. Also alles Themen, wo es um ein Missverhältnis und Missverständnis von gesundem Maß geht.
Festivalstalker: Mit „Lauf!“ eröffnet ihr die EP. Was bedeutet dieser Song für euch, und warum habt ihr euch entschieden, die EP mit genau diesem Stück zu beginnen?
Hanni: Das ist eine gute Frage! Wir sind so dermaßen glücklich mit allen fünf Songs, dass es fast egal war, wie wir die Veröffentlichungen starten. “Lauf!” haben wir letztlich gewählt, weil er recht vielseitig ist und zeigt, was “nie genug” so ausmacht. Es hätte aber eigentlich auch jeder andere Song sein können.
Festivalstalker: Der Song „Trümmer“ ist eine Zusammenarbeit mit BLUTHUND. Wie kam es zu dieser Kooperation, und was hat die Zusammenarbeit musikalisch und persönlich für euch bedeutet?
Hanni: Bei „Trümmer“ hatten wir von Anfang an das Gefühl, dass ein:e Gastmusiker:in cool wäre. Der Song ist inhaltlich sehr düster und wir wollten dem noch etwas mehr Wut und Energie geben. Bluthund verkörpert für uns genau diese Wut, die wir im Song gesehen haben. Wir haben dann einfach bei Abraxas angefragt. Er hat sich sehr über die Anfrage gefreut, aber leider abgesagt. Keine zehn Minuten später hat er sich wieder gemeldet und meinte, dass er doch eine Idee hatte. Diese Idee, das Outro zu verlängern und dort nochmal mit Worten ein Bild zu zeichnen, ist unverändert auf der Platte gelandet. Nicht nur hat Abraxas diese enorme Energie eingebracht, die Bluthund ausmacht. Er hat auch eine Zerbrechlichkeit und Trauer in seine Stimme gepackt, die dem Song nochmal eine viel krassere Tiefe gibt. Geiler Typ, einfach!
Festivalstalker: Gerade im Punk und Post-Hardcore können Songs live noch einmal eine ganz andere Wirkung entfalten als auf Platte. Wie wichtig ist euch die Live-Energie beim Schreiben und Produzieren neuer Musik?
Hanni: Nochmal ne super Frage! “Fernweh” ist damals komplett in unseren Köpfen entstanden und erst nachdem alle Songs fertig waren, haben wir sie zusammen im Proberaum gespielt. “nie genug” sollte von Anfang an live gedacht sein. Viele Elemente von “nie genug” sind aus Jams entstanden. Auch haben wir sehr darauf geachtet, wie wir die Songs live umsetzen können – also wo sind Pausen, wie würden wir selbst als Publikum auf welchen Part reagieren, etc.? Ich glaube bzw. hoffe, dass sich das live zeigt.
Festivalstalker: Was dürfen eure Fans von der Veröffentlichung am 11. Dezember erwarten? Gibt es einen Song auf der EP, bei dem ihr besonders gespannt auf die Reaktionen seid?
Hanni: Gerade mit dem Feature von Bluthund waren wir besonders gespannt, wie “Trümmer” ankommen wird. Aber auch, wie eine ruhigere Nummer wie “Zeit” aufgenommen wird. Für uns persönlich war ehrlicherweise eine eigene Vinyl zu produzieren schon immer ein kleiner Jugendtraum, den wir uns mit “nie genug” erstmals erfüllen konnten.
Festivalstalker: Der 26. Dezember liegt mitten in den Feiertagen. War es eine bewusste Entscheidung, eure Release-Show genau auf den zweiten Weihnachtsfeiertag zu legen?
Hanni: Ich glaube, wir alle sind nach drei Tagen Weihnachtsfeierei reif für einen Moshpit oder ein Getränk mit Freunden… Außerdem ist das die Zeit, an der viele unserer alten Freunde zurück in der Heimat sind. Wir hoffen natürlich, dass die alle vorbeikommen werden. Allgemein ist das in Freiburg eine gute Konzert-Zeit, weil die Leute nicht so im Alltagsmodus sind.
Festivalstalker: Zum Abschluss: Wenn ihr die EP „nie genug“ mit nur drei Worten beschreiben müsstet, welche wären das?
Hanni: “ist das genug?”





