PASCOW melden sich mit „Und wir so“ zurück – Punkrock mit unbeschwertem Mittelfinger

Pascow – Rodeo – Justin Herschfeld (6)

Manche Songs entstehen einfach im richtigen Moment – und doch steckt hinter ihnen oft mehr, als man zunächst vermutet. Mit „Und wir so“ präsentieren PASCOW die erste Single aus ihrem gleichnamigen achten Studioalbum und überraschen dabei mit einer ungewohnt sonnigen Seite. Statt düsterer Töne gibt es eingängigen Pop-Punk in Dur, der ohne Umwege nach vorne prescht. Der Song klingt roh, unbeschwert und voller Energie – eine musikalische Liebeserklärung an die Gegenkultur und zugleich ein gut gelaunter Mittelfinger an die Mächtigen.

Das Quartett aus Rheinland-Pfalz ist eigentlich dafür bekannt, gesellschaftliche Missstände und politische Ungerechtigkeiten mit vielschichtigem, druckvollem Punkrock aufzugreifen. Mit „Und wir so“ besinnen sich PASCOW nun auf eine besonders direkte und unverblümte Form ihres Sounds. So unkompliziert und geradlinig klang die Band schon lange nicht mehr. Bemerkenswert ist auch die Entstehungsgeschichte: Der wohl einfachste PASCOW-Song seit rund 15 Jahren war innerhalb von nur zehn Minuten geschrieben und wurde anschließend kaum noch verändert. Im Studio kamen lediglich einige Gitarrenmelodien hinzu, aufgenommen wurde ganz bewusst ohne Clicktrack. Aufwendige Arrangements, zahlreiche Gitarrenspuren oder musikalischer Bombast? Fehlanzeige! Stattdessen setzt die Band auf Spontaneität, Bauchgefühl und die Rückbesinnung auf ihre eigenen Wurzeln.

Dabei erinnert „Und wir so“ an die ungestüme, poppige „Scheiß drauf“-Attitüde, die bereits das Debütalbum „Richard Nixon Discopistole“ (2002) und den damaligen Szenehit „Trampen nach Norden“ auszeichnete. Ein Sound, der sich nicht lange mit Umwegen aufhält, sondern einfach loslegt und seine Energie unmittelbar entfaltet.

Gerade diese Einfachheit sorgte bei der Band zunächst allerdings für Zweifel. Der Song erschien PASCOW beinahe zu schlicht und war ursprünglich lediglich als möglicher Bonustrack oder B-Seite vorgesehen. Erst mit der Zeit wurde deutlich, dass gerade darin seine besondere Stärke liegt. „Und wir so“ zeigt, dass Leichtigkeit und eine klare politische Haltung keineswegs Gegensätze sein müssen. In einer Zeit, die von Krisen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, kann es ebenso wichtig sein, sich Momente der Unbeschwertheit zu bewahren, ohne dabei die eigenen Überzeugungen aufzugeben. Manchmal braucht es eben genau solche Songs, um nicht den Mut zu verlieren.