NEXUS Nerd Rock Festival 2026 – Fotos & Review

Zwischen Moshpit, Cosplay und Gaming:

Schon nach den ersten Schritten über das Gelände wird klar, dass das NEXUS nicht nach den Regeln eines gewöhnlichen Rockfestivals funktioniert. Zwischen Metalheads, aufwendigen Cosplays und mittelalterlich gekleideten Besucher:innen führen die Wege nicht einfach nur von Bühne zu Bühne. Stattdessen geht es von lauten Gitarren zu Retro-Konsolen, von dort weiter zu handgemachter Kunst, Brettspielen und schließlich zurück in den nächsten Moshpit. Das Festival verbindet Musik, Gaming, Anime, Cosplay und Mittelalterkultur auf eine Art, die zunächst ungewöhnlich wirkt, sich vor Ort aber erstaunlich schnell verbindet.

Musikalischer Mittelpunkt ist die große Titanium Stage, auf der sich über das Wochenende vor allem die härteren Acts zwischen Metalcore und Alternative Rock austoben. Die Heroes Stage bildet dazu einen deutlichen Gegenpol und bietet neben Musik auch Cosplay-Shows und andere Programmpunkte. Draußen auf dem Mittelaltermarkt liegt mit der Volcano Stage noch eine dritte Bühne, die sich atmosphärisch nahtlos zwischen Marktständen und mittelalterlichem Treiben einfügt.

Und dann wäre da noch das Nerdvana – eine Halle, in der sich problemlos mehrere Stunden verlieren lassen. In der Gaming Area reicht das Angebot vom kompetitiven Shooter über Konsolenklassiker aus den 90er-Jahren bis zum obligatorischen Mario-Kart-Stand. Daneben laden kleine, liebevoll gestaltete Stände zum Stöbern ein. Handgemachte Kunst, Prints, Schmuck und Accessoires greifen bekannte Anime- und Gaming-Franchises auf und sorgen regelmäßig für Nostalgietrips. Selbst ein Tattoo-Stand gehört zum Angebot. Einen besonders großen Teil nimmt außerdem der Brettspielbereich ein: Von simplen, kurzweiligen Spielen bis zu komplexeren Tabletop-Systemen und Pen-&-Paper-Kampagnen kann hier beinahe jede Form analoger Nerdkultur ausprobiert werden.

Draußen schließt sich direkt der Mittelaltermarkt an. Authentisch gestaltete Stände und Angebote wie ein Mordaxtseminar erweitern das ohnehin einzigartige Gesamtbild. Dazu kommen immer wieder beeindruckende Cosplays, die dafür sorgen, dass sich der Weg über das Gelände stellenweise wie ein Spaziergang durch eine Fantasywelt anfühlt.

 

Freitag, 18.09.2026

Den musikalischen Auftakt für uns machen Mittel Alta auf der Titanium Stage. Schon der selbstironische Name gibt die Richtung vor: Rap trifft auf Metalsound und Mittelalterästhetik. Mit Kettenhemd, Hofnarrmütze und Banner zieht die Band auf die Bühne und macht ihre kleine Zeitreise komplett. Was auf dem Papier durchaus skurril klingt, funktioniert live überraschend gut. Die Kombination aus harten Gitarren, Rap und augenzwinkerndem Mittelalterflair zieht das Publikum schnell in ihren Bann.

Auf der Heroes Stage wird es anschließend mit The New Asuka deutlich poppiger. K-Pop trifft hier auf Rockgitarren, einen energiegeladenen Sänger und präzise abgestimmte Choreografien mit Tänzerinnen. Gerade das Zusammenspiel aus Tanzperformance und Liveband verleiht dem Auftritt eine besondere Dynamik.

Our Mirage holen das Geschehen auf der Titanium Stage danach wieder zurück in härtere Gefilde. Schon das eindrucksvolle Bühnenbild schafft den passenden Rahmen für den melodischen Metalcore der Band. Zwischen druckvollen Passagen und hymnischen Melodien entwickelt sich ein moderner Sound, der vor allem von der enormen Energie der Musiker lebt. Die Band wirkt keine Sekunde statisch und trägt ihre Intensität unmittelbar ins Publikum.

Samstag, 19.09.2026

Am Samstag zeigt die Heroes Stage, dass eine Festivalbühne nicht zwangsläufig eine Band braucht, um restlos gefüllt zu sein. Bei den Cosplay Champions ist der Platz davor so voll wie bis dahin kaum irgendwo sonst. Zunächst präsentieren die Teilnehmer:innen ihre aufwendig gestalteten Kostüme, bevor es zur eigentlichen Preisverleihung kommt. Beeindruckend ist dabei nicht nur die Detailverliebtheit der Outfits. Viele Cosplayer:innen verbinden ihre Präsentation mit kleinen Performances und lassen die dargestellten Figuren dadurch tatsächlich für einige Minuten lebendig werden. Das Publikum honoriert den Aufwand entsprechend lautstark.

Bluthund heizen danach auf der Titanium Stage ordentlich ein. Die Band präsentiert sich gewohnt energiegeladen und schafft es innerhalb kürzester Zeit, den Platz vor der Bühne zu füllen. Harte Gitarren treffen auf treibenden Groove. Die Band liefert einen Song nach dem anderen mit Kopfnickgarantie und sprüht vor Energie sprüht, die das Publikum zuverlässig mitzieht.

Danach ließen wir die Bühne für eine Weile hinter uns. In der Nerdvana-Halle zeigt sich nämlich, wie viel Liebe zum Detail auch in den kleineren Angeboten steckt. Beim Würfelpech e.V. aus Halle wartet eine umfangreiche Auswahl an Brettspielen, Sammelkartenspielen und Pen-&-Paper-Systemen. Der Verein organisiert regelmäßig offene Treffen in Halle und veranstaltet mit der HalunkenCon einmal jährlich ein großes Pen-&-Paper-Event, bei dem besonders Einsteiger verschiedene System ausprobieren können.

Ohnehin lädt das Nerdvana dazu ein, sich treiben zu lassen. Eine kostenlose Cosplay-Reparaturstation hilft, wenn das aufwendig gebaute Kostüm den Festivalalltag mal nicht unbeschadet übersteht. Thematisch gestaltete Fotospots ergänzen das Angebot und werden nicht nur von Cosplayer:innen genutzt.

Für eine Pause bietet sich das Metal Maid Café vom Katzentempel an. Kostenloser Kaffee, Matcha und Kuchen sorgen für neue Energie – Kreationen wie ein zimtiger Chai Latte oder nussiger Rage Candy passen hervorragend zum außergewöhnlichen Ambiente und das alles sogar vegan. So entsteht immer wieder Raum zum Durchatmen.

Bei Kontrollverlust laufen anschließend Musik- und Nerdkultur auf der Heroes Stage zusammen. Die selbsternannte Anime-Rockband kleidet hymnische Melodien in einen modernen Rocksound, der schon nach wenigen Takten Erinnerungen an große Anime-Intros weckt. Das Konzept ist schnell erklärt: Neben eigenen Elementen stehen vor allem Coverversionen auf dem Programm – von bekannten Anime-Songs wie One Piece bis hin zu den Power Rangers, aber auch „Alles nur geklaut“ von den Prinzen findet seinen Platz.
Als der Sänger wissen möchte, wie viele Animefans sich im Publikum befinden, schnellen nahezu alle Hände nach oben. Wenig überraschend laufen die Zuschauer:innen bei den bekannten Melodien schnell heiß. Kontrollverlust verstehen ihre Show weniger als nostalgisches Abspielen alter Favoriten denn als gemeinschaftliches Feiern jener Songs, mit denen viele im Publikum aufgewachsen sind.

As December Falls bringen anschließend Emo-Attitüde auf die Titanium Stage. Ihr geradliniger Rock lebt von eingängigen Melodien und einer Sängerin, deren durchsetzungsstarke Stimme mühelos durch den dichten Bandsound schneidet. Erinnerungen an die frühen Paramore Alben liegen nahe. Statt sich in komplexen Arrangements zu verlieren, setzt die Band auf zugängliches Songwriting – und zieht das Publikum damit schnell in ihren Bann.

Für einen kurzen Ausflug geht es für uns auf den Mittelaltermarkt, denn auf der dortigen Volcano Stage spielen Reikas Tanz Mittelalterfolk, der mit seinen erzählerischen Texten und tanzbaren Rhythmen hervorragend in die Umgebung passt. Gerade am kühlen Abend entfaltet der Auftritt einen besonderen Charme und bringt das Publikum noch einmal in Bewegung.

Smash Into Pieces schließen den Samstag musikalisch auf der Titanium Stage ab. Bereits das futuristische Bühnenbild fällt ins Auge, insbesondere Drummer APOC: Sein Gesicht bleibt hinter einer elektronischen Maske verborgen, deren wechselnde Leuchtmuster Teil der gesamten Inszenierung werden. Zwischen den Songs ertönt eine tief gepitchte, robotische Stimme, deren Worte mit der Maske synchronisiert sind. Es wirkt beinahe, als kommuniziere der Schlagzeuger über seine digitale Persona mit dem Publikum.
Hinter der aufwendigen Show steckt an diesem Abend jedoch eine ernste Geschichte. Zwei Tage zuvor war die Band in einen Unfall mit ihrem Tourbus verwickelt. Ein Gitarrist kann verletzungsbedingt nicht auftreten. Entsprechend emotional fällt die Ansage aus. Die Dankbarkeit darüber, dass der Unfall nicht schlimmer endete, ist den Musikern anzumerken – ebenso der Wille, die Show trotzdem durchzuziehen. Musikalisch setzen Smash Into Pieces auf eingängigen, harten Rock mit rauchigen Vocals und einer Ästhetik, die stellenweise an den Alternative- und Nu-Metal der 2000er erinnert, diesen aber mit einer modernen Note versieht.

 

Sonntag, 20.09.2026

Nach zwei Tagen voller Konzerte darf der Sonntag etwas gemütlicher beginnen. Statt unmittelbar vor der Bühne zu stehen, geht es für uns zunächst ins Nerdvana. Die riesige Brettspielauswahl hatte bereits am Vortag neugierig gemacht – nun bleibt Zeit für ein paar Runden. Die freundliche und zuvorkommende Beratung erleichtert den Einstieg. Überhaupt besitzt dieser Teil des Festivals eine angenehme Atmosphäre: Statt möglichst schnell zum nächsten Programmpunkt weiterziehen zu müssen, kann man sich hinsetzen und ausprobieren.

Dann kommen Within Destruction auf die Titanium Stage, und mit der sonntäglichen Gemütlichkeit ist es schlagartig vorbei. Die Band liefert den bis dahin härtesten musikalischen Kontrast des Wochenendes. Massive Subbass-Drops ziehen sich durch die Songs, Breakdowns schlagen mit voller Wucht ein und die Snare des Drummers knallt erbarmungslos durch den Raum. Dämonisch anmutende Screams treffen auf kraftvolle Clean-Passagen und einen sphärischen, zugleich enorm druckvollen Metalsound.
Trotz aller Härte bleibt das Zusammenspiel bemerkenswert tight. Schon in den ersten Reihen fliegen die Haare beim Headbangen, während die Band ihre immense Energie unmittelbar auf die Menge überträgt. Auch visuell passt die Inszenierung: Ausschnitte aus Musikvideos laufen auf der Bühnenwand hinter den Musikern und verdichten die intensive Atmosphäre zusätzlich.

Auf der Heroes Stage wartet danach ein Songduell. Unter dem Titel „Creator Song Battle“ treten Irrsinn und Simon Will gegeneinander an und spielen abwechselnd ihre Songs. Irrsinn setzt dabei auf eine wilde Mischung aus Nu Metal und Rap. Manche Passagen erinnern an die ungezügelte Energie von Limp Bizkit: schiebende Grooves, Rap-Vocals und Songs, die konsequent nach vorne gehen. Der Sänger springt dabei in wechselnden, herrlich auffälligen Outfits über die Bühne – vom Pelzmantel bis zur McDonald’s-Lederjacke. Simon Will bildet dazu einen bewussten Kontrast. Seine eingängigen Songs bewegen sich stark in Richtung Pop-Punk und lassen stellenweise an Blink-182 denken.

Zum Abschluss wartet mit Stand Atlantic noch einmal eine Band, die sämtliche verbliebenen Energiereserven einfordert. Die Australier:innen verbinden Pop-Punk, Emo und Melodic Hardcore zu einem Sound, der gleichermaßen eingängig und druckvoll ausfällt. Vor allem Sängerin Bonnie Fraser zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Ihre Stimme besitzt enorme Durchsetzungskraft und wechselt zwischen melodisch-cleanen Passagen und harschen Ausbrüchen, ohne an Authentizität zu verlieren. Dahinter arbeitet eine ausgesprochen tighte Band. Knackige Drums halten die Arrangements zusammen, während die Musiker mit einer Spielfreude auftreten, die sich unmittelbar auf das Publikum überträgt.

 

Fazit

Nach drei Tagen bleibt damit vor allem die einzigartige Mischung im Gedächtnis. Das NEXUS versucht nicht, ein Rockfestival mit Gaming zu dekorieren, sondern gibt den verschiedenen Welten ausreichend Raum.

Dennoch müssen wir anmerken, dass organisatorisch noch Luft nach oben bleibt. Die Kommunikation war stellenweise unklar: Unterschiedliche Informationen zum Check-in sorgten dafür, dass der Einlass deutlich länger dauerte als erwartet, und auch der fehlende Arbeitsbereich für Presse, welcher anfangs kommuniziert wurde, sorgte für ungewollt andere Arbeitsabläufe. Ähnliche Erfahrungen spiegelten sich auch im Austausch mit Kolleg:innen anderer Magazine wider. Vor Ort fehlte zudem ein klarer Hinweis darauf, dass das Nerdvana früher schließt als die beiden Bühnen. Wer – wie wir am Freitagabend – vor dem letzten Konzert noch einmal durch die Halle stöbern wollte, stand plötzlich vor verschlossenen Türen. Dass die Situation von der Security dabei wenig freundlich gelöst wurde, machte die Überraschung nicht angenehmer. Das sind keine Punkte, die das wirklich  gelungene Grundkonzept infrage stellen, aber Bereiche, in denen eine klare Kommunikation im Vorfeld und eine deutliche Beschilderung vor Ort das Festivalerlebnis merklich verbessern könnten.

Da das NEXUS mit der zweiten Ausgabe quasi noch in Kinderschuhen steckt, hoffen wir, dass diese kleine Kritik auf offene Ohren stößt, um das Festival Erlebnis im nächsten Jahr für alle noch etwas angenehmer zu machen. Trotz einiger organisatorischen Herausforderungen funktioniert das NEXUS wirklich gut, und vor allem ein Eindruck bleibt hängen: Hier können Menschen Metalhead, Gamer:in, Animefan, Brettspielnerd oder Cosplayer:in sein – oder alles gleichzeitig. Und wenn nach einer Brettspielrunde plötzlich wieder das Dröhnen der Bühne aus der Nachbarhalle zum nächsten Moshpit ruft, fühlt sich das auf dem NEXUS erstaunlich selbstverständlich an.

Wer vom 17. bis 19. September 2027 selbst beim NEXUS FESTIVAL dabei sein möchte, kann sich hier Tickets sichern!