Bush – Treffer der Generationen im Huxleys

Vier Jahre. So lange war Bush nicht mehr in Berlin. Vier Jahre, in denen Gavin Rossdale und Band überwiegend durch die USA getourt sind, hier und da Festivals abgeräumt haben, ein zehntes Studioalbum veröffentlicht haben — I Beat Loneliness (2024), 13 Millionen Streams, The Land of Milk and Honey als achte Nummer-eins-Single im US Active Rock Radio. Und jetzt, auf einmal, vier Clubshows in Deutschland. Keine Arenen, keine Uber-Hallen. Das Huxleys fasst 1.600 Menschen. Und die sind alle hier für Bush!

Doch zuerst zum Support! NIKRA machen gleich klar, warum sie heute Abend hier stehen. Annabelle Müller betritt die Bühne wie jemand, der nichts zu verlieren hat — und genau das ist die Stärke dieser Band. Kratzig, trotzig, kantig. Nu Metal trifft Deutschrock-Ballade, irgendwo zwischen Such a Surge und Mia, bringen sie die Kraft auf die Bühne, die nach dem Ende des Crossover-Booms eigentlich verloren gegangen ist. Annabelle liefert an der Gitarre dreckig ab wie vom Punk bestellt. Timo am Bass bleibt dabei im Groove, während Annabelles Stimme alles zusammen trägt. Für eine junge Band, die über Isolation, Gesellschaft und die politische Wut einer Generation schreibt, war das ein Statement. Der Support endete im vollem Moshpit. Passend zu Bush, hatte man hier nicht Plattitüde sondern echte Haltung!

 

 

Dann ging das Licht aus. Der Einstieg mit Scars setzt sofort den Ton: kein sanfter Aufwärmer, kein Nostalgiehäppchen. Das Brett kommt direkt. Testosterone folgt, dann The Land of Milk and Honey — und spätestens da ist klar, dass die Band heute wirklich spielen will. Man merkt das. Jedem auf der Bühne sieht man an, dass sie froh sind, hier zu sein!

Soundtechnisch gab es vor der Show schon Vorbehalt: Teile der Show klingen dem Internet verdächtig sauber. Zu sauber. Dem Verdacht, des Playbacks wurde online Ausdruck verschafft und ich muss sagen, dass hier nicht alles live eingespielt wird, lässt sich irgendwie nicht ganz abschütteln. Das schmälert den Abend, keinesfalls! Denn was Gavin Rossdale und Band live liefert, rechtfertigt trotzdem die Anfahrt. Die Gitarren kreischen laut, der Bass grooved den Nacken und Drummer Nik Hughes sieht man die ganze Zeit seine Sticks um sich rumwirbeln. Spaß ist also garantiert!

Mit 60 wirkt Rossdale wie jemand, der gerade erst angefangen hat. Die Stimme sitzt, die Energie stimmt, und er schwingt sich während der Zugabe raus aus der Bühnenzone, rein ins Publikum, als wäre das Absperrband eine persönliche Beleidigung. Und das wirklich! Im späteren Verlauf der Show verschwindet Rossdale von der Bühne und singt IM und MIT dem Publikum Flowers!

Chris Traynor an der Gitarre liefert dreckiger und roher ab als erwartet — Kompliment an den Mann der der Show mit seinen Gitarrensolos leben einhaucht! Und Corey Britz trägt das Fundament am Bass mit dem Groove von jemandem, der genau weiß, wie gut er ist. Warm Machine, Ghost in the Machine, Heavy Is the Ocean — die neueren Tracks funktionieren live besser als auf Platte, weil der Raum ihnen den Druck gibt, den das Studio ihnen verweigert hat.

Was an diesem Abend auffällt, ist die Crowd. Unter 20 und Ü40, kaum etwas dazwischen. Das Mittelfeld fehlt fast komplett. Und trotzdem — oder genau deswegen — funktioniert es. Die Jungen stehen vorne, kennen jeden Text, rasten aus als hätten sie die Band groß werden sehen. Ohne Mist! Das war das lauteste „Mädchengekreische“ das ich jemals gehört habe! Die Beatles wären stolz gewesen!

Dafür stehen die Älteren weiter hinten, singen genauso laut und zeigen wie das Moshen geht. Irgendwo zwischen diesen beiden Lagern passiert etwas, das man nicht planen kann: kollektive Erinnerung überlagert sich mit einem Hier-und-Jetzt-Gefühl, das sich anfühlt, als wären diese Songs die letzten 20 Jahre im Radio gelaufen. Als wären Bush niemals weg!

Die Zugabe reißt es dann endgültig ab. Swallowed, Identity, Comedown — das Huxleys dreht auf. Moshpit, Klatschen, Gesang, Klatschen! Gavin ist nochmal draußen, tanzt, feiert, ist sichtbar happy. Die Band wirkt, als hätten sie genau das gebraucht: kein Riesenstadion mit Distanz und Videoleinwand, sondern dieser schwitzige, direkte, ehrliche Abend in Neukölln.

Fazit: Bush liefern eine Show, die mehr ist als ein Nostalgie-Abo für Ü40-Fans. Ja, es gibt den Playback-Verdacht. Aber Bush wecken auf und wer die Band um Gawin Rossdale in diesem Format sehen kann — Club, volle Hütte, Gavin auf Armreichweite — sollte nicht zögern!