Katharsis im Rausch der Extreme
Die aus Columbus stammenden Beartooth legen mit „Pure Ecstasy“ (VÖ: 28.08.2026) ihr mittlerweile sechstes Studioalbum vor. Seit dem umstrittenen Vorgänger „The Surface“ (2023), auf dem Frontmann Caleb Shomo spürbar optimistischere Töne anschlug, hat sich die Welt der Metalcore-Schwergewichte nochmals weitergedreht. Erneut zeichnet sich Mastermind Shomo im Studio maßgeblich für Gesang, Songwriting und Produktion verantwortlich. Mit Jordan Fish (ex- Bring Me The Horizon) holte er sich zusätzlich prominente Verstärkung für die Produktion. Herausgekommen ist ein elf Songs starker Longplayer, der rohe Wut, pure Euphorie und schonungslose Selbstreflexion miteinander verschmelzen lässt und von einer ausgiebigen Headliner-Tour im Herbst flankiert wird.
Rauschhafter Einstieg
Der Titeltrack und Opener „Pure Ecstasy“ macht von der ersten Sekunde an keine Gefangenen. Caleb Shomo legt ohne langes Vorgeplänkel alles auf den Tisch: Wuchtige Gitarrenwände prallen auf einen treibenden Beat, während der Wechsel zwischen brachialen Shouts und einem hymnischen Refrain direkt den Puls nach oben schraubt. Die direkt daran anschließende Single „Eyes Closed“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, überrascht aber im Mittelteil mit modernen Synth-Elementen, die dem Track eine ungemein dichte Atmosphäre verleihen. Textlich geht es um das bewusste Ausblenden von Schmerz. Ein Thema, das in gewohnter Beartooth-Manier perfekt zwischen Verzweiflung und purer Lebensenergie balanciert.
Musikvideo zu Pure Ecstacy:
Zwischen Moshpit und Arena
Dass Caleb Shomo ein Händchen für imposante Singalongs hat, beweist der fünfte Track: „Stadiums“. Der Song trägt seinen Namen nicht ohne Grund: Ein massiver Stadion-Rock-Chorus trifft auf ein knallhartes Riff-Fundament, das sich unweigerlich in den Gehörgängen festsetzt. Hier wird die Circle-Pit- und Mitgröl-Tauglichkeit für die anstehenden Festival- und Tour-Sets auf ein neues Level gehievt. Wer es noch eine Spur kompromissloser mag, wird bei „Bullshit“ und „Free“ fündig. Letzterer brennt sich mit treibenden Drums von Connor Denis und einem markerschütternden Breakdown in die Knochen, welcher Fans der ersten Stunde das Herz erwärmen dürfte.
Lyricvideo zu Bullshit:
Tiefe Narben und späte Versöhnung
Im hinteren Drittel zeigt sich das Album von seiner verletzlichsten Seite. „Lose You To Find Me“ und das klavier- und beatunterlegte „Sorry“ gewähren einen intimen Einblick in Beziehungsabbrüche und den mühsamen Weg zur Selbstakzeptanz. Trotz der spürbaren Heavyness im Sound bekommt der Gesang hier enorm viel Raum zum Atmen – Shomos Stimmkontrolle zwischen zerbrechlichem Klargesang und verzweifelten Screams erreicht hier ihren emotionalen Höhepunkt. Den Schlusspunkt setzt „I Made It“, das den Kreis schließt und den Hörer mit einem befreienden, triumphalen Gefühl aus dem Album entlässt.
Fazit
Beartooth gelingt mit „Pure Ecstasy“ das Kunststück, die Wucht ihrer Anfangstage mit der Reife und Melodieführung der jüngeren Alben zu einem homogenen Brecher zu vereinen. Caleb Shomo kanalisiert seine inneren Dämonen so ungefiltert wie eh und je, verpackt sie jedoch in eine druckvolle, moderne Produktion, die keinen Deut an Energie einbüßt. Ein vielseitiges, mitreißendes Album, das die Band endgültig an der Spitze des Genres zementiert und live für absolute Zerstörung sorgen wird.
Redaktioneller Hinweis (JM): Die vergebene Punktzahl für „Artwork“ geht nicht in die Gesamtpunktzahl mit ein, da diese nur die musikalische Qualität widerspiegeln soll. Es wird versucht alle Bands/Künstler im Kontext ihrer derzeitigen Größe und Möglichkeiten zu bewerten.





