Mit Veröffentlichungen von alten Jugendhelden ist es immer so eine Sache. Man möchte es eigentlich schon allein aus Sympathie und Jugenderinnerungen heraus gut finden, doch so recht will dies nicht funktionieren. Bis auf zwei bis drei ganz gute Songs ist auf dem Silberling nichts zu finden.
Enttäuscht und nostalgisch schaut man dann in sein CD-Regal, zieht die alten Klassiker hervor und fragt sich, warum die Band nicht mehr in der Lage zu sein scheint, so klasse Songs abzuliefern wie einst.
Diese Einleitung könnte jetzt zum Beispiel wahlweise für die letzten Metallica-, Slayer- oder Megadeth-Alben stehen.
Doch heute bespreche ich das neue Album von Anthrax – Cursum Perficio (lat.: „Ich beende meine Reise“ bzw. „Das Ende einer Reise“).
Zugegeben, ich hadere bereits seit Beginn der zweiten Belladonna-Phase mit der Band, aber nicht wegen der schlechteren Musik, sondern weil ich ein großer Fan der Bush-Ära bin.
John Bush hat Anthrax für mich noch einmal besser gemacht, obwohl Alben wie Among the Living, State of Euphoria und Persistence of Time bei mir auf Dauerrotation liefen.
Als sie dann mit Belladonna zurückkamen, wurde mir erstmals so richtig bewusst, dass dieser eigentlich schon immer der größte Schwachpunkt war. Und so ist es auch dieses Mal: Er klingt, höflich ausgedrückt, dünn – ohne Volumen, einfach kraftlos, blass.
Allerdings möchte ich ihn nicht zum alleinigen Buhmann machen, denn auch wenn man merkt, dass die Jungs Bock aufs Musizieren haben, haben sich zu viele mittelmäßige Songs eingeschlichen, die früher sehr wahrscheinlich in irgendeiner Schublade gelandet wären.
Doch auch Lichtblicke sind hier definitiv vorhanden, wie zum Beispiel The Edge of Perfection. Ein sehr untypischer Song, der Post-Rock-artig beginnt und dann in einen fast Black-Metal-artigen Blastbeat-Part übergeht, um anschließend den Umweg über ein recht typisches Anthrax-Riff zu nehmen. In der Mitte des Songs wird das Post-Rock-Thema wieder aufgenommen, diesmal unterlegt mit Tribal Drumming, gefolgt von einem coolen Solo und dem Blastbeat-Part. Sehr geiler Song, der auch gleich in meiner Playlist gelandet ist.
Der Titeltrack Cursum Perficio ist so etwas wie der Hit der Platte, der zwischen einem Stakkato-Gewitter und Melodien hin und her pendelt.
Dann gibt es noch mit T.O.M.B. einen klassischen Anthrax-Song zwischen Hardcore und Thrash, der aus den anderen Songs herausragt.
Bei den anderen Songs könnte man sagen, dass diese teils zu sperrig sind und man nur schwer einen Zugang zu ihnen findet. Hier fehlen einfach die zündenden Momente, zum Beispiel Hooks.
Der Sound des Albums ist modern, aber unspektakulär und wirkt auf mich ein wenig unbalanciert.
Fazit:
Ist Cursum Perficio ein schlechtes Album? Nicht wirklich, gibt es doch ein paar gute Songs und auch in den anderen Songs gute Ansätze. Doch dies ist nicht ausreichend, um ein Album über gehobenes Mittelmaß zu heben.





