Only The Poets in Köln – Review&Fotos

Ein Abend, der mehr war als nur Musik – Only The Poets im Carlswerk Victoria, Köln 17.04

Es gibt diese Abende, die beginnen lange bevor der erste Ton gespielt wird. Der 17. April in Köln war genau so einer. Schon am Nachmittag lag etwas in der Luft, diese Mischung aus Vorfreude, Nervosität und dem leisen Wissen, dass man Teil von etwas Besonderem werden würde. Die Sonne schien warm über das Carlswerk Victoria, fast schon symbolisch für das, was noch kommen sollte. Menschen saßen draußen auf dem Boden, lehnten an Wänden, lachten, warteten. Fremde wurden zu Bekannten, Bekannte zu Freunden. Es war nicht einfach nur eine Schlange vor einem Konzert, es war ein Gefühl von Ankommen von Zuhause.

Signing

Draußen wurde bereits Early Merch verkauft, wie kleine Erinnerungsstücke an etwas, das noch gar nicht passiert war. Gleichzeitig ging ein organisiertes Fanprojekt durch die Reihen. Kleine Sterne, Botschaften, Gedanken – Dinge, die später eine so große Bedeutung bekommen sollten. Und mittendrin: die Band selbst. Kein Abstand, keine Eile. Ein Signing unter freiem Himmel, ehrlich und nah. Sie nahmen sich Zeit für jeden Einzelnen, als wäre genau dieser Moment der wichtigste. Es war diese Art von Begegnung, die man nicht planen kann – sie passiert einfach, und sie bleibt.

Das Warten hat nun ein Ende

Als um 19 Uhr die Türen geöffnet wurden, wurde die Vorfreude immer größer. Knapp 1500 Menschen in der Venue. Und trotzdem fühlte es sich nicht überfüllt an. Eher wie ein Raum wo Fremde für ein paar Stunden zu Freunden werden. Die Gespräche wurden leiser, die Blicke wanderten immer wieder zur Bühne. Dieses Gefühl von einer Zeit die sich wie eine Umarmung anfühlen wird, wurde stärker und greifbarer.

Dann ging das Licht aus. Und mit einem Mal war alles still – bevor es laut wurde.

Tommy Lyon

Tommy Lyon betrat die Bühne und schuf innerhalb von Sekunden eine Atmosphäre, die man kaum beschreiben kann. Seine Stimme war nicht einfach nur schön, sie war ehrlich. Nah. Jede einzelne Zeile schien direkt aus ihm herauszufallen und irgendwo im Publikum einen Platz zu finden. Es war, als würde jeder im Raum seinen eigenen Moment mit diesen Songs haben. Bei einem seiner Lieder begannen Lichter zu leuchten, sanft und ruhig und plötzlich war der Raum voller kleiner Sterne. Menschen hielten sich fest, manche schlossen die Augen, andere ließen einfach los. Tränen flossen, aber sie fühlten sich nicht schwer an. Eher wie Erleichterung. Wie ein stilles „Du darfst fühlen“

Murdo Mitchel

Nur kurze Zeit später trat Murdo Mitchel auf die Bühne. Eine andere Energie, aber nicht weniger intensiv. Vielleicht sogar noch greifbarer, gerade weil nicht alles perfekt lief. Als es kurz Probleme mit der Gitarre gab und Connor einsprang, entstand kein Stress sondern Nähe. Es war echt und witzig, denn er machte auch Witze drüber. Und genau das machte diesen Moment so besonders. Bei einem Cover von Justin Bieber verwandelte sich der Raum erneut. Arme legten sich umeinander, Stimmen wurden leiser, ehrlicher. Es war einer dieser Augenblicke, in denen Musik alles sagt, was Worte nicht können. Als ein Fan mit einem Schild eine Gitarrensaite bekam, war das mehr als nur eine Geste. Es hat den Abend des Fans versüßt.

Dann kam Only The Poets

Und dann kam der Moment, auf den alle gewartet hatten.

21 Uhr.

Das Licht ging aus – und diesmal blieb keine Stille.

Only The Poets betraten die Bühne, und mit ihnen kam eine Welle aus Energie, die den ganzen Raum erfasste. Es war laut, es war intensiv, es war überwältigend. Von der ersten Sekunde an war klar, dass hier mehr passiert als nur ein Konzert. Die Setlist war ein Wechsel aus neuen Songs und alten Favoriten, doch jeder einzelne fühlte sich an wie ein Höhepunkt. Es wurde gesprungen, geschrien, gelacht – und immer wieder geweint.

Als ein Fan ein Schild mit „Dare or Dare“ hatte wurde und die Band darauf einging und „Mr. Brightside“ sang, explodierte die Stimmung endgültig. Der ganze Raum wurde zu einer einzigen Stimme. Es war chaotisch, laut, unkontrollierbar und gleichzeitig perfekt.

Songs die einen bewegen

Doch es waren die leisen Momente, die am tiefsten gingen.

Waking in the Dark“ legte sich wie ein Schleier über die Menge. Ein Song über mentale Gesundheit, über Kämpfe, die oft im Verborgenen stattfinden. Und plötzlich war alles langsamer. Schwerer. Echter. Die Band spricht immer offen über diese Themen, ohne Distanz. Einfach ehrlich. Und genau das traf. Menschen hielten sich fest, manche weinten offen, andere still. Aber niemand war allein. In diesem Moment wurde Musik zu etwas, das heilt, auch wenn es gleichzeitig alte Wunden berührt.

Mit „Ceasefire“ folgte ein Überraschungsmoment, der sich sofort wie Zuhause anfühlte. Ein Fan-Favorite, getragen von hunderten Lichtern, die sich gleichzeitig erhoben. Diesen Song nochmal Live hören, damit hat wirklich niemand gerechnet.

Songs der Setlist

Torn“, hat Only The Poets als Cover gespielt. Der Song brachte eine ganz eigene Magie mit sich. Für einen Moment schien die Zeit stehen zu bleiben. Erinnerungen, Gefühle, Gedanken – alles vermischte sich zu etwas, das man nicht greifen, aber spüren konnte.

Dann kam „All This Time“. Und mit ihm zeigte sich das Fanprojekt in seiner ganzen Bedeutung. Sterne wurden hochgehalten, jeder einzelne beschrieben die Erfolge der Band.

Mit „Looking At You“ kam die Energie zurück. Ein Song, der ohnehin schon verbindet – und durch die Fans noch persönlicher wurde. „Looking at Roo, looking at Clem“ hallte durch den Raum, ein kleiner Insider, der plötzlich zu etwas Großem wurde. Es sind genau diese Momente, die zeigen, dass hier mehr existiert als nur Band und Fans.

Denn Tommy sagt auch immer wieder „this isn’t band and fans, this is fucking family“

Und dann kam der letzte Song  „Emotional“. Ein Titel, der nicht passender hätte sein können. Alle gingen gemeinsam in die Knie, als würde der Raum für einen letzten Atemzug innehalten. Und dann, auf ein Zeichen, sprang alles gleichzeitig hoch. Energie entlud sich, ein riesiger Moshpit entstand in der Mitte, wild, intensiv, aber getragen von einem Gefühl von Zusammenhalt. Es war nicht Chaos.

Nach etwa anderthalb Stunden schien alles vorbei. Plektren und Setlisten flogen in die Menge, letzte Blicke, letzte Worte.

Die letzten Zwei Songs

Doch der Abend war noch nicht bereit zu gehen.

Die Band kam zurück nicht auf die Bühne, sondern mitten unter die Menschen. Auf einer kleinen Erhöhung spielten sie noch zwei Songs, einer davon „Baby“ von Justin Bieber, gemeinsam mit Tommy Lyon. Während Andy und Marcus sich in die Crowd stellten, verschmolzen Bühne und Publikum endgültig miteinander. Es gab kein „wir“ und „die“ mehr. Nur noch diesen einen Moment.

Tommy der Sänger der Band wirkte sichtlich überwältigt, fast sprachlos angesichts der Menge, der Lautstärke, der Emotionen. Und genau das spiegelte wider, was alle fühlten.

Und dann, ganz leise, war es vorbei. Zurück blieb ein Raum, der sich verändert anfühlte. Und Menschen, die es auch waren. Mit Stimmen, die noch nachklangen. Mit Erinnerungen, die sich festgesetzt hatten. Mit einem Gefühl von Verständnis, von Leichtigkeit.

Denn was Only The Poets an diesem Abend geschaffen haben, war mehr als Musik.

Es war ein Ort.

Ein Gefühl.

Ein Zuhause – für ein paar Stunden, das man ein kleines Stück mit sich nimmt, wenn man wieder geht.