Review: Evanescence veröffentlichen neues Album “The Bitter Truth”

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8.5
18 Jahre ist es nun bereits her, dass die mehrfach ausgezeichnete Stimme von Evanscence’ Frontfrau Amy Lee eine ganze Generation berührte und bewegte. Mit dem Debüt-Album „Fallen“ (2003) legte die Band den Grundstein für ihre beachtliche Karriere und zog mit Songs wie „Bring me to Life“, „My Immortal“ und „Going Under“ ganze Massen in ihren Bann.
Auch die Folgealben wie „The Open Door“ (2006), „Evanscence“ (2011) und „Synthesis“ (2017) knüpften nahtlos an die Erfolge der alternative Rock-Band an. Da die 2017 veröffentlichte Platte „Synthesis“ eine orchestrale Neuauflage bekannter Songs der Band war, gibt es mit „The Bitter Truth“ (26.3.2021) seit 10 Jahren die erste neue Musik von Evanescence.

Deutlich gereift und dennoch unverkennbar. Amy is back! 

Was man gleich zu Beginn sagen kann und muss: „Amy is Back“! Und zwar so kraftvoll und berührend wie eh und je. Textlich auf den Punkt, passend zur aktuellen globalen Situation, mit modernen elektronischen Einflüssen und einer unverkennbaren Klarheit und Kraft in Amy’s Stimme.
Nahtlos geht der erste Track in „Broken Pieces“ über und fügt sich mit ihm zu einem stimmigen Gesamtwerk zusammen. Sowohl Textlich, als auch vom Feeling. Recht bald wird klar, dass die Band sich weiterentwickelt hat. Sie klingen Moderner und teilweise poppiger, behalten aber dennoch ihren unverkennbaren Sound bei.
Die Zwei Singles „The Game is Over“ und „Better Without You“ gehören meines Erachtens zu den Instrumentalen Höhepunkte des Albums, da hier einfach guter alter alternative Rock geboten ist.
Yeah Right“, ebenfalls eine der ausgekoppelten 5 Singles, startet ungewohnt modern für Evanescence, macht aber von der ersten bis zur letzten Sekunde richtig Spaß und ist absolut tanzbar. Was man so von der Band absolut nicht kennt.
Genauso groovig, allerdings mehr im für das Quintett typischen-, düsteren Stil geht es mit „Feeding The Dark“ weiter. An dieser Stelle nimmt das Album richtig Fahrt auf und macht immer mehr Spaß.
Die vierte Single „Wasted on You“, startet mit der absoluten Stärke der Band: „Amy und ein Piano“. Mehr braucht es im Grunde nicht. Die Melodie bleibt sofort im Ohr und zeichnet sich als klar erkennbare Single aus. Einziges Problem – wenn man es so nennen möchte – ist meines Erachtens, dass der Song mit 4:24 ein wenig langatmig ist, da er am Ende doch sehr repetitiv ist. Der C-Part gegen Ende reißt es aber dann doch wieder heraus und rundet die Nummer gelungen ab.
Better without you“ ist einer meiner persönlichen Favoriten des Albums. Die „glitchy“ Spieluhr am Anfang ist ein genialer Effekt und bringt sofort den düsteren Charakter der Band zum Vorschein den wir so zu lieben gelernt haben. Gefolgt von harten Riffs, welche zu gegebener Zeit wunderbar im Vordergrund stehen, arbeitet sich die Nummer zu einer modernen und 1a inszenierten Alternativ-Rock Nummer nach vorne, bevor sie in einem Wahnsinns Chorus gipfelt. Ganz großes Kino!
Gleich im Anschluss folgt die letzte der 5 Singles „Use my Voice“ und es wird sofort klar warum dieser Song ausgekoppelt wurde. Die Melodie kämpft sich ohne Umwege in eure Gehörgänge und lässt sich dort mal eben häuslich nieder. Bei dieser Nummer stimmt einfach alles! Die Dynamik, die Background-Vocals, die Härte, die Melodieführung, Instrumentierung, einfach alles! Bomben Track!
Mit „Take Over“ sind wir mit einer Länge von 3:14 bei der kürzesten Nummer des gesamten Albums angekommen. Spätestens hier sollte jedem Neueinsteiger klar geworden sein, dass Evanescence definitiv alles andere als eine Pop-Rock-Band ist. Hier gehts nochmal richtig nach vorne.
Die Ballade des Albums „Far From Heaven“ leitet ganz unmissverständlich das Finale des Albums ein und macht hierbei wirklich alles richtig. Die Zutaten für diesen Track sind “Amy, Streicher und natürlich ein Piano“. Und wie schon erwähnt, ist das auch alles was es braucht um einen genialen Song zu schreiben. Ab und zu wird das ganze dann noch durch seichte Drums im Background abgerundet. Der Song geht unter die Haut und zwingt die kleinen Haare auf den Armen zu standing Ovations.
Ohne auch nur eine Sekunde zu verschwenden, startet „Part of Me“ sofort so richtig los und überzeugt mit einem zweigeteilten Chorus, welcher sich aus langgezogenen und rhythmischen Elementen zusammensetzt und – wie so einiges auf dieser Scheibe – sofort im Ohr bleibt. Es ist so weit, wir sind am Finale des Albums angekommen und das merkt man bereits mit dem ersten Ton von „Blind Belief“. Der Song überzeugt von der ersten Sekunde an, spielt nochmal alle Stärken der Band aus und zeigt glasklar mit wem wir es hier zu tun haben. EVANESCENCE IS BACK!

CONCLUSIO!

Als ich mir „The bitter Truth“ zum ersten Mal angehört habe, war ich zunächst nicht sicher was ich davon halten sollte. Zunächst kam mir alles relativ gleichförmig und ohne wirkliche Höhen und Tiefen vor. Auch das eher durchgehende Mid-Tempo empfand ich erst mal als wenig abwechslungsreich.
Allerdings verhält es sich am Ende des Tages genau so, wie auch bei vielen anderen herausragenden Platten. Je öfter man sie sich anhört, umso besser wird sie. Zwar trübt dies ein wenig den objektiven Ersteindruck, aber hey, es ist Musik und diese ist alles, aber sicherlich nicht objektiv. Nachdem ich mich drei mal durch das Album gehört habe, halte ich es für ausgesprochen vielseitig und Kreativ. Hier hat die Band ganz klar bewiesen, dass ihnen die 10 Jahre ohne neue Musik kein bisschen geschadet haben. Ganz im Gegenteil sogar.
Das Absolute Aushängeschild ist und bleibt natürlich Amy Lee. Und ohne lang um den heißen Brei zu reden, diese Frau glänzt auf dieser Scheibe auf jede erdenkliche Weise. Sie hat kein bisschen ihrer Stimmgewalt eingebüßt und überzeugt mich von Anfang bis Ende sowohl stimmlich als auch textlich.
Und damit möchte ich auch schon die Brücke zum textlichen Aspekt von T.B.T. schlagen. Inspiriert von den aktuellen Zeiten, hat Amy Lee eine sehr aussagekräftige und starke Message verfasst. Sie spricht davon für sich selbst einzustehen, zweifelt hier und da an sich selbst, ist am Boden zerstört und steht wieder auf. Letztlich genau das, was uns allen in einer Zeit der Sozialen Isolation durch unsere Köpfe und Herzen schwirrt. Und mit diesem Album hat sie diese Gedanken in einen super Rahmen gepackt. So wird einmal mehr klar, dass die Corona-Pandemie, oder besser die damit verbundene Isolation, eben auch zu großer Kreativität führen kann.
Mein Fazit: Ein sehr gelungenes Album. Frischer, moderner Rock, eine geniale Stimme und eine starke Message.
Womöglich braucht es ein zweites- oder drittes Hören bis euch der Sound wirklich hat, aber spätestens dann wird euch klar: „AMY IS BACK”!
CHAPEAU!
Review von Max Roxton