Konzertreview: Sleeping with Sirens in München

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Foto: Propeller Music
7.6

Ein nasskalter Novemberabend in München – und Shvpes versuchen als erste Vorband im Technikum, die Stimmung aufzuheizen. Die Band um Sänger Griffin Dickinson (Sohn von Iron Maiden-Sänger Bruce Dickinson) zitiert mit ihrem von Raps durchsetzten Metal Genregrößen wie Papa Roach oder Limp Bizkit. An diesem Abend ist der Sound allerdings zu flach, um wirklich für Begeisterung zu sorgen. Zwar bildet sich bei ein paar Songs ein kleiner Pogo-Kreis, aber insgesamt reagiert das Publikum verhalten auf Shvpes.

Danach stehen Holding Absence auf der Bühne und bieten eine starke Vorstellung. Die Waliser bestehen als Post-Hardcore-Band erst seit drei Jahren. Im Technikum haben sie aber bereits eigene Fans mit dabei, die textsicher mitsingen. Der Sound ist perfekt abgemischt und Sänger Lucas Woodland treibt mit seiner intensiven Performance die Temperaturen im Technikum nach oben. Aber auch die anderen Bandmitglieder verstecken sich nicht, sind immer in Bewegung und wechseln häufig die Positionen. Vor allem die Hits „Like A Shadow“ und „Monochrome“ bleiben hängen. Als die letzten Töne verstummen, sind sich die Fans einig: Holding Absence dürften gerne auch einmal als Soloact nach München kommen.

Palisades kommen mit ihrem aktuellen Album „Erase the Pain“ und sind eine würdige Vorband für Sleeping With Sirens. Zehn Songs stehen auf der Setlist, wobei das Stimmungshighlight eindeutig das Linkin Park Cover „One Step Closer“ ist. Aber auch vom Gesang her erinnert Frontman Lou Miceli oftmals an Chester Bennington. Mit „Erase the Pain“ beenden Palisades ein gelungenes Konzert und lassen die Vorfreude im Saal weiter ansteigen. Ein Beweis des engen Zusammenhalts der Tourmitglieder ist der Besuch von Sleeping With Sirens-Sänger Kellin Quinn, der still und heimlich auf der Empore die ersten Songs von Palisades mit verfolgt. Bei Sleeping With Sirens sind später Bandmitglieder aller Vorbands auf der Empore zu Gast.

Gibt man Sleeping with Sirens bei Google ein, so ist die erste angezeigte Frage: “Is there a girl in sleeping with sirens?” Und genau dies ist das Alleinstellungsmerkmal der Band. Sänger Kellin Quinn kommt mit seiner Stimme in extrem hohe Tonlagen, sodass es beim ersten Hören wirkt, als würde eine weibliche Stimme die Band dominieren. Bei den ersten Songs im Technikum hat er allerdings hörbar mit technischen Problemen zu kämpfen. Sein Mikro ist viel zu leise eingestellt, sodass er mit seiner zarten Stimme zwischen den lauten Drums und der E-Gitarre untergeht. Vor allem „Tally it up: Settle the Score“ wird so zum Fiasko. Beim vierten Song „Better of Dead“ scheint der  Tontechniker jedoch die richtige Einstellung gefunden zu haben und Kellin Quinn ist nun viel besser zu verstehen. Zumindest ist dies eine Verbesserung im Vergleich zum letzten Auftritt im Technikum vor drei Jahren mit Mallory Knox, bei dem seine Stimme das komplette Konzert über völlig unterging.

Stark sind Quinns Solostücke, bei denen er Sleeping With Sirens-Songs Acapella weiter singt und so sein enormes Stimmvolumen deutlich wird. Insgesamt zeigt sich der Sänger gesprächig und redet viel mit den Fans. Die ersten Reihen im Technikum sind eindeutig in weiblicher Hand, was sich auch am lauten Kreischen zwischen den Songs bemerkbar macht. Bassist Justin Hills darf mit einem Geburtstagsständchen in seinen 32. Geburtstag reinfeiern und ext auf der Bühne unter Anfeuerungsrufen des Publikums im Anschluss eine Halbe.

Bei der Setlist liegt der Schwerpunkt auf dem aktuellen Comeback-Album „How it feels to be lost“, von dem an diesem Abend acht Songs gespielt werden. Die meiste Inspiration für das Album holte sich Quinn im Kampf gegen den Alkohol.  Wegen Alkoholmissbrauchs auf den vielen Touren mit seiner Band war er lange in Behandlung gewesen. Unter diesen Umständen ist es kaum verwunderlich, dass Sleeping with Sirens mit  „How it feels to be lost“ zurück zu ihren Post-Hardcore-Wurzeln kehrten. Bezeichnend ist auch, dass vom völlig misslungenen Vorgängeralbum „Gossip“ kein einziger der Pop-Songs gespielt wird. Kellin Quinn verspricht zudem, dass man bereits an neuen Songs schreibe, die wieder härter seien. Einer der Höhepunkt des Abends ist dann auch der Klassiker „If I’m James Dean, Then You’re Audrey Hepburn” vom Debütalbum.

Nach knapp 60 Minuten verlassen Sleeping With Sirens die Bühne, um wenig später für zwei Zugaben erneut zu erscheinen. „Kick Me“ und „If You Can’t Hang“ sorgen noch einmal für riesige Pogo-Kreise und hinterlassen ein verschwitztes, aber glückliches Münchner-Publikum. Und Kellin Quinn gibt ein Versprechen: Sleeping With Sirens kehren im Sommer für Festivalauftritte zurück nach Deutschland!

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The Breakdown


Stimmung
7.5
Location
8.5
Songs
7.5
Weiterempfehlung
7