Tim Vantol im Interview über sein neues Album “Better Days” und Corona

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Fotocredit: Promobild von Tim Vantol
Wir hatten Tim Vantol im Interview über sein neues Album “Better Days”und über den Umgang mit der aktuellen Corona-Situation. Natürlich fand das Ganze auch “Social Distancing”-konform über Distanz statt – ich aus meinem Home Office inm Hamburg sitzend und Tim in Berchtesgarden wo der Niederländer nun wohnt.

Festivalstalker: Danke, dass es geklappt hat mit dem Interview! 

Tim: Ja kein Ding – danke euch!

Festivalstalker: Ich würde dann direkt starten, jetzt da wir die technischen Probleme überwunden haben, da ich auch nur meine Mittagspause lang Zeit habe (lacht)

Tim: Ja kein Problem – dann leg los!

Festivalstalker: Deutsch ist in Ordnung? Ich hätte sonst auch Fragen auf Englisch vorbereitet – ich war mir da nicht ganz sicher.

Tim: Deutsch ist in der Regel kein Problem – lass es uns versuchen!

Festivalstalker: Ok, alles klar! Der Titel von deinem neuen Album könnte ja eigentlich momentan gar nicht besser passen. Ist das ein Zufall? 

Tim: Das ist ein purer Zufall. Ich habe das Album im Januar aufgenommen. Da war das in China schon aber bei uns noch nicht – also purer Zufall.

Festivalstalker: Worum geht es denn in deinem Album “Better Days”?

Tim: Immer wenn ich eine Platte schreibe geht es um die Zeit zwischen der letzte Platte und der neuen. Und das war hier auch der Fall. Das waren für mich nicht so mega leichte Jahre, weil ich Probleme hab mit Depressionen und da bin ich tief reingerutscht in den letzten Jahren. Und das ist natürlich dann ein großer Teil auch der letzten drei Jahre und einfach ein großer Teil von meinem Leben. Ich habe da vorher schon mal versucht darüber zu schreiben aber das war so dunkel – so negativ. Ich wollte das es eine Platte mit positiven Vibes wird. Ich wollte keine Platte machen, bei der die Leute nach einmal hören denken “Oh Scheiße”. Deshalb wollte ich eben eher positive Vibes geben und das habe ich mit der Platte jetzt versucht.

Festivalstalker: Worin liegt denn der größte Unterschied zwischen dem neuen Album und deinem letzten Album?

Tim: Meinst du inhaltlich oder musikalisch?

Festivalstalker: Sowohl als auch.

Tim: Das ist eine schwierige Frage…Musikalisch – “Burning Desires” habe ich aufgenommen mit dem Sänger von Royal Republic, der hat mir geholfen und wir haben bei ihm im Studio das alles gemacht. Das war bei dieser Platte nicht so. Da ich großteils alleine dran gearbeitet hab. Eine ziemlich entspannte Zeit eigentlich. Vom Sound ist es so, dass das letzte Album vielleicht etwas überproduziert war. Was hab ich versucht diesmal nicht zu machen und da einen Mittelweg zu finden.

Festivalstalker: Was ist dein persönlicher Lieblingssong vom neuen Album?

Tim: Oh – gute Frage! Das sind mehrere auf jeden Fall – sonst hätte die es nicht auf die Platte geschafft.

Festivalstalker: Dann anders gefragt: auf welchen Song freust du dich am meisten, wenn du ihn live spielen kannst?

Tim: Da muss ich etwas überlegen. Ich glaub den Titeltrack “Better Days”. Aber bisher freu mich mich noch auf jeden Song – bis wir dann auf Tour gehen und dann wird sich das vielleicht ändern. Ich freu mich auf jeden Fall auf “A River Full of Reason”, weil ich den cool finde. “Haven’t You Learned”, auch wenn das eher ein ruhiger Song ist. Aber man merkt, dass die Leute da auch Lust drauf haben, wenn man ruhigere Sachen spielt. Aber letztendlich freue ich mich einfach wieder live zu spielen.

Festivalstalker: Wofür nutzt du denn die momentane Situation? Also das man kaum rausgehen kann, das man keine Leute treffen kann. Gibt es irgendwas wofür du die Zeit besonders nutzt? 

Tim: Na ja es gibt jetzt schon noch einiges zu tun – gerade mit dem neuen Album. Ich mach da auch viel selber, deshalb ist das unglaublich viel Arbeit. Das vergesse ich immer. Man muss dann auch da raus und ein bisschen spielen – die Leute sitzen auch alle Zuhause. Deshalb wird man da dann auch versuchen das zu promoten und den Leuten ein bisschen was zu geben.

Festivalstalker: Also hast du erst mal genug zu tun?

Tim: Genau, genau…bisher ist mir noch nicht langweilig

Festivalstalker: Das ist ja auch gut…

Tim: Ja das auf jeden Fall – ich bin mal gespannt wie das noch wird. Ich glaube ich komme irgendwann an den Punkt wo ich denke: jetzt reicht es auch mal.

Festivalstalker: Worauf glaubst du freust du dich danach am meisten?

Tim: Mal gucken wann das überhaupt der Fall sein wird. Es gab so coole Pläne: Festivals, Tour mit den Toten Hosen und ich wollte eine eigene Tour für die Platte machen. Aber das ist jetzt natürlich die Frage, ob das überhaupt klappen wird. Ich glaube ich werde mich einfach wieder freuen “on the road” zu sein und wieder zu spielen und dabei viele bekannte und neue Gesichter zu sehen. Ich kann es kaum abwarten – ich hoffe das es alles klappt und nicht schlimmer wird.

Festivalstalker: Du lebst mittlerweile in Berchtesgarden, richtig?

Tim: Genau!

Festivalstalker: Wie kommt es, dass du das gelandet bist

Tim: Meine Frau kommt aus Berchtesgarden und weil es mir eigentlich egal ist wo ich lebe – solange ich nicht in der “Middle of nowhere” lebe – aber eigentlich wohne ich jetzt in “the middle of nowhere”. Ne – aber es gefällt mir hier – ich finde es wirklich sehr schön. Du warst schon mal da?

Festivalstalker: Ja – ich hab auch Familie da tatsächlich.

Tim: Ah cool! Es ist unglaublich schön mit den Bergen. Ich darf mich echt nicht beschweren uns geht es hier wirklich gut. Schön ruhig hier, macht Spaß, viel Natur – es gibt Schlimmeres. Auf jeden Fall!

Festivalstalker: Wenn du mit irgendeiner Band deiner Wahl auf Tour gehen könntest – welche wäre das?

Tim: Ohaaa – gute Frage…ein meiner liebsten Bands, die **** Brothers (Anmerkung d. Red.: leider nicht zu verstehen in der Aufnahme) – das wäre cool! Ja ich glaube das wäre dann mein Favorit. Aber ich glaube eine Bruce Springsteen Tour wäre auch was. Ne, aber ich glaube **** Brothers wäre wirklich was. Ich habe die auch schon live gesehen – lange ist es her und das war so ein richtiger Motivationsschub. Aber da ist es auch so, es geht mal was schief auf der Bühne – eine Saite reißt oder so aber das macht es eben authentisch. Das merk ich auch bei meinen eigenen Shows – das ist gar nicht so schlimm.

Festivalstalker: Was ist der peinlichste Moment, der dir jemals auf der Bühne passiert ist?

Tim: Uuuuhhh haha – ich glaube so ausrutschen oder Balance verlieren – das ist immer blöd. Ist mir noch nicht mega oft passiert, aber ein, zweimal ein Kabel hinter mir vergessen oder einen Monitor – und das ist mir schon peinlich. So richtig peinliche Momente gibt es bis jetzt eigentlich noch nicht. Was irgendwann aber mal passiert ist, dass ich den Text von einem Song auf die Gitarre von einem anderen Lied gespielt hab. Das war eigentlich auch ein bisschen cool, aber da stand eine Bekannte von mir im Publikum und die hat sich kaputt gelacht und ich wusste es. Aber zum Glück war das ganz am Anfang und keinem ist es aufgefallen außer der Freundin von mir. Aber auch das – das gehört dazu – das passiert.

Festivalstalker: Auf welchem Festival – wenn es dann wieder möglich ist – würdest du gerne mal spielen?

Tim: Oh je – es gibt so viele Festivals. Viele Festivals auf denen ich noch nie gespielt habe und gar nicht weiß ob die cool sind. Aber Europa hat schon mega viele coole Festivals, wo ich mich immer wieder freue da nochmal zu spielen. Ich finde Taubertal super – das hat richtig viel Spaß gemacht. Groezrock in Belgien ist auch immer cool. Es gibt tausende Festivals in Europa, die so unglaublich schön sind – klein wie auch groß und die machen immer unglaublich viel Spaß. In Deutschland gibt es genügend. Also ich war noch nicht bei Rock am Ring – aber das ist bestimmt auch schön. Es gibt einfach unglaublich viele Festivals und es ist eigentlich egal wenn die Leute einfach Bock haben und die Leute von der Organisation nett sind, dann ist es für mich eigentlich schon ein gutes Fest. Und deshalb hab ich einfach Bock möglichst viel zu spielen, wenn das wieder vorbei ist. Aber…obwohl ich optimistisch bin – schauen wir mal.

Festivalstalker: Aber für die großen Veranstaltungen wird das wohl schwierig werden…

Tim: Ja – auf jeden Fall. Ich glaube jedes Festival ist fast zu groß. Ich mein das sind immer so um die 1.000 Leute bis was weiß ich. Es wurde ja schon einiges abgesagt. Ich finde das auch unglaublich schade für die Leute, die das veranstalten, weil die das ganz Jahr dadran sitzen. Ist ja das selbe wie mit einem Sturm oder so – ist genau das gleiche. Man sitzt da Monate oder ein ganzes Jahr dran und dann findet es nicht statt. Ich finde es auch blöd – aber es ist nicht nur für die Bands blöd, ist nicht nur für die Leute – am meisten glaube ich für die Veranstalter.

Festivalstalker: Was gefällt dir denn prinzipiell besser – große Festivalbühnen oder kleine Club Shows?

Tim: Einfach mal wieder alleine mit der Gitarre in der Kneipe stehen – das finde ich mega geil. Wenn das dann voll ist und die Leute haben Bock und singen mit – das ist unglaublich schön. Ich spiel auch unglaublich gerne als Support für größere Bands. Das ist auch immer gut um neue Leute kennen zulernen. Aber ganz ehrlich – ein gutes Festival, schönes Wetter, viele Leute die Bock haben – das ist glaube ich jetzt das worauf ich am meisten Bock hab. Aber wenn die Leute gut drauf sind – egal ob es 10 Leute sind oder 10.000. Wobei wenn die Shows so richtig groß sind – das sind dann zwar nicht meine – aber dann fehlt mir da die Nähe. Ich finde das auch cool wenn die Bühne nicht so hoch ist. Man die einzelnen Leute anschauen kann, das finde ich immer super. Das mega große ist auch immer cool, aber da sind die Leute so weit weg und die Bühne ist 1,5 bis 2 Meter hoch – wenn nicht noch höher. Aber wenn die Leute trotzdem Bock haben und Spaß haben – trotzdem gut!

Festivalstalker: Wie gefallen dir denn digitale Shows? Ich hab gesehen du hast selber ja auch schon gestreamt auf deinem Kanal und was hälst du davon?

Tim: Man muss es fast machen jetzt – gerade zu einem Release. Es ist cool für die Leute zuhause und die freuen sich und das freut mich wieder. Aber es ist eigentlich scheiße zu machen, weil man starrt einfach auf einen Bildschirm oder mehrere sogar und man spielt quasi für sich selbst. Man spielt einen Song und es ist einfach leise. Also es ist schon schwierig. Das erste Mal denkt man schon – wie mach ich das überhaupt. Aber es ist einfach wie es ist jetzt und es gibt die Möglichkeit das zu machen oder gar nichts zu machen. Es ist nicht ideal – aber es ist einfach wie es ist. Lieber richtig live!

Festivalstalker: Ja – man muss sich ja irgendwie zu helfen wissen und zumindest gibt es ja die Möglichkeit mittlerweile. 

Tim: Genau, genau ja.

Festivalstalker: Okay – ich habe eigentlich keine Fragen mehr.

Tim: Ah super (lacht)

Festivalstalker: Willst du den Leuten noch irgendwas mitgeben für die Zeit jetzt so? Warum sie sich dein Album holen sollten?

Tim: Die Leute sollen einfach die Platte bestellen – oder zwei. Eine für einen Bekannten – es ist immer schön jemandem etwas zu schenken. Ich glaube die positive Stimmung können wir alle gerade gut gebrauchen. Es ist zwar meine eigene Geschichte aber alles passt ziemlich gut auf die jetzige Situation.

Festivalstalker: Das habe ich mir tatsächlich auch gedacht, als ich mir die Platte angehört habe, dass es wirklich so wirkt als ob jeder Song irgendwie jetzt in die Zeit ganz gut passt.

Tim: Ja – es ist unglaublich krass, weil die Songs waren bis Dezember ungefähr fertig und das kann man alles nicht wissen. Ich hab das am Anfang auch noch gar nicht ernst genommen. Dann hat man noch gedacht es wäre besser die Single “Better Days” erst jetzt raus zubringen, aber dann war das alles schon geplant. Aber ich versuche die Songs auch immer so allgemein zu halten wie möglich, so dass jeder irgendwie seine Geschichte darauf packen kann und das hat in dem Fall auch gut geklappt.

Festivalstalker: Ok cool – dann bedanke ich mich für deine Zeit.

Tim: Danke dir für dein Interview

Wer sich nicht sicher ist, ob das Album für ihn das richtige sein könnte kann sich hier nochmal ein kurzes Review zum Album durchlesen oder direkt bei Spotify reinhören, da das Album heute released wurde. Seitdem das Interview stattgefunden hat, ist nun klar – Festivals wird es dieses Jahr mindestens bis zum 31.8. nicht geben. Allgemein ist noch unklar, wie es weitergehen wird und wie lange wir auf reale Konzerte verzichten müssen. Um die Zeit zu überbrücken veranstalten wir dieses Wochenende unser nunmehr 3. Online Festival – alle Infos dazu findet ihr hier.


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