Stalkerstories: Streaming-Skandal im Iran

20191024_144145

“This is Lady Gaga” – aber wo ist sie denn?

Sexismus ist ein aktuelles Thema – immer noch. Allgegenwärtig ist er nicht nur in den eher konservativen, von Religion und Regierung bestimmten Ländern, sondern auch in der weltweiten Musikszene. Gerade aktuell machte  der iranische Streamingdienst Melovaz auf sich aufmerksam da sich dieser an den Albumcovern einiger weiblicher Megastars zu schaffen gemacht hatte.
Statt den Kleidungsstil  der abgebildeten Frauen anzupassen (Ausschnitte kaschieren, Höschen und Röcke optisch verlängern), wie es sonst meist im nahen Osten der Fall ist, retuschierte der Phtoshopper ganze Künstlerinnen und Models von ihren Covern.

Im Iran herrscht der islamische Glauben vor und es wird streng danach gelebt. Kulturelle und künstlerische Stücke und Werke werden daraufhin überprüft und bearbeitet – so das alles verschwindet was (aus Sicht der Regierung) gegen den Islam verstößt. Es existiert sogar eine Internetpolizei namens Fata die Verstöße meldet und sogar zu Verhaftungen sorgen kann.

Diese Art von Zensur im Iran ist für das Volk alltäglich und das bereits seit vielen Jahrzehnten. Aus Angst vor Bestrafung, Verhaftung oder Schlimmeren, wirken Streamingdienste oder Verkäufer dieser entgegen: durch das Retuschieren von Anstößigem – wie Schimpfwörter und Frauen. Einen Höhepunkt hat diese Einschränkung der Presse und Meinungsfreiheit nun mit Melovaz erreicht. Aber warum sind nicht nur die weibliche Sexualität ein Dorn im Auge der konservativen Regierung sondern bereits allein schon die Tatsache nicht männlich zu sein?

Die Bilder sprechen für sich. Die Frauen werden nicht nur “angezogen” wie beispielsweise in Dubai, ihnen wird ihre ganze Existenz genommen. Frauen dürfen im Iran nicht vor Publikum singen ihnen wird keine Bühne gegeben. Der Koran wird dort so ausgelegt, dass Frauen unter den Männern stehen und keine eigene Meinung haben dürfen – vom Songsschreiben und damit selbst Geld verdienen ganz zu schweigen. Sexuelle Freiheit gibt es nicht. Die Internetfreiheit wird nach und nach eingeschränkt. Unter dem Namen “Halal”-Net werden Regeln und Nutzungsrecht zunehmend verschärft.

Das heißt: Der Fall Melovaz ist nur ein bildhaftes Paradebeispiel von sexueller Unmüdigmachung. Eine Momentafnahme. Und wir müssen leider davon ausgehen das sich die Lage im Iran nicht so schnell verbessern und dies kein erscheckender Einzelfall sein und bleiben wird. Dennoch sehen es viele amerikanische Künstlerinnen locker: Ihre Gesichter sind vielleicht versteckt aber ihre Musik ist noch da und besteht!
Naja… noch…