Mit Necropalace vollziehen Wurm nicht einfach den nächsten Schritt in ihrer Diskografie – sie errichten ein monumentales Bauwerk aus Schatten, Erinnerung und musikalischer Obsession. Vier Jahre nach Foreverglade kehrt die Band aus Florida mit einem Album zurück, das ihren selbstgeprägten Begriff des „nekromantischen schwarzen Doom“ endgültig in Stein meißelt und zugleich mutig erweitert.
Schon der kurze Opener „Gates to the Shadowzone“ wirkt wie das Öffnen eines verrosteten Portals: schleppend, düster, atmosphärisch dicht. Er bereitet den Weg für den eigentlichen Kern des Albums – den Titeltrack „Necropalace“, der mit über zehn Minuten Spielzeit exemplarisch für Worms aktuelles Schaffen steht. Hier verschmelzen schwerer Doom, majestätischer Black Metal und eine fast schon barocke Dramaturgie. Phantom Slaughters Vocals sind zugleich geisterhaft und autoritär, während Gitarrist Wroth Septentrion ein Riff-Labyrinth erschafft, das sich bei jedem Hördurchgang neu entfaltet.
Im weiteren Verlauf zeigt sich die enorme stilistische Bandbreite des Albums. „Halls of Weeping“ und „The Night Has Fangs“ verknüpfen klagende Melodien mit aggressiven Ausbrüchen, wobei besonders die subtilen Tempo- und Stimmungswechsel überzeugen. „Dragon Dreams“ bildet mit seiner epischen Länge einen weiteren Höhepunkt: Hier offenbart sich die emotionale Tiefe der Band, irgendwo zwischen melancholischer Erhabenheit und beinahe träumerischer Grausamkeit.
Mit „Blackheart“ schlägt das Album eine direktere, beinahe hymnische Schneise durch den Nebel, bevor das abschließende Mammutwerk „Witchmoon – The Infernal Masquerade“ endgültig alle Tore sprengt. Die Beteiligung von Marty Friedman ist dabei weit mehr als ein prominentes Feature: Seine melodisch-expressive Lead-Arbeit fügt sich organisch in Worms finstere Welt ein und verleiht dem Stück eine unerwartete, fast tragische Virtuosität – ein faszinierender Brückenschlag zwischen 80er-Shred und moderner Extreme-Metal-Ästhetik.
Thematisch wie klanglich lebt Necropalace in einer eigenen Dimension: Samt, Gold, Staub und Verfall; körperliche Wunden, die heilen, und seelische Narben, die bleiben. Die Produktion ist üppig, aber niemals überladen – jeder Ton scheint bewusst platziert, jede Pause spricht Bände.
Fazit:
Necropalace ist kein Album für den schnellen Konsum. Es fordert Zeit, Aufmerksamkeit und Hingabe. Doch wer bereit ist, sich in dieses finstere Schloss aus Klang und Gefühl zu verlieren, wird reich belohnt. Worm gelingt hier etwas Seltenes: Sie ehren die Vergangenheit des Extreme Metal, ohne nostalgisch zu wirken, und schreiten – wie sie selbst beweisen – rückwärts in die Zukunft. Ein triumphales, zeitloses Werk.
Veröffentlichung: Freitag, 13. Februar 2026





