Mit Gained / Lost liefern The Wave Pictures genau das Album ab, das man sich von einer Band wünscht, die seit fast drei Jahrzehnten unbeirrbar ihren eigenen Weg geht. Erscheinen wird die Platte am 27. Februar bei Bella Union – und sie klingt wie eine selbstbewusste Standortbestimmung zwischen Rückschau und Gegenwart.
Musikalisch schöpfen The Wave Pictures erneut aus ihrem vertrauten, aber nie abgestandenen Fundus: 60s-Garagerock, der ungeschliffen nachhallt, die Wärme und Weite des 70s-Classic-Rock und die lakonische Direktheit des 90s-American-Indie. All das wird zusammengehalten vom DIY-Geist, der die Band seit jeher prägt. Das Zusammenspiel von David Tattersall, Franic Rozycki und Jonny Helm wirkt dabei so mühelos, als hätten sie die Songs eher entdeckt als geschrieben. Nichts drängt sich auf, nichts wirkt überladen – die Freude am gemeinsamen Musizieren ist der eigentliche Motor dieser Platte.
DIY-Geist
Tattersalls Gitarrenspiel bleibt ein zentrales Highlight: virtuos, aber nie eitel, melodisch, ohne gefällig zu sein. Songs wie „Alice“, „Sure & Steady“ oder „Sparklers“ zeigen die Band in bestechender Form – kompakt, direkt und mit Hooks, die sich leise, aber nachhaltig festsetzen. Mit längeren Stücken wie dem Titeltrack „Gained Lost“ oder „Orange Fire“ erlauben sich The Wave Pictures hingegen Raum zum Atmen, zum Kreisen, zum Nachdenken. Gerade hier entfaltet sich die besondere Stärke der Band: Geduld als Stilmittel.
Textlich gleicht Gained / Lost einem Album voller flüchtiger Erinnerungen. Tattersalls Lyrics wirken wie Postkarten aus einem inneren Archiv, in dem Kindheit, Erwachsensein und distanzierte Selbstbeobachtung nebeneinander existieren. Er beschreibt das Alltägliche mit einer leisen Verschiebung ins Poetische – unaufdringlich, fast beiläufig, und gerade deshalb so wirkungsvoll. Die Texte liegen nicht über den Songs, sie sind Teil von ihnen, eingebettet in Gitarren, Bass und Schlagzeug, die nie dominieren wollen.
Das von Tattersall gestaltete Cover unterstreicht diesen Ansatz visuell: eine bewusste Hommage an Robert Franks ikonisches Exile On Main Street-Artwork. Kindheitsfotos, aktuelle Bandbilder, Fragmente aus Popkultur, Fußball und Horrorfilmästhetik verschmelzen zu einem visuellen Mosaik – genau wie die Musik selbst. Alles gehört zusammen, nichts steht isoliert.
Gained / Lost ist kein Album, das laut um Aufmerksamkeit buhlt. Es wächst mit jedem Hören, entfaltet seine Tiefe langsam und nachhaltig. The Wave Pictures beweisen einmal mehr, warum sie zu den beständigsten und zugleich unterschätztesten Kultbands Großbritanniens zählen. Ein warmes, reflektiertes und erstaunlich zeitloses Album – gewonnen durch Erfahrung, vielleicht verloren an den schnellen Zeitgeist, aber genau darin liegt seine Stärke.




