Mit ihrem selbstbetitelten dritten Studioalbum melden sich The Overjoyed lautstark zurück – und liefern dabei weit mehr als nur eine weitere Punkrock-Platte ab. Overjoyed ist ein kompromissloses, persönliches und stellenweise schonungslos ehrliches Statement, das den DIY-Geist der Athener Band nicht nur zitiert, sondern lebt.
Seit Jahren erspielen sich The Overjoyed mit unermüdlichem Touren durch Europa und schweißtreibenden Liveshows einen festen Platz in der Szene. Dieses Album klingt nun wie die Essenz all dieser Erfahrungen: roh, intensiv und emotional aufgeladen – ohne dabei die melodische Ader zu verlieren, die die Band schon immer ausgezeichnet hat.
Bereits der Opener „Can’t Write Music“ (4:50) setzt den Ton. Mit brutaler Ehrlichkeit thematisiert der Song kreative Blockaden, Selbstzweifel und den inneren Druck, Erwartungen gerecht werden zu müssen. Musikalisch pendelt er zwischen druckvollen Riffs und hymnischen Refrains – ein Auftakt, der sofort klarmacht: Hier wird nichts beschönigt.
„Spark“ (6:07) lässt anschließend den trotzigen Geist aufleben, für den The Overjoyed bekannt sind. Der Song wirkt wie ein kämpferisches Aufbäumen gegen Resignation – treibend, melodisch und mit einem Refrain, der live für kollektive Fäuste in der Luft sorgen dürfte.
Mit „Don’t Listen!“ (3:33) folgt ein vergleichsweise kompakter, direkter Punkrock-Track – schnell, bissig, fast schon klassisch im Aufbau, aber mit einer Dringlichkeit, die ihn klar ins Hier und Jetzt verortet.
The Overjoyed
Das emotionale Gewicht des Albums verdichtet sich in „Rotten Love“ (6:24) und „Party Eyes“ (6:50). Hier setzen sich The Overjoyed intensiv mit toxischen Beziehungen, Selbstzerstörung und Sucht auseinander. Die Songs bauen sich langsam auf, nehmen sich Zeit für Atmosphäre und zeigen eine Band, die keine Angst vor epischer Länge oder dynamischen Brüchen hat. Gerade „Party Eyes“ besticht durch seine düstere Stimmung und einen fast schon kathartischen Schluss.
Ein zentrales Highlight ist „JOY VAMPIRE (MASTER)“ (8:10)– der längste Track des Albums. Zwischen hymnischem Refrain und nachdenklichen Passagen entfaltet sich ein Song, der psychische Erschöpfung und emotionale Abhängigkeiten thematisiert. Hier beweisen The Overjoyed, dass moderner Punkrock nicht auf drei Akkorde und zwei Minuten reduziert sein muss.
Mit „Laundromat“ (6:14) und „Already Late“ (7:21) schlagen sie introspektivere Töne an. Identitätsfragen, das Gefühl des Hinterherhinkens im eigenen Leben und der ständige Vergleich mit anderen ziehen sich wie ein roter Faden durch diese Stücke. Musikalisch wechseln sich melodische Gitarrenflächen mit druckvollen Passagen ab – immer mit einem Gespür für Dramaturgie.
Der Abschluss „Final Lap“ (6:06) wirkt schließlich wie eine Zusammenfassung der Reise: ein bittersüßer, aber kraftvoller Schlusspunkt, der Resignation und Hoffnung zugleich transportiert. Kein pathetisches Finale, sondern ein ehrlicher Blick nach vorn – mit allen Narben.
Overjoyed ist kein leicht konsumierbares Punkrock-Album. Die Songs sind ungewöhnlich lang, emotional dicht und thematisch schwer – doch genau darin liegt ihre Stärke. The Overjoyed verbinden melodischen, ehrlichen Punk mit einer Reife, die aus gelebter Erfahrung spricht.
Das Album ist roh, verletzlich und wütend zugleich – ein Werk über persönliche Kämpfe, psychische Gesundheit, Sucht und Identität, das trotz aller Dunkelheit nie hoffnungslos wirkt.




