Träume sind Zuflucht und Fallhöhe zugleich. Sie geben Halt, Sinn, Richtung – und zerbrechen oft genau an den Erwartungen, die man an sie knüpft. MØL widmen sich auf DREAMCRUSH genau diesem Spannungsfeld. Das dritte Studioalbum der Dänen ist keine lineare Erzählung, sondern ein emotionaler Zustand: schwebend, schmerzhaft und von einer stillen Intensität getragen, die lange nachwirkt.
Zwischen Ekstase und Ernüchterung
Schon der Opener „DREAM“ setzt den Ton: weite Gitarrenflächen, ein pulsierendes Fundament und Vocals, die eher wie ein Ruf aus der Ferne wirken als wie ein klassischer Gesang. MØL verzichten erneut auf klare Grenzen zwischen Shoegaze-Verträumtheit und der rohen Dringlichkeit des Black Metal – stattdessen verschmelzen beide Pole zu einem dichten, fast überwältigenden Klangraum.
Mit „små forlis“ (kleine Schiffbrüche) folgt einer der intimsten Momente des Albums. Der Song wirkt verletzlich und resigniert, ohne je schwach zu sein – ein wiederkehrendes Motiv auf DREAMCRUSH. „Young“ und „Hud“ greifen dieses Gefühl auf und erweitern es um eine körperliche, beinahe greifbare Emotionalität. Besonders „Hud“ lebt von seinem langsamen Aufbau und der schmerzhaften Offenheit, die sich in jeder Melodielinie widerspiegelt.
Strukturierte Weite, kontrollierte Wucht
Im Mittelteil des Albums zeigen MØL ihre ganze Reife. „Garland“ und „Favour“ verbinden hymnische Leads mit kontrollierten Ausbrüchen, während „A Former Blueprint“ wie eine Rückschau auf gescheiterte Entwürfe des eigenen Lebens wirkt – melancholisch, aber nicht hoffnungslos. Das kurze Interlude „∞“ fungiert als Schwebezustand, als Atemholen vor dem zweiten emotionalen Höhepunkt.
„Dissonance“ und „Mimic“ zählen zu den härteren Stücken des Albums, ohne ihre melodische Tiefe zu verlieren. Hier wird die Ambivalenz des Traumbegriffs besonders deutlich: Schönheit und Zerrissenheit existieren nicht nebeneinander, sondern ineinander verschlungen.
Ein kathartisches Finale
Der Abschlusstrack „CRUSH“ ist der emotionale Kern von DREAMCRUSH. Fast sechs Minuten lang entfaltet sich ein Finale, das gleichzeitig zerstörerisch und befreiend wirkt. Die Träume, die zu Beginn noch getragen haben, werden hier nicht sanft verabschiedet – sie werden zerdrückt, um Platz für etwas Ehrlicheres zu schaffen.
Fazit
DREAMCRUSH ist kein leicht zugängliches Album, aber ein zutiefst lohnendes. MØL haben ihre Klangsprache weiter verfeinert und ein Werk geschaffen, das weniger auf unmittelbare Wirkung setzt als auf nachhaltige emotionale Resonanz. Es ist Musik für jene Momente, in denen man zwischen Hoffnung und Ernüchterung schwebt – und genau darin liegt ihre Stärke.





