Vierzig Jahre nach ihrer Gründung veröffentlichen MAYHEM mit Liturgy of Death ein Album, das weniger Rückblick als vielmehr ein finsteres Manifest der Gegenwart ist. Während viele Veteranen ihres Genres auf Nostalgie setzen, bleiben Mayhem das, was sie immer waren: unberechenbar, elitär, abgründig – und musikalisch kompromisslos. Dieses Album ist keine Feier, sondern ein Ritual.
Der Opener „Ephemeral Eternity“ entfaltet sich langsam, fast quälend. Kalte Gitarrenflächen, dissonante Harmonien und ein schleichender Spannungsaufbau ziehen den Hörer unbarmherzig in Mayhems Welt. Attila Csihars Gesang wirkt hier mehr wie eine Beschwörung denn wie klassischer Gesang – sakral, gequält und zutiefst verstörend. „Despair“ knüpft nahtlos an, noch düsterer, mit klaustrophobischem Tempo und einer Atmosphäre, die Hoffnung konsequent verweigert.
Mit „Weep for Nothing“ zeigen Mayhem ihre Stärke in epischer Länge: über sieben Minuten existenzieller Verzweiflung, getragen von hypnotischen Riffs und einem Drumming, das zwischen kontrollierter Raserei und ritueller Monotonie pendelt. Der Song wirkt wie ein nihilistisches Gebet – leer, aber voller Bedeutung.
„Aeon’s End“ ist einer der direkteren Tracks des Albums, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Hier treffen klassische Black-Metal-Elemente auf moderne, beinahe avantgardistische Strukturen. „Funeral of Existence“ und „Realm of Endless Misery“ vertiefen das zentrale Thema der Platte: die Sinnlosigkeit des Seins, vertont in kalten Klanglandschaften, die eher erdrücken als unterhalten wollen.
Eine düstere Messe für jene, die bereit sind, sich ihr auszusetzen
Ein weiteres Highlight ist „Propitious Death“, das mit fast schon meditativer Brutalität arbeitet. Mayhem lassen Raum, Stille und Disharmonie wirken – ein Zeichen der Reife und des Selbstvertrauens einer Band, die niemandem mehr etwas beweisen muss. Der über sieben Minuten lange Abschluss des regulären Albums, „The Sentence of Absolution“, fühlt sich wie ein endgültiges Urteil an: monumental, erbarmungslos und von religiöser Symbolik durchzogen.
Die Bonus-Tracks „Life Is a Corpse You Drag“ und „Sancta Mendacia“ fügen sich nahtlos ein. Ersterer ist roh und direkt, fast punkig in seiner Verachtung, während letzterer mit lateinischer Anmutung und zähfließender Atmosphäre den liturgischen Charakter des Albums unterstreicht.
Fazit:
Liturgy of Death ist kein leicht zugängliches Album – und genau das ist seine Stärke. Mayhem liefern 2026 kein Fan-Service-Werk, sondern eine düstere Messe für jene, die bereit sind, sich ihr auszusetzen. Es ist ein Album von erschreckender Konsequenz, das beweist, dass Mayhem auch nach vier Jahrzehnten noch immer definieren, wo die Grenzen des extremen Metal verlaufen. Kein Überleben, sondern Dominanz.
Das Album erscheint am 06.Februar.2026





