Review: Lost Society – Hell Is A State Of Mind

unnamed
Fotocredit
Album Cover
9.2
Thrash-Wunderkinder

Mit Hell Is A State Of Mind schlagen Lost Society ein weiteres Kapitel ihrer stilistischen Evolution auf. Was einst als kompromissloser Thrash begann, ist längst zu einem modernen, düsteren Metal-Hybrid geworden – und genau hier setzt das neue Werk an: wuchtig, melodisch, introspektiv und stellenweise erschreckend ehrlich.

Frontmann Samy Elbanna (oft fälschlich als „Sam Jamsen“ geführt) präsentiert sich stimmlich vielseitiger denn je. Zwischen aggressiven Shouts, eingängigen Clean-Vocals und beinahe verletzlichen Momenten verleiht er dem Album eine emotionale Tiefe, die über reine Härte hinausgeht.

„Afterlife“ eröffnet das Album mit druckvollen Riffs und einem Refrain, der sofort hängen bleibt. Der Song wirkt wie ein Manifest: moderner Metal mit klarer Hook-Orientierung, ohne die Schärfe zu verlieren.

„Blood Diamond“ und „Synthetic“ treiben das Tempo an. Hier verschmelzen Industrial-Vibes mit groovenden Gitarren – eine klangliche Weiterentwicklung, die an aktuelle US-Metal-Produktionen erinnert, aber den nordischen Charakter bewahrt.

Mit „Is This What You Wanted“ und besonders „L’appel Du Vide“ zeigt die Band ihre melancholische Seite. Letzterer baut sich atmosphärisch auf, bevor er in einem schweren, fast kathartischen Finale explodiert.

Das Herzstück des Albums dürfte „Kill The Light“ sein: fast fünf Minuten dramatischer Spannungsaufbau, massive Gitarrenwände und ein Refrain, der live enormes Potenzial entfalten dürfte.

Thrash-Wunderkinder

„No Longer Human“ und „Dead People Scare Me (But The Living Make Me Sick)“ verbinden Zynismus mit Ohrwurm-Qualitäten – bissige Texte treffen auf eingängige Strukturen.

Mit „Personal Judas“ liefert die Band einen emotional aufgeladenen Track über Verrat und Selbstzweifel, bevor der Titeltrack „Hell Is A State Of Mind“ das Album mit einer düsteren, fast hymnischen Note abschließt. Hier kulmiieren die Themen des Albums: innere Dämonen, mentale Abgründe und die Frage, ob die Hölle ein Ort – oder ein Zustand – ist.

Die Produktion ist klar, druckvoll und zeitgemäß. Die Gitarren klingen massiv, ohne steril zu wirken, das Schlagzeug hat Punch, und der Bass ist spürbar präsent. Insgesamt bewegt sich das Album stärker im modernen Metal- und Metalcore-Bereich als im klassischen Thrash – eine Entwicklung, die Fans der jüngeren Phase der Band begrüßen dürften, während Puristen sich vielleicht die rohe Frühzeit zurückwünschen.

Unser Fazit


Sound
9.5
Inhalt
9
Kreativität
9
Artwork
9.5
Wiederhörwert
9