Review: Lost In Hollywood – Lost In Hollywood

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Album Cover
8.6
Zwischen Wut und Verletzlichkeit

Mit ihrem selbstbetitelten Album liefern Lost In Hollywood einen Soundtrack für schlaflose Nächte zwischen Neonlichtern und inneren Abgründen. Verwurzelt in der modernen deutschen Metalcore- und Alternative-Rock-Szene, verbindet die Band rohe Härte mit cineastischer Atmosphäre und einer Emotionalität, die sich nicht hinter Metaphern versteckt. Das Ergebnis ist ein intensives, dichtes Werk, das sich gleichermaßen nach Katharsis wie nach Kontrollverlust anfühlt.

Zwischen Wut und Verletzlichkeit

Der Opener „I Should Have Known Better“  setzt direkt ein klares Statement: treibende Riffs, druckvolle Drums und ein Refrain, der sich sofort ins Gedächtnis brennt. Hier wird deutlich, dass Lost In Hollywood keine halben Sachen machen – sie kombinieren moderne Metalcore-Breakdowns mit eingängigen Hooklines, ohne dabei an Authentizität zu verlieren.

Mit „Pretty Skin“ und „Pieces“ wird die emotionale Fallhöhe weiter ausgebaut. Während „Pretty Skin“ mit Kontrasten zwischen aggressiven Strophen und melodischem Chorus spielt, zeigt „Pieces“ eine verletzlichere Seite. Die Texte kreisen um Selbstzweifel, zerbrochene Beziehungen und die Suche nach Identität – Themen, die im Genre nicht neu sind, hier jedoch mit spürbarer Ehrlichkeit transportiert werden.

Atmosphärische Tiefe

Songs wie „Like a River“ und „Love Is Dying“ unterstreichen die cineastische Qualität des Albums. Flächige Gitarren, dezente elektronische Elemente und dynamische Spannungsbögen erzeugen Bilder im Kopf. „Ghost In The Water“ sticht besonders hervor: düster, fast schon gespenstisch, mit einem Refrain, der zwischen Hoffnung und Resignation pendelt.

Das kurze Interlude „Father“  wirkt wie ein intimer Moment des Innehaltens – reduziert, persönlich und als emotionaler Übergang perfekt platziert.

Härte trifft Hymne

Mit „Can You Feel The Pain“ liefern Lost In Hollywood einen der kompromisslosesten Tracks des Albums. Hier dominieren wuchtige Breakdowns und eine fast greifbare Dringlichkeit. Im Kontrast dazu steht „The Art of Being Torn Out“, das in knapp zweieinhalb Minuten eine explosive Mischung aus Punk-Energie und Metalcore-Präzision entfaltet.

„Chasing Dreams“ bringt zum Ende hin noch einmal eine hymnische Note ins Spiel: groß angelegte Melodien, ein epischer Refrain und das Gefühl, trotz aller Dunkelheit weiterzugehen. Der Abschlusstrack „The Fire“ wirkt wie ein finales Aufbäumen – ein emotionaler Brand, der das Album mit Nachdruck beschließt.

Lost in Hollywood ist kein Album für nebenbei. Es fordert Aufmerksamkeit, weil es Emotionen nicht glättet, sondern verstärkt. Die Band schafft es, Härte und Verletzlichkeit organisch zu verbinden, ohne ins Klischee abzurutschen. Besonders überzeugend sind die starken Hooks und die stimmige Dramaturgie des Albums.

Wer modernen Metalcore mit atmosphärischer Tiefe und ehrlicher Emotionalität schätzt, sollte sich dieses Release vormerken. Lost In Hollywood liefern mit ihrem selbstbetitelten Werk ein kraftvolles Statement – intensiv, dunkel und zugleich hoffnungsvoll.

Unser Fazit


Sound
9
Inhalt
8.5
Kreativität
8.5
Artwork
8
Wiederhörwert
9