Zehn Jahre Bandgeschichte, hunderte Shows, unzählige Kilometer – und immer noch brennt das Feuer. Mit ihrem neuen Album „Gute Laune“ liefern ENGST zum Jubiläum nicht einfach nur eine weitere Platte ab, sondern ein klares Statement: Diese Band ist gereift, aber längst nicht gezähmt.
Bereits die Vorabsingle „Auf die nächsten zehn“ setzt den Ton. Der Song ist mehr als ein Opener – er ist Manifest und Dankeschön zugleich. Zwischen Stadion-Refrain und ehrlicher Rückschau feiern ENGST ihre eigene Geschichte, ohne sich in Nostalgie zu verlieren. Stattdessen richtet sich der Blick nach vorn. Die Botschaft ist klar: Weitermachen. Zusammenhalten. Laut bleiben.
Zwischen Euphorie und Haltung
„Gute Laune“ ist dabei kein ironischer Titel. ENGST definieren gute Laune neu – nicht als oberflächliche Fröhlichkeit, sondern als Kraft aus Ehrlichkeit. Songs wie „Sag mir warum“ und „Großstadtprolet“ verbinden treibenden Punkrock mit gesellschaftlichem Blick. Es geht um Identität, Widerspruch, Selbstbehauptung – alles verpackt in eingängigen Hooks, die live garantiert eskalieren werden.
Mit „Sandra“ zeigen sich ENGST persönlicher, beinahe verletzlich. Hier blitzt die emotionale Tiefe auf, die die Band schon immer ausgezeichnet hat. Überhaupt ist das Album abwechslungsreich:
„Magen-Darm“ kommt rotzig und direkt, mit Augenzwinkern.
„Roter Teppich“ und „Gott ist tot“ liefern bissige Kritik an Oberflächlichkeit und falschen Heilsversprechen.
„Revolution“ ist der obligatorische Mitgröl-Track – Pathos inklusive.
Doch ENGST wären nicht ENGST, wenn sie nicht auch leise könnten. „Lied über Blumen“ überrascht mit fast poetischer Note, während „Therapie“ und „Zeit zu gehen“ die nachdenklichsten Momente der Platte markieren. Gerade hier zeigt sich die Reife der Band: weniger plakativ, mehr Substanz.
Sound & Entwicklung
Musikalisch bewegen sich ENGST weiterhin souverän zwischen Punkrock, Pop und einer Prise Pathos. Die Produktion wirkt druckvoll, aber klar – jede Hook sitzt, jeder Refrain hat das Zeug zum kollektiven Mitsingen. Frontmann Matthias Engst transportiert Emotion glaubwürdig wie eh und je: mal wütend, mal hoffnungsvoll, mal melancholisch.
Was auffällt: Die Songs wirken strukturierter, teilweise hymnischer als früher. Das steht der Band gut. Statt jugendlicher Unruhe dominiert heute ein selbstbewusstes „Wir wissen, wer wir sind“.
Fazit
„Gute Laune“ ist kein oberflächliches Feelgood-Album, sondern eine Platte über Zusammenhalt, Durchhaltevermögen und den Mut, Haltung zu zeigen. ENGST feiern ihr zehnjähriges Bestehen nicht mit einem Rückblick, sondern mit einem kraftvollen Aufbruch.
Ein Album für alte Weggefährten – und für alle, die ehrlichen, deutschsprachigen Punkrock mit Herz und Haltung suchen.





