Review: Converge – Love Is Not Enough

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Album Cover
8.2
Wut, Reife und kontrolliertes Chaos

Neun Jahre sind eine lange Zeit – selbst für eine Band wie Converge, die nie Stillstand kannte, sondern sich stets im Grenzbereich zwischen totaler Katharsis und künstlerischer Erneuerung bewegte. Nach The Dusk In Us (2017) und dem grandiosen, düsteren Intermezzo Bloodmoon: I mit Chelsea Wolfe melden sich Jake Bannon, Kurt Ballou, Nate Newton und Ben Koller nun mit ihrem elften Studioalbum zurück. Love Is Not Enough ist dabei keine versöhnliche Rückkehr – sondern eine schonungslose Bestandsaufnahme.

Wut, Reife und kontrolliertes Chaos

Schon der Titeltrack „Love Is Not Enough“ macht unmissverständlich klar: Converge sind älter geworden, aber keineswegs zahmer. Statt blindem Furor dominiert hier eine fokussierte, beinahe verbitterte Wut. Bannons Texte kreisen um emotionale Erschöpfung, moralische Leere und das Scheitern einfacher Antworten – Liebe allein reicht nicht, um Brüche zu heilen, Systeme zu reparieren oder innere Dämonen zu besiegen.

Musikalisch knüpft das Album an die harsche Direktheit früher Klassiker an, wirkt dabei jedoch strukturierter und bewusster in seiner Brutalität. „Bad Faith“ und „Distract and Divide“ gehören zu den aggressivsten Momenten der Platte: rasend schnelle Riffs, Kollers maschinengleiche Drums und Bannons verzweifeltes Gebrüll verschmelzen zu einer wütenden Abrechnung mit Manipulation und gesellschaftlicher Spaltung.

Atmosphäre statt Dauerbeschuss

Doch Love Is Not Enough lebt nicht nur von Eskalation. Songs wie „To Feel Something“ oder „Gilded Cage“ zeigen eine Band, die gelernt hat, Spannung auch durch Zurückhaltung zu erzeugen. Dissonante Gitarrenflächen, schleppende Tempi und ein fast klaustrophobisches Sounddesign sorgen für eine bedrückende Stimmung, die lange nachhallt. Besonders „Force Meets Presence“ wirkt wie ein bewusst gesetzter Ruhepol – schwer, düster, beinahe meditativ.

Ein Highlight ist das mysteriös betitelte „Amon Amok“, das mit unvorhersehbaren Rhythmuswechseln und chaotischer Struktur an die experimentelleren Phasen der Band erinnert, ohne sich in Selbstzweck zu verlieren.

Produktion und Sound

Die Produktion (natürlich erneut unter maßgeblicher Beteiligung von Kurt Ballou) ist roh, aber klar – jedes Instrument hat Raum, ohne den Gesamtklang zu entschärfen. Die 1644-WAV(CD)-Version von „Gilded Cage“ sticht durch ihre besondere Transparenz hervor und unterstreicht den audiophilen Anspruch der Band, selbst im extremen Bereich.

Fazit

Love Is Not Enough ist kein Album für den schnellen Kick und kein nostalgischer Rückblick. Es ist eine reife, kompromisslose Converge-Platte, die sich ihrer eigenen Geschichte bewusst ist, ohne sich von ihr fesseln zu lassen. Die Band klingt wütender denn je – aber auch reflektierter, kontrollierter und emotional tiefer.

Converge beweisen 2026 eindrucksvoll, dass sie nicht nur Pioniere eines Genres sind, sondern weiterhin dessen Maßstab.

Veröffentlichung: Freitag, 13. Februar 2026

Unser Fazit


Sound
8.5
Inhalt
8
Kreativität
8.5
Artwork
7
Wiederhörwert
9