Der Februar meinte es nicht gut an diesem Abend. Die Kälte kroch durch jede Schicht Kleidung, Hände taub vom Warten. Vor dem Carlswerk-Victoria standen Fans nah beieinander, alle aus dem selben Grund.
Um 19:00 Uhr endlich Einlass. Türen auf, rein in die Wärme, rein in dieses Gefühl, das man nur von Konzerten kennt. das Gefühl, dass sich wie ein gewohntes Umfeld anfühlt. Drinnen war die Kälte plötzlich egal. Jacken flogen über Schultern, Gespräche wurden lauter, Vorfreude lag schwer in der Luft. Es fühlte sich an, als hätte man draußen alles abgestellt, was belastet und drinnen Platz gemacht für genau diesen Abend.
Millichamp
Den Anfang machte Millichamp. Und schon mit den ersten Tönen war klar: Das hier ist kein zufällig gewählter Support. Milli gehört zur Geschichte von Only The Poets. Viele im Raum hatten ihn schon gesehen, als alles noch kleiner war, als Only the Poets noch kleiner war. Ohne ausverkaufte Shows, ohne geupgradete Venues. Fünf Songs lang trug er diese Wärme durch den Raum, mit einer Selbstverständlichkeit, die berührte.
Ein ganz besonderer Moment „Cologne“ gesungen in Köln. Ein Song, der plötzlich mehr war als Musik. Es war ein Moment den jeder fest im Herzen hält. Und spätestens beim Cover, „Falling“ von Harry Styles war die Stimmung nicht mehr aufzuhalten. Stimmen erhoben sich, Augen schlossen sich, man merkte: hier singt niemand alleine. Alles wurde lauter, ehrlicher, vertrauter.
Isaac Anderson
Dann Isaac Anderson. Auch er ist nicht unbekannt, sondern ein vertrautes Gesicht aus früheren Zeiten. Sein und Millichamp’s Auftritt fühlte sich an wie ein Rückblick. Einer der zeigt, wie weit alle gekommen sind. Isaac nahm sich Zeit, sprach mit dem Publikum, lachte. Und dann dieser Moment, der den Raum komplett veränderte: Er bat alle, sich zu den Freund:innen umzudrehen, mit denen sie da waren. Sie zu umarmen. Und tatsächlich- überall Arme umeinander, Köpfe an Schultern, Fremde wurden kurz zu etwas Vertrautem. Ein Innehalten.
Als er später „August“ von Taylor Swift coverte denselben Song, den er schon vor Jahren als Support gespielt hatte, schloss sich ein Kreis. Vergangenheit und Gegenwart verschmolzen. Man war gleichzeitig im damals und genau hier.
Und dann wurde das Licht dunkler, um 21:00 war es so weit. Ein Kribbeln ging durch die Menge.
Only The Poets betrat die Bühne und ab diesem Moment war der Raum nicht mehr derselbe.
Man sah es ihnen an, von der ersten Sekunde. Dieses Lächeln ging ihnen nicht mehr aus dem Gesicht. Kein aufgesetztes Bühnenlächeln, sondern dieses echte, unkontrollierbare Grinsen von Menschen, die gerade realisieren, was hier passiert. Blicke ins Publikum, ungläubiges Kopfschütteln, Lachen. Als könnten sie selbst kaum fassen, dass all das gerade ihnen gehört.
Sie spielten ihr erstes Album, komplett, in der richtigen Reihenfolge. Kein Abkürzen, kein Überspringen. Jeder Song bekam seinen Moment. Es fühlte sich an, als würde man gemeinsam durch ein Tagebuch blättern – Seite für Seite, ehrlich und nah. Die Songs füllten den Raum, aber vor allem füllten sie die Menschen darin. Sorgen verschwanden, Gedanken wurden leiser. Für diese Zeit existierte nichts anderes.
Danach sangen die Jungs ältere Songs. Erinnerungen. Ausraster. Nähe.
Bei „Every Song I’ve Ever Wrote“ setzte sich eine riesige Polonaise in Bewegung, quer durch die Venue, lachend, stolpernd, vollkommen losgelöst. Niemand blieb stehen. Niemand wollte nur zuschauen.
„Gone By Now“ wurde nicht gesungen, sondern herausgeschrien. Besonders die Bridge ein Moment, in dem Band und Publikum endgültig eins wurden, ein Moment der auch an vergangene Touren erinnerte. Stimmen überschlugen sich, Arme gingen hoch, man spürte dieses gemeinsame Gefühl.
Und dann „Emotional“. Der Song, der alles noch einmal bündelte. Springende Fans, ein großes Moshpit, wild, aber voller Rücksicht. Menschen passten aufeinander auf, halfen sich hoch, lachten sich an. Genau das, was diese Band ausmacht. Genau das, was ihre Fans ausmacht.
Tommy, der Leadsänger, stand immer wieder am Bühnenrand, schaute ins Publikum und an seinen Blicken konnte man den unglaublichen Stolz sehen. Das Konzert hat einen immer wieder an den Satz errinert, den wirklich jeder kennt kennt. Denn Tommy sagt immer:
„This isn’t band and fans. This is fucking family.“
Und es ist kein Spruch. Es war eine Tatsache.
Only The Poets sind vielleicht größer geworden. Sie sind gerade in den deutschen und UK-Charts und in weiteren Ländern in den Charts. Ihr erstes Album schlägt Wellen, sie geben Signings, spielen ausverkaufte Shows. Und trotzdem oder vielleicht genau deshalb, fühlen sie sich immer noch an wie unsere kleine Band.
Eine, die man wachsen sehen hat. Eine, die einen nie losgelassen hat. Und eine, die man selbst nie loslassen wird.
Als man später wieder nach draußen trat, war es immer noch kalt. Aber irgendetwas fehlte und zwar die Schwere.
Man ging mit dieser Wärme nach Hause, mit diesem leisen Lächeln, das man nicht kontrollieren kann. Mit dem Gefühl, Teil von etwas gewesen zu sein, das man nicht erklären muss, weil man es gespürt hat.
Ein Abend, der gezeigt hat- Manche Konzerte hört man nicht nur. Man trägt sie weiter.

































































