Midnight til Morning in der Live Music Hall

Screenshot_20260124-194307
Fotocredits
Mary Thelen

Der 22. Januar war einer dieser Tage, an denen der Winter Köln fest im Griff hatte. Ein kalter Januartag, grau und still, an dem man lieber Zuhause bleiben möchte und doch war etwas in der Luft. Für knapp 1500 Leute hieß es, Outfits raussuchen, planen, Musik hören. Denn die 32. Show von Midnight til Morning, ihre vierte Europa-Show stand an, und schon Stunden vor Konzertbeginn war klar: Dieser Abend würde etwas Besonderes werden.

Ab 19 Uhr stieg die Freude, die Türen wurden das letzte Mal für den normalen Einlass geöffnet. Vor der Live Music Hall standen die Fans mit dicken Jacken, kalten Händen, beschlagene Atemzüge – aber niemand beschwerte sich. Denn schon draußen konnte man vorher das Acoustic-Set der VIPs hören. Musik, die durch die Wände drang, Stimmen, die Hoffnung trugen. Mit jeder Minute wuchs die Schlange, die Gespräche wurden lebendiger, das Lächeln breiter. Man spürte diese unausgesprochene Gemeinsamkeit: Gleich sehen wir sie. Eine Band, die wir von Anfang an supporten. Eine Band, die gerade erst anfängt und sich trotzdem schon wie Zuhause anfühlt. Drinnen füllte sich der Raum immer mehr. Erwartungsvolle Gesichter, flackernde Lichter, dieses nervöse Kribbeln kurz vor dem ersten Ton.

Aleksiah

Der Support-Act Aleksiah betrat die Bühne in einem glitzernden Outfit, welches das Licht einfing und zurückwarf. Sie brachte sofort Energie in den Raum, nahm die Crowd mit und sorgte mit einem Olivia Rodrigo Cover für viele laute Momente. Die Stimmung war bereits aufgeladen, warm, lebendig.

Kurz bevor Midnight til Morning die Bühne betraten, lief „Don’t Stop Believin’“. Die letzten Minuten auf der Uhr. Die gesamte Halle sang mit, Fremde wurden zu Verbündeten, Stimmen vereinten sich. Der Countdown tickte, jeder wusste: Jetzt gleich passiert es.

Midnight til Morning

Die Setlist umfasste 17 Songs – 17 Momente, die sich eingebrannt haben. Jeder einzelne fühlte sich wichtig an, bewusst platziert, wie Kapitel einer Geschichte. Es war ein Abend, den niemand vergessen wird. Einer dieser Abende, von denen man später sagt: Ich war da.

Die Lichter gingen aus. Dann betraten sie die Bühne. Zach,Conor,Mason und Shane, vier Jungs die ihren Traum verwirklichen.

Und mit „Ghosts of You“ begann alles. Ab dem ersten Ton war klar: Das hier war nicht einfach ein Konzert. Es war ein Gefühl. Man konnte jede Emotion greifen, jede Geste, jeden Blick. Die Jungs standen dort – vier aus „Building the Band“, Viertplatzierte der Show und doch fühlte es sich an, als hätten sie längst gewonnen.

Es war ihre erste eigene Tour und trotzdem spielten sie ausverkaufte Shows, in geupgradeten Venues, mit zusätzlichen Nächten, weil die Nachfrage so groß war. Und Köln? Köln war schnell ausverkauft. Sodass sie im Mai zurück kommen. Noch eine Show. Wieder hier in der Stadt.

Die Vorfreude darauf lag an diesem Abend schon greifbar in der Luft. Die Setlist war ein perfekter Mix aus ruhigen Momenten und explosiver Energie.

Bei „Math“ wurde die gesamte Crowd eingebunden, Hände gingen hoch, Lyrics wurden gemeinsam heruntergezählt. Jeder war Teil davon. Niemand stand still.

Bei „Welcome to LA“ dann der Gänsehautmoment: Ein Fanprojekt, Herzen in der Luft, und groß stand dort COLOGNE drauf. Ein Danke, von Fans an die Band, und von der Band zurück an die Fans.

Gerade in den ruhigen Momenten, wenn die Musik leiser wurde und man fast nur noch Atmen hörte, passierte etwas Wunderschönes. Immer wieder riefen Stimmen aus der Crowd laut und ehrlich „We love you!“. Nicht einmal, nicht zweimal sondern immer wieder, aus verschiedenen Ecken des Raumes. Und man sah sofort, was das mit ihnen machte. Die Blicke, das Lächeln, dieses kurze innehalten. Diese echten Reaktionen. Man konnte sehen, wie sehr sie sich darüber freuten, wie viel ihnen diese Worte bedeuteten. Denn sie waren alle noch junge Männer, die ihren Traum für Musik nie aufgegeben haben und hart dafür gearbeitet haben, wo sie jetzt stehen. Von kleinen Pubs als Solokünstler zu einer Band. Mittlerweile sind sie nicht mehr nur die eine Band aus der Show sondern „DIE“ Band. Die Band die hart für ihre Träume gearbeitet hat.

Sie nahmen jeden Ruf auf, jeden Applaus, jede Geste. Man spürte, dass kein Support selbstverständlich für sie war. Dass sie jeden einzelnen Menschen in diesem Raum wahrgenommen haben. Immer wieder sagten sie, wie dankbar sie seien, wie unglaublich es sich anfühle, so viele Leute vor sich stehen zu sehen, mitzuerleben, dass ihre Musik ankommt, dass Menschen kommen, für sie.

Dann wurde es stiller. Emotionaler. Sie sprachen über Liam Payne. Nicht als große Bühnenrede, sondern ehrlich. Persönlich. Liam war ihr Coach bei „Building the Band“. Jemand, der sie begleitet, gefördert, an sie geglaubt hatte. Und jemand, der fehlte. Man hörte es in ihren Stimmen. Sah es in ihren Blicken. Sie erzählten von Dankbarkeit, von dem, was bleibt, wenn jemand nicht mehr da ist. Als Tribute coverten sie „Midnights“. Die Halle hielt den Atem an. Viele weinten. Nicht laut, sondern gemeinsam. Weil jeder in diesem Raum verstand, was dieser Verlust bedeutet. Viele trauerten ihrem Idol hinterher aber auch denen die keine Verbindung zu Liam hatten, kam es sehr nah.

Sie fragten, was wir hören wollten. Viele riefen One Direction. Doch mit einem Lächeln kam die Antwort: “We already chose it. We were singing something from Coldplay.” „Yellow“ erfüllte den Raum und die Stimmung wuchs weiter, Song für Song, Herzschlag für Herzschlag. Obwohl es draußen eisig war, wurde es drinnen immer wärmer, ums Herz.

Man konnte alles vergessen: den Alltag, Sorgen, alles, was schwer war. Man konnte springen, tanzen, mitsingen, weinen. Menschen, die man vorher nie gesehen hatte, fühlten sich plötzlich vertraut an. Man kannte sich nicht, aber man fühlte gemeinsam.

Auffällig waren auch die vielen roten Kleider im Publikum. Ein liebevolles Ritual. Denn Conor sucht sich bei Shows immer wieder ein Red-Dress-Girl aus, mit der er auf der Bühne tanzt. Kleine Momente, große Bedeutung. Nähe. Aufmerksamkeit. Echtheit.

Hinten im Raum wartete der Merch: signierte CDs, signierte Platten, Poster, Pullover.  Erinnerungen zum Mitnehmen. Doch das, was wirklich blieb, war nicht materiell.

Der letzte Song war einer ihrer ersten Hits.  „Bye“ der perfekte Song für die letzten Momente. Kurz am Ende bevor die letzten Töne verstummten ließ Conor die Crowd singen. Unsere Stimmen trugen den Raum, lauter als jede Anlage. Und dann, setzte er an und sagte: “But Cologne, I just can’t say it.”, ein letzter Gänsehautmoment.

Nach der Show nahmen sich die Jungs Zeit. Wirklich Zeit. Für Fotos, Autogramme, Gespräche und für Geschenke, die mit zittrigen Händen überreicht wurden. Niemand wurde weggeschickt, niemand übersehen. Man spürte: Das hier war keine Pflicht. Das war Dankbarkeit.

Eine neue Band, gegründet in „Building the Band“, am Anfang ihres Weges, und doch schon so nah an den Herzen der Menschen. Und genau das machte diesen Abend so besonders: Dieses Gefühl von Gegenseitigkeit. Fans, die laut ihre Liebe zeigen. Eine Band, die sichtbar berührt ist. Ein Raum voller Emotionen, Vertrauen und Wärme. Ein Abend, der nicht einfach vorbei war, sondern nachgehallt hat, lange nachdem der letzte Ton verklungen war. Ein Abend, der bewiesen hat: Midnight til Morning sind gekommen, um zu bleiben. Und die Fans? Die Fans werden diese Momente niemals vergessen.