Konzertreview: Skillet in München

skillet
Livenation/APA Agency
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217 Millionen Views für einen Song bei Youtube? Kaum jemand würde dabei auf Skillet tippen. Doch ihre Single „Hero“ ist ein Wahnsinnserfolg. Ebenso wie “Feel Invincible”, das in nur drei Jahren auf 161 Millionen Views kommt. In Deutschland werden Skillet bislang allerdings kaum wahrgenommen – wahrscheinlich weil sie als christliche Band gelten, mit denen man sich hierzulande schwer tut. Dabei sind zwei Grammynominerungen eigentlich eine aussagekräftige Empfehlung. Im Verlauf der letzten Jahre haben sie sich ein wenig nach oben gearbeitet, Festivalauftritte bei Rock am Ring inklusive. In München füllen sie an diesem Montagabend  die Tonhalle.

Der Ohrwurm „Feel Invincible“ lässt Großes für den Abend erahnen. Schnell zeigt sich, dass Skillet eine Band der Gegensätze ist: Der Sound wird von drei verschiedenen Stimmen dominiert – neben Leadsänger John Cooper und der Stimme seiner Ehefrau und Bassistin Corey Cooper, überrascht vor allem die Drummerin Jen Ledger mit herausragendem Backgroundgesang. Live erzeugt das ein erstaunlich stimmiges Gesamtbild. Von einem großen Altersunterschied der Mitglieder ist derweil wenig zu bemerken. Während das Ehepaar Cooper Mitte 40 ist und Skillet bereits 1996 gründeten, ist Jen 29 und der smarte Bassist Seth Morrison erst 31 Jahre alt. Beide stießen erst kurz vor dem großen kommerziellen Erfolg zur Band, doch vor allem die Schlagzeugparts von Jen sind von herausragender Power.Mit nach oben gereckter Faust zeigen die Fans Skillet dazu die berühmten Teufelshörner – trotz christlich anmutender Texte (die aber auch allgemein interpretiert werden können).

Skillet sind eine grandiose Liveband. Klingen viele der Songs auf der CD noch oft nach den typischen amerikanischen Musikgenossen à la 3 Doors Down und Hinder (plus Streicher), so stellt die Performance der Band dieses Urteil schnell auf den Kopf. Vor allem der vollbärtige John Cooper motiviert das Publikum, sodass selbst zum Konzert Mitgeschleifte das Headbangen beginnen. Der glasklare Sound in der Tonhalle lässt jeden Geigenton und jede Bassnote hervortreten. Elektronische Spielereien runden die Rocksongs ab. Selbst die langsameren und poppigeren Stücke wirken live viel schneller und mitreißender. Die von Skillet ausgestrahlte Energie geht dementsprechend fix auf das Münchner Publikum über. Besonders bei den härteren Alternative-Songs wie „Monster“ und „Hero“, die fast schon Richtung Nu-Metal tendieren, wird dies deutlich. Auch die ruhigeren Stücke, wie „Anchor“ vom neuen Album „Victorious“, erzeugen eine besondere Atmosphäre, zu der auch die erstaunlich textsicheren und singfreudigen Zuhörer beitragen.

Das hymnische „The Resistance“ beendet als letzte Zugabe einen starken Konzertabend. Man braucht kein großer Prophet sein um vorauszusehen, dass Skillet demnächst größere Hallen füllen dürften.

The Breakdown


Stimmung
9
Location
9
Sound
9
Weiterempfehlung
9