Konzertreview: Leprous in Berlin

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Foto: Melt Booking/Irene Serrano
8.3

Port Noir eröffnen einen nasskalten Novemberabend und treiben die Temperaturen im Berliner Kesselhaus schnell in die Höhe. Die Schweden bieten eine Show, die eines Headliners würdig wäre und setzen die Messlatte für den Abend hoch an. Besonders „13“ bleibt mit seinen an Rage Against The Machine erinnernden Vibes in Erinnerung. Charakteristisch ist auch der aufwändige Bühnenaufbau, angefangen von dem hell strahlenden Port Noir-Schriftzug. Den Bandnamen wird im Kesselhaus niemand so schnell vergessen, das steht fest. Oftmals sind es Kleinigkeiten, an denen sich andere Vorbands ein Beispiel nehmen könnten. Als zweiter Support treten The Ocean auf, auch bekannt als The Ocean Collective. Das Besondere der Post-Metalband: Nicht der Sänger steht im Mittelpunkt, sondern die Band als Ganzes. Während sich die Bandkollegen vorne in der ersten Reihe der Bühne bewegen, ist der Sänger oftmals überhaupt nicht zu sehen. Dauerhaft wabernde Nebelschwaden verstecken ihn, sodass der glasklare Gesang wie aus dem Nichts zu kommen scheint. Selbst die punktuell eingesetzten Scheinwerfer erhellen meist die Bandkollegen. Gut zum kraftvollen Sound der Berliner Band passen die immer wieder unerwartet ausbrechenden Shoutparts, die für wildes Headbangen sorgen.

Dann kommen Leprous unter großem Jubel auf die Bühne und sofort ist das Kesselhaus  im Bann der Norweger. Mit ihrem Prog-Rock und der beeindruckend auf die Musik abgestimmten Lichtshow entführen Leprous sofort in abgehobene Sphären. Sänger Einar Solberg ist in Bestform und testet vor allem bei den neuen Songs seine stimmlichen Grenzen aus. Bei „Below“ kommt der glasklare Gesang von Solberg besonders gut zur Geltung. Erstaunlich, in welche Höhen er es stimmlich schafft und dass er dies auch live auf der Bühne performen kann. Gesprächig zeigen sich Leprous nicht an diesem Abend, doch dafür lassen sie ihre Musik sprechen.

Im Gepäck hat die Band ihr frisch erschienenes Album „Pitfalls“, auf dem Leprous ihren vertrackten Prog-Sound geöffnet haben und damit auf größere Fanmassen abzielen. Das ist auch im gut gefüllten Kesselhaus zu beobachten. „We had to adjust a lil bit for the new album“, betont Solberg und fordert die Berliner auf: „Give it up for guys that have to play new instruments!“ Natürlich steht an diesem Abend „Pitfalls“ im Mittelpunkt, so sind allein sieben Songs der Setlist vom neuen Album. Laut wird es aber vor allem bei den älteren Songs, wie „Salt“, „Slave“ und „The Price“. Ungewöhnlich ist die leproussche Adaption des Massive Attack-Songs „Angel“, die zum Träumen einlädt. Den Spagat zwischen den ruhiger ausfallenden und eingängigeren neuen Songs und dem alten, komplexen Sound, schaffen Leprous mit Leichtigkeit.

Den Höhepunkt des Abends bildet aber der Song „Alleviate“, gleichzeitig auch die aktuelle Single. Das Ohrwurmpotenzials des Hits ist gewaltig. Nicht wenige Konzertbesucher dürften die Hook „Aaaaaall I can doooooo was wait…“ noch Stunden später im Kopf gehabt haben. Hoffentlich fällt die Wartezeit bis zum nächsten Leprous-Konzert nicht allzu lang aus. In dieser Form dürfte die Band im nächsten Festivalsommer so manchen neuen Fan gewinnen können.

 

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The Breakdown


Stimmung
8
Location
9
Songs
8
Weiterempfehlung
8


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