Hallo Flo, vielen dank für deine Zeit für das Interview!
Festivalstalker: Euer Album „Eingenordet“ erscheint am 09.Januar.2026, wie fühlt sich die Zeit bis zum Release an?
Flo: Das Warten auf den Release ist natürlich immer eine besonders spannende Phase. Man sitzt sprichwörtlich auf heißen Kohlen und möchte einfach nur wissen, wie das Album ankommt, wie es den Menschen gefällt und welches Feedback zurückkommt.
Diese Ungewissheit ist kaum auszuhalten – besonders in den letzten Tagen vor der Veröffentlichung.
Festivalstalker: Der Opener „Der Tag mag kommen“ strahlt viel Hoffnung aus. War euch dieser optimistische Einstieg bewusst wichtig?
Flo: Ja, absolut. „Der Tag mag kommen“ trägt bewusst einen optimistischen Grundton, der uns sehr wichtig ist. Wir haben selbst das Gefühl, in einer äußerst turbulenten Zeit zu leben, in der weltweit viel Unsicherheit herrscht. Diese Gesamtlage empfinden auch wir als beunruhigend und problematisch.
Gleichzeitig glauben wir jedoch, dass es im Moment nicht notwendig ist, die Menschen noch stärker mit Hinweisen auf diese Krisen zu konfrontieren. Viel wichtiger erscheint uns, ihnen etwas mitzugeben, das einen positiven Gegenpol bildet: Musik, die Freude vermittelt und für einen Moment dabei hilft, dem Alltag und den Sorgen zu entfliehen.
Unser Anliegen ist es, mit diesem Album einen Kontrast zur aktuellen Weltlage zu schaffen – einen Raum, in dem Leichtigkeit, Zuversicht und ein kurzes Innehalten möglich sind. Mit dem Versengold-Album möchten wir genau dazu beitragen und hoffen, dass dieser Ansatz aufgeht und den Menschen in diesen etwas schwierigen Zeiten ein wenig Freude schenken kann.
Festivalstalker: Mit „Krug voll Mondenschein“ zeigt ihr eine ruhige, fast verletzliche Seite. Wie viel Persönliches steckt in diesem Song?
Flo: Bei unseren Balladen steckt traditionell sehr viel Persönlichkeit. Das gilt grundsätzlich für all unsere Songs, kommt bei den Balladen jedoch noch einmal besonders zum Tragen. Durch ihre ruhige, getragene musikalische Anlage bieten sie Raum für andere Emotionen als unsere Rock- oder Folk-Rock-Stücke, die eher auf Feiern und Tanzen ausgelegt sind.
Balladen geben uns die Möglichkeit, mehr Tiefe zuzulassen und auch eine verletzliche Seite zu zeigen. Diese gehört für uns selbstverständlich dazu – insbesondere bei Malte, der die Texte schreibt und darin sehr persönliche Facetten einbringt.
Genau darin liegt eine unserer großen Stärken: Mit den Balladen können wir diese nachdenkliche, emotionale Seite von Malte und von uns als Band sichtbar machen. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass dieser Song auf dem Album vertreten ist und als Single auch entsprechend in den Vordergrund gerückt wurde.
Festivalstalker: „Klopapier“ fällt schon durch den Titel aus dem Rahmen – wie wichtig ist Humor für euch als Gegengewicht zu ernsteren Themen?
Flo: Ja, „Klopapier“ fällt auf den ersten Blick tatsächlich ein wenig aus dem Rahmen. Gleichzeitig zeigt der Song aber sehr anschaulich, dass wir uns als Band keine Denkverbote auferlegen. Wir probieren grundsätzlich erst einmal alles aus und lassen uns auch auf Ideen ein, die vielleicht ungewöhnlich erscheinen oder bewusst aus der Reihe tanzen.
In diesem Fall ist daraus etwas sehr Humorvolles entstanden, bei dem wir selbst schmunzeln mussten. Ich glaube zudem, dass sich viele Menschen in dem Text wiederfinden können – jeder kennt schließlich solche Situationen oder Personen. Insofern hat der Song durchaus eine gewisse Alltagsrelevanz.
Genau deshalb passt er für uns sehr gut auf das Album, gerade auch wegen seiner humorvollen Herangehensweise. Nicht alles muss immer bierernst behandelt werden – das war ohnehin noch nie die Kernkompetenz von Versengold. Wir haben Themen schon immer mit einem Augenzwinkern und einer Portion Ironie betrachtet.
„Klopapier“ ist dafür ein echtes Paradebeispiel. Letztlich fällt vor allem der Titel etwas aus dem Rahmen, denn musikalisch wie textlich steht der Song ganz klar in der Tradition dessen, wofür Versengold seit jeher steht.
Festivalstalker: Wie kam die Zusammenarbeit mit Madsen bei „Falscher Leuchtturm“ zustande – und was hat das Feature mit dem Song gemacht?
Flo: Die Zusammenarbeit mit Madsen ist tatsächlich über gemeinsame Bekannte entstanden. Auf diesem Weg haben wir uns als Bands langsam kennengelernt und schnell gemerkt, dass vieles sehr gut zusammenpasst. Dazu gehört unter anderem eine ähnliche politische Haltung, was für diesen Song durchaus eine wichtige Rolle spielt, aber auch eine ganz grundsätzliche gemeinsame Haltung und Atmosphäre.
Madsen sind eine sehr bodenständige, familiäre Band – was bei drei Brüdern kaum überrascht. Sie sind frei von Allüren, äußerst sympathisch und nahbar, mit einer nordischen Mentalität, die unserem eigenen Selbstverständnis sehr nahekommt. Insofern hat die Zusammenarbeit genau so funktioniert, wie wir es uns erhofft hatten: Es hat einfach gepasst.
Besonders reizvoll für uns ist zudem, dass wir mit Madsen erstmals ein Feature mit einer Band umgesetzt haben, die musikalisch nicht aus unserem direkten Genre-Umfeld stammt. Dadurch erreichen wir mit diesem Song, der uns sehr am Herzen liegt, auch ein anderes Publikum – und hoffentlich insgesamt noch mehr Menschen.
Festivalstalker: Inwiefern unterscheidet sich dieses Album musikalisch von euren vorherigen Veröffentlichungen?
Flo: Eingenordet ist im Grunde eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was wir bereits auf den vorherigen Alben gemacht haben. Stilistisch sehe ich keinen grundlegenden Bruch zu den vorangegangenen Veröffentlichungen. Allerdings sind wir noch einmal experimentierfreudiger geworden und haben bewusst weitere Einflüsse zugelassen.
Vor allem aber haben wir mit diesem Album den Versengold-Stil so klar definiert, dass er inzwischen einen sehr hohen Wiedererkennungswert besitzt. Genau darin liegt jedes Mal auch eine besondere Herausforderung, denn die Musik, die wir machen, ist in der deutschen Musiklandschaft ziemlich einzigartig und lässt sich nur schwer eindeutig kategorisieren. Es gibt, so glaube ich, keine Band, die genau so klingt wie wir.
Der Weg hin zu diesem ganz eigenen Stil war lang und setzt sich konsequent mit dem aktuellen Album fort. Eingenordet steht damit für noch mehr Versengold in Reinform.
Festivalstalker: Welche Songs von „Eingenordet“ freut ihr euch besonders live zu spielen – und warum?
Flo: Wir sind als Band sehr unterschiedlich, und entsprechend hat jedes Mitglied seinen eigenen Lieblingssong. Auf diese Stücke freut man sich bei den Live-Auftritten natürlich ganz besonders.
Malte zum Beispiel ist ein großer Fan unserer Balladen und wird sich sehr darauf freuen, „Krug voll Mondenschein“ live zu spielen. Ich selbst neige eher zu den rockigeren Nummern. Besonders „Falscher Leuchtturm“, den wir bereits in der vergangenen Saison auf die Bühne gebracht haben, hat mir enorm viel Spaß gemacht. Auch „Der Tag mag kommen“ ist eine großartige Nummer, auf die ich mich sehr freue.
Darüber hinaus bin ich gespannt auf den Titelsong, der stilistisch noch einmal eine andere Richtung einschlägt. Es ist schön, auch groovebetontere Stücke live umzusetzen.
Im Grunde lässt sich das aber einfach zusammenfassen: Wir alle freuen uns darauf, das Album auf die Bühne zu bringen. Bei jedem Song steht mindestens einer von uns dort oben und spielt gerade seinen persönlichen Lieblingssong.
Festivalstalker: Wenn ihr „Eingenordet“ mit drei Worten beschreiben müsstet – welche wären das?
Flo: folkig, erdig und nordisch
Festivalstalker: Was wünscht ihr euch, dass die Hörerinnen und Hörer aus diesem Album für sich mitnehmen?
Flo: Das habe ich bei einer anderen Frage bereits kurz angesprochen. Ich wünsche mir, dass die Hörerinnen und Hörer das Album als Möglichkeit nutzen können, dem Alltag und der aktuellen Welt für einen Moment zu entfliehen und sich eine kleine Insel des Glücks zu schaffen. Ganz gleich, ob auf unseren Konzerten, zu Hause beim Hören oder Streamen oder vielleicht ganz bewusst beim Auflegen einer Vinylplatte – es geht darum, sich Zeit zu nehmen und gemeinsam mit uns auf eine kleine Reise in den Norden zu gehen.
Idealerweise lässt man sich dabei von der Musik abholen und kann ein Stück weit das Gefühl nachempfinden, das wir beim Songwriting erlebt haben, etwa während der Bandcamps an der Nordseeküste. Dieses Mitfühlen und Miterleben ist uns sehr wichtig. Gleichzeitig gibt es auch Momente, die zum Nachdenken anregen dürfen.
Versengold-Konzerte und -Alben sind für uns immer eine emotionale Reise, die Raum für Fröhlichkeit, Nachdenklichkeit und auch Melancholie bietet. Wer sich darauf einlässt, bekommt die Möglichkeit, all diese Facetten zu erleben und für eine Weile ganz darin aufzugehen.
Festivalstalker: Was dürfen Fans von der „Eingenordet“ -Tour erwarten, die euch schon lange begleiten?
Flo: Wir sind eine Band, für die das Live-Touring eine zentrale Rolle spielt. Wer uns schon länger verfolgt, weiß, dass wir auf der Bühne besonders viel Energie entfalten. Für uns hat es oberste Priorität, dass die Menschen unsere Konzerte mit einem breiten Grinsen verlassen und einen Abend erleben, der sie durch die gesamte emotionale Bandbreite führt.
Das war schon immer der Anspruch von Versengold – und das ist es auch weiterhin. Mit dem aktuellen Album sind wir der Meinung, dieses Live-Erlebnis noch einmal auf ein neues Niveau gehoben zu haben. Die Interaktion mit dem Publikum spielt dabei eine große Rolle. Wir wollen die Zeit auf der Bühne bewusst nutzen, um den Fans nahe zu sein und gemeinsam mit ihnen etwas zu erleben.
Man kennt uns als eine Band, die keine Distanz zum Publikum sucht. Auch bei größeren Konzerten legen wir großen Wert darauf, dass eine gewisse Intimität entsteht. Die Qualitäten, für die Versengold steht – Spielfreude, Enthusiasmus und eine ordentliche Portion Vollgas-Attitüde – werden wir auf der kommenden Tour selbstverständlich zu hundert Prozent auf die Bühne bringen.
Festivalstalker: Und was sagt ihr Menschen, die Versengold zum ersten Mal live erleben?
Flo: Menschen, die uns zum ersten Mal live erleben, lassen sich nur schwer darauf vorbereiten, was sie erwartet. Dieses Konzerterlebnis muss man tatsächlich selbst erfahren. Unser Anspruch ist es, diesen ersten Eindruck so intensiv zu gestalten, dass man gerne wiederkommt.
Genau das hat sich in der Vergangenheit immer wieder bestätigt. Dadurch konnten wir im Laufe der Jahre vor zunehmend größerem Publikum spielen. Umso zuversichtlicher sind wir, dass es uns auch diesmal gelingen wird, einen ganz besonderen Abend zu schaffen – einen, der sich mit Worten kaum beschreiben lässt, sondern erlebt werden muss.
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