Im Interview mit Dead Phoenix

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Festivalstalker: Zehn Jahre Dead Phoenix – wenn ihr auf eure Anfänge zurückblickt: Was hätte euch damals niemand über diese Reise geglaubt?

Mervin: Das aus dem Traum im Proberaum eine echte Gemeinschaft wird. Wenn ich heute sehe, dass Leute bandbezogene Tattoos tragen oder unsere Songs Teil ihres Alltags werden, macht mich das demütig. Das ist weit mehr, als wir uns jemals erhofft hatten.

Dennis: Wahrscheinlich, dass wir irgendwann ans andere Ende Deutschlands fahren und dort Menschen vor der Bühne stehen, die nur wegen uns da sind. Eine eigene Headliner-Tour zu spielen, ist für uns kein Business-Schritt, sondern ein riesiges Privileg, das wir niemals als selbstverständlich ansehen.

Festivalstalker: Gab es einen Moment in den letzten zehn Jahren, der für euch alles verändert hat?

Dennis: Es war ein Prozess. Als Markus 2020 zu uns stieß, hat sich unsere Vision geschärft. Wir haben gelernt, fokussierter zu arbeiten – egal ob im Songwriting oder darin, wie wir unsere Community aufbauen. Dieser neue Fokus hat uns als Band erst richtig erwachsen werden lassen.

Mervin: Die Zeit nach der Pandemie war der Wendepunkt. Nach der langen Stagnation haben wir zwei Tourneen komplett selbst organisiert. Zu sehen, dass im Schnitt 150 Leute pro Show mit uns geschwitzt und gesungen haben, hat uns den Glauben zurückgegeben. Da haben wir begriffen: Ohne diese Fans gibt es kein Dead Phoenix.

Festivalstalker: Wie hat sich euer Sound über die Jahre entwickelt – bewusst oder eher organisch?

Dennis: Absolut organisch. Wir setzen uns nicht hin und planen einen neuen Sound am Reißbrett. Die Musik ist immer ein Spiegelbild dessen, was uns privat gerade bewegt und inspiriert. Wir machen das, was sich in dem Moment echt anfühlt.

Festivalstalker: Berlin ist euer Zuhause: Wie hat die Berliner Szene euren Werdegang geprägt?

Mervin: Berlin hat uns vor allem eines gelehrt: Man muss lernen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Jede lokale Szene prägt dich, aber die Gefahr ist groß, in einem Kreislauf aus internem Wettbewerb und festgefahrenen Strukturen stecken zu bleiben, die einen eher bremsen als fördern.

Für uns war der entscheidende Schritt, uns von der Erwartungshaltung lokaler Blasen zu lösen und den Fokus weg vom ‚toxischen Sumpf‘ hin zu den echten Menschen vor der Bühne zu richten. Die wahre Berliner Szene sind für uns nicht die festgefahrenen Insider-Kreise, sondern die Menschen, die unsere Shows besuchen und mit uns gemeinsam eine Gemeinschaft bilden.

Unser Werdegang wurde dadurch geprägt, dass wir uns entschieden haben, Berlin nicht als geschlossenen Raum zu sehen, sondern als Ort, an dem wir eine ehrliche Verbindung zu unseren Fans aufbauen. Für uns zählt die Energie im Pit mehr als die Anerkennung innerhalb einer Szene, die sich oft zu sehr um sich selbst dreht.

Festivalstalker: Die EP trägt denselben Namen wie die Band – warum gerade jetzt dieser selbstbetiteltes Release?

Dennis: Die Idee kam uns ganz spontan im Tourbus. Wir haben gemerkt, dass diese Songs alle Facetten vereinen, für die Dead Phoenix steht. Es ist unser bisher ausgereiftestes Werk und passend zum 10-jährigen Jubiläum fühlte es sich einfach richtig an, die EP so zu nennen wie uns selbst.

Festivalstalker: Gibt es ein übergeordnetes Konzept oder Thema, das sich durch die EP zieht?

Dennis: Diesmal gab es kein starres Konzept. Das hat uns beim Schreiben eine enorme Freiheit gegeben. Wir decken das volle Spektrum ab: Von harten gesellschaftskritischen Ansagen bis hin zu sehr tiefen Einblicken in unsere eigene Gefühlswelt.

Festivalstalker: Gab es musikalische oder inhaltliche Grenzen, die ihr euch bei dieser EP bewusst nicht gesetzt habt?

Mervin: Wir lassen uns da voll auf Stevens Songwriting ein. Mein einziger Wunsch ist meistens, dass die Bass-Parts so bleiben, dass ich sie live mit maximaler Energie rüberbringen kann (lacht).

Dennis: Wir hören privat viel über den Metalcore-Tellerrand hinaus und das lassen wir fließen. Wir versuchen nicht, unseren alten Sound zu kopieren, sondern wollen wachsen. Wenn sich ein Experiment gut anfühlt, dann landet es auch auf der Platte.

Festivalstalker: Was war die größte Herausforderung bei der Arbeit an der EP?

Mervin: Den letzten Song so zu schleifen, dass wirklich jeder von uns unterschreiben konnte: „Ja, das ist es jetzt.“

Dennis: Mein eigener Perfektionismus. Es fällt mir manchmal schwer, loszulassen, weil ich immer das Gefühl habe, es geht noch einen Tick besser. Aber genau in diesem Optimierungsprozess liegt am Ende die Qualität.

Festivalstalker: Gibt es Einflüsse, die man auf dieser EP besonders stark hört?

Dennis: Stilistisch haben wir Nu-Metal-Vibes und elektronische Elemente integriert, was den Sound sehr dynamisch macht. Lyrisch ist die EP für mich eine Art „Update“. Während die letzte Platte sehr düster war, klingen die neuen Texte selbstbewusster und reflektierter. Es ist ein heilender Prozess.

Festivalstalker: Gibt es Zeilen auf der EP, die euch selbst noch lange nach dem Schreiben beschäftigen?

Mervin: In „Hunting Ground“ gibt es eine klare Ansage gegen Intoleranz und Rassismus. Das ist für uns als Band ein Kernwert: Unsere Shows sind ein Safe Space für jeden, egal welcher Herkunft oder Orientierung.

Dennis: Die Zeile „I’m done fighting myself“ aus „This Hell“ bedeutet mir extrem viel. Ich habe lange mit meinen eigenen Dämonen gekämpft und diese Zeile ist mein Versprechen an mich selbst, mich niemals aufzugeben. Es ist die Antwort auf meine dunkelsten Phasen.

Festivalstalker: Gibt es Pläne für eine Jubiläumsshow oder besondere Releases?

Mervin: Absolut! Im März spielen wir Release-Shows in Leipzig und Hannover. Das große Finale ist unsere Jubiläumsshow am 02.05.2026 im Hole44 in Berlin. Mit Rising Insane und vielen Freunden im Line-up wird das ein Abriss, den wir so schnell nicht vergessen werden. Kommt rum!

Festivalstalker: Zum Abschluss: Was wollt ihr nach zehn Jahren nicht mehr sein – und was auf keinen Fall verlieren?

Mervin: Wir wollen nicht mehr die ewigen „Newcomer“ sein, die um jeden Slot kämpfen müssen. Wir arbeiten hart dafür, eine feste Konstante für unsere Hörer zu werden. Was wir aber niemals verlieren wollen, ist die Nähe zum Publikum. Wir wollen keine Band hinter Absperrgittern sein. Dead Phoenix soll ein sicherer Hafen für alle bleiben, die mit Alltagsstress oder psychischen Lasten zu kämpfen haben.

Dennis: Wir möchten weg von der „Kumpel-Band“ hin zu einer echten Connection durch die Musik. Aber egal wie groß es wird: Die Augenhöhe und die ehrliche Kommunikation mit unseren Fans sind uns heilig. Das ist der Kern von Dead Phoenix.