„Green Milk from the Planet Orange“ erobern Europa!

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Ich stehe in der „Neuen Zukunft“ Berlin. Vor mir eine etwa zwei mal zwei Meter knöchelhohe Holzplatte. Darauf stehen zwei Plastikstühle, ein Drumset, ein stechend grüner Bass und eine Blutrote Gitarre. Farblich hat die Band schonmal meinen Geschmack getroffen.

Die „Neue Zukunft“ ist klein und eng. Teile des Publikums stehen andächtig da, vereinzelt unterhalten sich Leute leise. Alle warten. Ich stehe fast auf der Bühne. Über dem Raum liegt eine gespannte Ruhe. Teilweise fühlt sich das Konzert wie ein Sitzkonzert an, zumindest hinten sitzen ältere Semester. Im Hintergrund liegt ein weißes Rauschen in der Luft. Das Ganze hat mehr von einem klassisch orchestralen Trio-Konzert als von einer Rockshow.
Dann kommen sie auf die Bühne. Die drei Japaner: Dead K, Damo und „A“. Die Band setzt sich, begrüßt das Publikum und teilt uns mit, dass Sie total aufgeregt wegen ihren heutigen Tourstart sind und das Sie gespannt sind, was sie in der Zukunft erwartet. Dann greifen Sie zu ihren Instrumenten.

Mit einem verträumten Intro das dann in einem Riff-Gewitter endet definieren „Green Milk from the Planet Orange“ sofort, wie sie Rhythmus verstehen. Sie nehmen bekannte Post-Rock Strukturen, brechen sie auf und formen daraus etwas Neues. Der Sound erinnert stellenweise an die US Band „Battles“, verspielt, unrhytmisch rhytmisch getrieben. In der Songstruktur erinnert vieles an „And So I Watch You From Afar“ rohe direkte Riffs und punchige Drums die für einen fetten Groove sorgen. Und das machen die drei Jungs aus Tokyo verdammt gut!

Dabei streuen sie ständig kleine Hightlights ein: Abrupte Rhythmuswechsel, Patternbrüche und unkonventionelle Sounds. Nichts davon wirkt kalkuliert, alles fließt spielerisch. Genau dadurch wird es nie langweilig. „Green Milk from the Planet Orange“ sind mehr als „nur“ eine japanische Post- oder Prog-Band. Im gegensatz zu Genregrößen wie „Mono“ spielen sie mit Punk-Einflüssen, lassen progressive Passagen ins Träumerische kippen und ziehen den Hörer dann plötzlich in surfige, brachiale Höhepunkte. Momente, in denen jedes Gliedmaß automatisch mitgeht, der Körper zappeln und moshen muss!

Vielleicht spielen sie nur fünf Songs am Abend, aber jeder davon geht gefühlt zwanzig Minuten. Man spürt die Brachialität, wie diese Band abgeht und wie sehr sie in ihrer eigenen Musik aufgeht. Gleichzeitig sieht man, dass der Band diese Momente etwas bedeuten. Dead K, Damo und „A“ schauen sich immer mal wieder glücklich zu „ist das gerade real?“

Und die Antwort lautet: Ja ist es! „Green Milk from Planet Orange“ haben das Publikum in der Hand! Die älteren Semester sitzen hinten vertieft in der Musik, die Jüngeren stehen vorne, moshen, verlieren sich im Sound. Und genau diese Mischung funktioniert überraschend gut.

Am Ende bleibt das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben. Ein Abriss, aber kein stumpfes runterspielen von Songs, sondern ein Abend, der sich entwickelt, aufbaut und nachhallt. „Green Milk from the Planet Orange“ kommen dieses Jahr noch für weitere Konzerte und Festivals nach Deutschland. Wer auch nur ansatzweise etwas mit Post-Rock, Prog oder Punk anfangen kann, sollte sich das nicht entgehen lassen.
Dont spill green Milk – it could lead to a fantastic concert!

 

Tourdates (DACH mostly):
20.01. – Vinyl-Reservat, Göttingen
21.01. – Chemiefabrik, Dresden
22.01. – Art Cafe Kalambur, Wrocław
23.01. – Viper Room, Wien
24.01. – Spagatklubfestival, St. Gallen
04.02. – Slowclub, Freiburg
27.06. – Kesselhaus Schlachthof, Wiesbaden
31.07. – Strombad, Cottbus