Future Palace in Stuttgart -Von energiegeladenen Stimmen über Power im Moshpit bis hin zu tiefen emotionalen Geständnissen

Als Future Palace am 13. Oktober im Rahmen ihrer Europatour Halt in Stuttgart machten, zeigten die Berliner, wofür die Band steht: Sie geben durch ihre Musik Betroffenen von mentalen Krisen, Depressionen und toxischen Beziehungen Trost und Hoffnung, aber eben auch ein Ventil für all die Emotionen, die viel zu oft gesellschaftlich tabuisiert und als Schwäche degradiert werden.

Aber beginnen wir von vorn.

Bereits bei meiner Anfahrt kamen mir auffällig viele schwarz gekleidete Menschen entgegen. Und auch die Menschenschlange vor dem Wizemann war ein gemischter Haufen von jung bis alt: in Schwarz, einige mit Kutten, andere düster geschminkt oder mit diversen Festivalshirts am Körper. Was jedoch wohl alle vereinte an diesem Abend, war die Lust auf die Musik.

Luna Kills eröffneten den Abend um 19:45 Uhr. Mit ihrer unfassbar coolen Frontfrau Lotta Ruutiainen, die eine enorm ausdrucksstarke Präsenz auf der Bühne hat, war sogar das Stuttgarter Publikum direkt hellwach und am Moschen. Ich habe die finnische Metal-Band zum ersten Mal erlebt, war aber absolut begeistert und werde  sie mir merken.

Zweiter Support-Act des Abends – As Everything Unfolds

Als zweiter Support-Act übernahmen danach As Everything Unfolds die Bühne und hielten das Energielevel im Wizemann direkt oben. Auch hier war es die Frontfrau Charlie Rolfe, die mit ihrer ansteckend guten Laune und Präsenz die Aufmerksamkeit auf sich zog. Gerade in den ersten Reihen war das Publikum sehr textsicher und unterstützte die britische Band lautstark bei ihren Songs, wie beispielsweise „On the Inside“.

 

Emotionaler Auftritt von Future Palace in Stuttgart

Um 21:30 Uhr war es dann endlich so weit und Future Palace übernahmen die gut gelaunte Crowd mit ihrem ersten Song „Deep Blue“ und einem farblich perfekt abgestimmten Bühnenlicht.

15 weitere Songs folgten, in denen die Band zeigte, wofür sie steht und was sie so besonders für ihre Fans macht. Der Spagat zwischen musikalischer Härte auf der einen und dem mutigen Offenlegen eigener Wunden auf der anderen Seite gelingt ihnen hervorragend. Man fühlt sich, besonders als Frau, die selbst mit mentalen Problemen zu kämpfen hat, gesehen, akzeptiert und verstanden.

So auch, als Maria Lessing auf der Bühne erzählte, erst seit diesem Jahr ihre ADHS-Diagnose bekommen zu haben, oder von ihrem Imposter-Syndrom berichtete, das mit wachsendem Erfolg der Band immer stärker wurde.

Ganz besonders emotional empfand ich den Moment vor dem Song „Paradise“, als sie erzählte, sie leide unter Depressionen und Traumata und habe daher oft keine Kraft mehr. Doch gerade die Musik hilft ihr, neben ihrer Therapie, sehr. Sie appellierte hier auch, wie wichtig es sei, sich professionelle Hilfe zu suchen, um derartige Krisen zu überwinden.

Diese Awareness für mentale Gesundheit war in jeder ihrer Zeilen und Töne spürbar.

Ein weiterer schöner Moment war, als die Frontfrau darum bat, bei ihrem nächsten, ruhigeren Song „Tilda Waves“ an eine Person zu denken, die man liebt. Sie selbst sieht ihn als ihren persönlichsten und wichtigsten Song, den sie je geschrieben hat. Es geht um die tiefe und bedingungslose Liebe zu ihrer jüngeren Schwester, dem für sie wichtigsten Menschen in ihrem Leben.

Was macht eigentlich die Kuh im Publikum?

Maria Lessing ging sehr auf das Publikum ein, auch als sie nach einer Kuh fragte, die wohl durch die Menge schwebte. Es handelte sich dabei um einen Stoff-Stier, der die Band zum Lachen und zwischen den energiegeladenen Songs kurz zum Durchatmen brachte.

Der Abend war wundervoll und es war ein tolles Konzert. Mich wundert es daher nicht, dass viele der Shows ausverkauft sind.