All them Witches tauchen das Velodrom in Extase

All them Witches_Tempodrom_2025 (19)
Fotocredit
Oliver Plank

Es gibt Abende, an denen eine Band eigentlich gar nicht viel machen muss, um einen sofort abzuholen. All Them Witches schaffen das schon in den ersten Minuten. Kaum stehen sie auf dieser viel zu großen Bühne im Berliner Velodrom, knallt der Einstieg so direkt, so klar und so ungefiltert aus den Boxen, dass man schlagartig näher an der Band ist, als die Entfernung zwischen Stage und Publikum es überhaupt zulassen dürfte. Dieser Beginn war einfach sau stark – alles dicht, alles flüssig, alles auf den Punkt. Ein Start, bei dem man sofort spürt: Heute kann was passieren. Diese intime, fast schon spirituelle Art der Band zieht das Publikum sofort in seinen Bann!

Die Setlist entscheidet sich dann bewusst dafür, in der Mitte runterzufahren. Nach dem druckvollen Start schwingt das Set in atmosphärische Passagen, wird leiser, langsamer, fast schon meditativ. Das Publikum lässt das zu, viel konzentriertes Lauschen, ein paar vereinzelte Grüppchen, die richtig abgehen, sich treiben lassen.

Und während die Songs im Mittelteil wie ein einziger großer Atemzug wirken, wartet jeder eigentlich die ganze Zeit nur auf diesen psychedelischen Moment, an dem All Them Witches wieder komplett aufdrehen. Und genau das passiert dann auch. Die zweite Hälfte des Gigs dreht wieder spürbar auf, die Verzerrungen nehmen zu, die Instrumente kreisen umeinander, die Dächer des Raumes wölben sich plötzlich wieder. Es ist dieser typische Strudel, den die Band so gut kann: man driftet rein, verliert die Orientierung, aber fühlt sich sicher genug, um drin zu bleiben. Der erwartete Höhepunkt kommt spät, aber er kommt, und er reißt die Show noch einmal sauber nach oben.

Auffällig ist dabei Gitarrist Ben McLeod, der vielleicht oft übersehen wird, aber eigentlich heimlich der Motor der Band ist. Seine Effekte! Diese Hallräume, die er baut. Diese flirrenden Übergänge, die nichts Überflüssiges haben, sondern einfach der Kern dessen sind, warum diese Band überhaupt so wirkt, wie sie wirkt. Der Sound selbst hätte allerdings ein wenig mehr Lautstärke vertragen. Für die Größe des Venues wäre da noch was gegangen!

So aber blieb ein Abend, der musikalisch total getragen hat und der gleichzeitig gezeigt hat, was für eine Kraft diese Band in sich trägt, wenn man sie komprimiert in einem kleinen Venue sehen würde? Die Songs funktionieren trotzdem, man kann den Kopf ausschalten, man kann sich reinfallen lassen, man kann diese langen psychedelischen Solos einfach nehmen, ohne nachzudenken und mit Ihnen abheben.

Und genau das ist auch das Fazit: gerne nochmal, aber bitte in einem Venue, das enger, dreckiger, verschwitzter ist!