Konzertreview: Third Eye Blind in Berlin

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8.8
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Bevor Third Eye Blind mit ihrem College-Rock ins sonnige Kalifornien einladen, stehen Kensington Road auf der Bühne. Die einzige Vorband hat in Berlin ein Heimspiel und viele Fans sind extra früh im fast ausverkauften Bi Nuu. Trotz etwas dünn abgemischtem Sound erledigen Kensington Road ihren Job richtig gut und bringen sogar einen Fan stagedivend von der Bar zur Bühne.

Dann ist es endlich soweit. Third Eye Blinds Deutschlandshows sind rar gestreut und umso glücklicher darf sich schätzen, wer die Band einmal live erwischt. Nach über 25 Jahren und 12 Millionen verkauften Alben ist von der ursprünglichen Kombo bis auf Sänger Stephan Jenkins und Drummer Brad Hargreaves niemand mehr übrig. Doch live fällt dies kaum auf. Enorm laut im Vergleich zu Kensington Road legen Third Eye Blind los und lassen keinen Zweifel daran, dass der Abend kein bloßer Best-Of-Gang  durch die Bandgeschichte werden soll. Anstatt auf Nummer sicher zu gehen und mit altbekanntem zu starten, eröffnet die Band mit „Screamer“ vom gleichnamigen neuen Album. Gleich hinterher schickt Stephan Jenkins „The Kids are coming (To Town)“ und schnell wird deutlich, dass auch das neue Material überzeugen kann. Dann geht jedoch ein spürbarer Ruck durchs Publikum, denn ohne Umschweife starten Third Eye Blind mit dem ersten Klassiker „Never let you go“. Das bunt gemischte Publikum im Bi Nuu wird besonders bei den alten Songs laut und zeigt sich extrem textsicher.

Artig bedankt sich Stephan Jenkins für den Support und ruft Berlin zu seiner europäischen Lieblingsstadt aus. Doch warum kommt die Band dann nicht öfter auf Tour? Dies ist erst die siebte Deutschlandshow in diesem Jahrzehnt. Darauf gibt es an diesem Abend keine Antwort. Beeindruckend ist in jedem Fall der Fitnesszustand des inzwischen bereits 55-jährigen Stephan Jenkins. Der Ex von Hollywood-Sternchen Charlize Theron und von Sängerin Vanessa Carlton scheint kaum gealtert und ist stimmlich immer noch in Hochform. Egal ob solo mit Akustikgitarre oder als polternder Alternative-Rocker: Der Sound an diesem Abend im Bi Nuu ist erstklassig abgemischt. Da stört es auch nur wenig, dass sich Stephan Jenkins etwas mundfaul zeigt. Dafür überzeugt er auf der Bühne. Das treibende „Anything“ wird verknüpft mit einem Medley aus „Crystal Baller/Blinded (When I see you)“. Geschickt verweben Third Eye Blind die einzelnen Songs und spielen teilweise verkürzte Versionen, um möglichst viele Fanfavoriten auf die Liste zu bekommen. Die hin und wieder eingestreuten neuen Songs stören da nicht weiter: Insgesamt sieben Songs vom „Screamer“-Album gibt es zu hören.

Als Zugabe kommt wenig überraschend der Überhit „Semi-Charmed Life“, bei dem das Bi Nuu erstmals kurz überschnappt. Third Eye Blind spielen extra noch „How’s it going to be“ als allerletzte Zugabe, „weil es sicher wieder eine Weile dauert, bis wir hier erneut spielen.“ Dann ist das Konzert aber auch schon nach etwas mehr als einer Stunde vorbei. Etwas schade, denn zwei bis drei weitere Songs hätte man gerne noch gehört. So fehlt zum Beispiel „Losing a whole Year“. Vielleicht holen Third Eye Blind das beim nächsten Mal nach. Angst vor dem Altersheim muss der fitte Stephan Jenkins auf jeden Fall noch nicht haben.

The Breakdown


Stimmung
8
Location
9
Songs
9
Weiterempfehlung
9