Review: Alles Gute kommt von oben! Knocked Loose – Karlsruhe

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Fotocredit:
Pia Böhl
8.3
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Letzte Woche waren wir bei den Hardcore-Punkern von Knocked Loose in der Karlsruher Stadtmitte zu Gast. Mit dabei waren als hammerharter Support Kublai Khan, Cruel Hand und Caged Existence.

Alles Gute kommt von oben!
Knocked Loose, 2013 in Kentucky gegründet, überzeugten neben gitarrenlastigem, frechen Sound und brachialem Schreigesang mit Ruder- und Stagediving-Spaß für die ganze Familie. Aber der Reihe nach:

Zum Ende der Show von Caged Existence kamen wir im Club an. Es erwartete uns eine bereits stark verdichtete Hardcorefans-Front, durch welche wir versuchten uns zu hin durch zu schieben. Auf der Bühne schlich bereits die Sängerin wie eine Löwin vor Gitterstäben über die Bühne und beäugte ernst das Publikum. Die kleine, unauffällige Vocalistin stieß auf einmal brüllende Laute aus welche weniger zu ihrem Aussehen, mehr aber zum metallischen Klang der australischen Band passten. Nicht nur dem tiefen, kratzigen Growlen sondern auch der Location, musste man den Verständlichkeits-Verlust zur Last regen. Insgesamt hörte man mehr lautes Krachen und Scheppern als alles Andere. Bereits in der ersten halben Stunde begann sich das Publikum ordentlich ein zu heizen und bildete vor der Bühne einen großen Freiraum. Dort präsentierten die Hardcore Fans bereits ihre Windmühlen-Skills.

Richtig Stimmung kam dann erst bei Cruel Hand auf, der zweiten Support Band. Die Harcdcore Punker aus Portland leisteten deutlich mehr um das Publikum anzuheizen. Neben einer starken Bühnenpräsenz, sprang Sänger Chris Linkovich, smashte den Zuschauern der ersten Reihe das Mikro ins Gesicht und warf sich von der Bühne um das Pit selbst etwas aufzumischen. Für ein kleines Highlight sorgte der Auftritt des Gitarristen Isaac Hale, der zuvor im Hintergrund saß und sein Handy lud. Hale brüllte der Menge in die Ohren, welche sie noch mehr anzuheizen schien. Die Violent Dancer gingen nun immer mehr zur Sache und aus ein par  Einzelkämpfern war nun ein wütender Mob geworden. Während unsere Fotografin sich mit Kamera durch die erste Reihe schlug, drückte ich mich an die Wand und versteckte mich hinter zwei großen männlichen Wellenbrechern. Musikalisch gefielen mir diese Band am Besten.
Bei Kublai Khan wurde der Saal nochmal etwas voller und dichter. Die vierköpfige Beatdown Band schlug noch einmal ordentlich auf den Putz und ließ den Pulk headbangen und auf einander eindreschen bis schließlich die Hauptband die Bühne betrat. Um die Wartezeit zu nutzen huschte ich erstmal etwas weiter nach hinten, nur um zu Beginn des Auftritts fest zu stellen, dass ich nun genau in  der Stagediving Lane geraten war. Knocked Loose eröffneten das Feld, doch erst beim zweiten Song ging es richtig rund: Der ganze Saal glich einer einem Reagenzglas voll mit sich anziehenden und abstoßenden Molekülen. Die ersten drei Songs konnte ich nicht mal nach denken sondern war nur damit beschäftigt Hiebe von allen Seiten abzudämpfen, so wie – ACHTUNG – Füßen, Köpfen und Armen von oben auszuweichen oder meine Arme hoch zu reißen. Schließlich passierte es, ich passte eine Sekunde nicht auf. Ein eher schlacksiger Kerl landete direkt auf meiner Luftröhre. Er entschuldigte sich und während er weiter sprang versuchte ich noch luftringend ihm mit zu teilen, das alles okay sei. Tatsächlich fragte mich später mein Freund wo denn der Knutschfleck her käme, da ich ein rötliches Hämatom als Souvenir mitnehmen durfte. Auch mein Daumen hatte etwas abbekommen, aber meine Freude dass er überhaupt noch da war überwog dem Schmerz.
Musikalisch legten die Hardcore-Helden gegenüber ihren Support-Vorgängern nochmal ordentlich einen drauf: Verzweifeltes Shouting, “Arrrrf Arrrf” Geräusche, schrillende Gittarrenriffs und treibende Beats füllten defintiv zu Recht die kleine Karlsruher Location.

FAZIT: Knocked Loose sind zweifellos Meister ihrer Klasse und beweisen das Live auf ihre eigene brutale Art und Weise die keinen Hardcore Fan enttäuscht. Möglich als Fan ist hier alles. Vom bloßen Zuhören von der Bar aus bis zum auf der Bühne mit dem Sänger in ein Mikro kreischen und sich in die Masse werfen. Das Vorprogramm ist ebenfalls ein kleines Highlight und baut in der Reihenfolge optimale Vorfreude auf und wirkt wie das bereits heftige Vorglühen vor der eigentlichen Party. Für jeden Hardcore Fan absolut empfehlenswert.

The Breakdown


Sound
7
Licht
8
Atmosphäre
10