Review: Joe Bonamassa – 17.05.2019 Münster, Halle Münsterland

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Fotocredit:
Luke Young
9.7
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Bei den meisten Menschen mit einer Affinität zu gitarrenlastiger Musik, sorgt sein Name für große Freude. Nicht nur, weil Joe Bonamassa ein großartiger Gitarrist, Musiker und Performer ist, sondern auch weil es mittlerweile bekannt ist, das er seinen deutschen Fans regelmäßige Besuche abstattet. So auch am 17.05. in der Halle Münsterland in Münster. Ungefähr 4000 Menschen sind gekommen, um die 2 1/2 stündige Bluesrock-Show des amerikanischen Gitarristen zu sehen. Pünktlich um 20:00 beginnt das Konzert und wir nehmen unsere Plätze in der komplett bestuhlten Halle ein.  

Zu Beginn gibt es ein Muddy Waters-Cover von “Tiger In Your Tank”, das gekonnt aus dem Intro vom Band in die Live-Version überspielt wird. Die Band ist zwar direkt da, der Sound ist anfangs allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, da er nicht so modern daher kommt, wie man es vielleicht von aktuellen Produktionen gewöhnt ist. Damit meine ich zum Beispiel die Bassdrum. Wenige Obertöne sorgen zu Beginn für einen verschwommenen Höreindruck, der sich jedoch zunehmend bessert. Das heißt, die Ohren gewöhnen sich daran und spätestens nach dem zweiten Song hat man auch das Konzept hinter dem Sounddesign verstanden. Der Bass grummelt in wunderbarer Vintage-Manier vor sich hin. Michael Rhodes ist als Bassist übrigens der einzige, der sich mit Bonamassa auf der Bühne hin und her bewegt. Durch seine Ausstrahlung und sein fast dauerhaftes Lächeln ist er ein weiterer “Hingucker”. Generell sorgt das vornehmlich aus vergangenen Zeiten stammende Equipment für einen sehr warmen, angenehmen Sound, der nicht überladen wirkt. Bonamassas Stimme und sein Gitarrenspiel stehen dabei, gemessen an der Lautstärke, über allem. Das war auch nicht anders zu erwarten, geschweige denn vom Publikum anders gewünscht. Dieses bedenkt die Band um den Gitarrenvirtuosen mit viel Beifall. Nachdem man mit “King Bee Shakedown” und “Evil Mama” genug eingeheizt hat, kommt nun der erste ruhigere Moment des Sets. “Self Inflicted Wounds” war für mich einer der größten Hits des aktuellen Albums “Redemption”. An der Reaktion des Publikums lässt sich entnehmen, dass es nicht nur mir so geht und die Band zeigt nun, dass sie sehr dynamisch und gefühlvoll zusammen spielen kann. Der großartige Backgroundgesang von Jade McRae und Mahalia Barnes rundet diesen Song ab. Anschließend geht es wieder vorwärts. Die drei aus dem “Blues Of Desperation”-Album entnommenen Songs “This Train”, “Blues Of Desperation” und “How Deep This River Runs” folgen und werden jeweils mit ausladenden Solopassagen veredelt, in denen Bonamassa zwar viele Klischees des Bluesgitarren-Spiels bedient, jedoch auch einige, innovativ anmutende Linien verwendet. Man sollte meinen, das einem nach dem 8. langen Gitarrensolo Langeweile überkommt, das Gegenteil ist jedoch der Fall. Ein weiterer Fan-Liebling bremst das Programm wieder etwas aus. Verdientermaßen muss man sagen. “Sloe Gin” gehört wohl zu den bekanntesten von Bonamassa’s Coverversionen. Tim Currys Song wird hier erneut um ein gefühlvolles Gitarrensolo erweitert und sorgt für den ein oder anderen Gänsehautmoment. Mit “I Get Evil”, “Little Girl” und “Last Kiss” beschließt Bonamassa das reguläre Set. Vor dem letzten Song bittet er das Publikum nach vorne. Nachdem wir nun ganz vorne stehen, beginnt die Zugabe. Eine Soloakustikdarbietung von “Woke Up Dreaming”. Hierbei zeigt sich einmal mehr, dass dieser Mann nicht nur Gitarre spielen kann, sondern auch etwas von Performance versteht. Über 10 Minuten hält er das Publikum mit teils sehr leisen und dann wieder sehr lauten Passagen bei der Stange. Dabei bleibt es fast immer sehr virtuos. Zugegeben, die “Lichtshow” dieses Songs, die quasi nur einen einzigen Verfolger auf ihn richtet, stellt ihn noch weiter in den Mittelpunkt. Nachdem die Akustikgitarre wieder abgelegt und die Band die Bühne wieder betreten hat, folgt noch ein Cover und dann der tatsächlich letzte Song “Mountain Time”. Hier werden noch einmal alle Register gezogen. Ein Solo-Battle mit Michael Rhodes und dem Keyboarder/Organisten Reese Wynans ist hier der Höhepunkt. Letzterer ist übrigens mit Stevie Ray Vaughan und Double Trouble in der Rock’nRoll Hall Of Fame aufgenommen. Das sollte eigentlich schon ausreichen, um die Tragweite dieser Show auf zu zeigen. 

Fazit:

Ein großartiges Konzert liegt hinter uns. Joe Bonamassa gibt sich wie immer wortkarg, aber bestimmt und zeigt, weshalb er als einer der größten Bluesgitarristen der heutigen Zeit gehandelt wird. Zusammen mit einer fabelhaften Band klingt er großartig wie nie und versprüht auch nach ewig langem Touren noch immer die gleiche Energie und Freude am Musik machen, wie schon Jahre zuvor. Für alle Fans von handgemachter Musik quasi ein Muss!

The Breakdown


Sound
9.5
Licht
9.5
Atmosphäre
10